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Kühe, Bullenmast und Getreideanbau Kein Problem: Der Landwirt ist in Schwagstorf eine Frau

Von Karin Kemper | 03.07.2014, 20:36 Uhr

Seit dem Jahr 2002 ist Bettina Höckmann Chefin auf dem Hof an der Schäferhorst in Sie ist gelernte Landwirtin, hat an der Uni Göttingen Agrarwissenschaft mit Schwerpunkt Ökonomie studiert und eine Ausbildung zur Steuerfachgehilfin absolviert.

Für Außenstehende ist es nach wie vor überraschend, wenn der Landwirt eine Frau ist und der Ehemann als Aushilfskraft mithilft. Bettina Höckmann schmunzelt: „Die Frage, ob ich das alles allein mache, höre ich durchaus.“ Rainer Höckmann ist Maschinenbauingenieur und verlässt frühmorgens den Hof, um zur Arbeit zu fahren. Apropos morgens: Die Landwirtin ist gegen 5 Uhr im Stall – zum Melken. Ihr war und ist es wichtig, vor 7 Uhr mit dieser Arbeit fertig zu sein, damit Zeit bleibt, um mit den Kindern zu frühstücken.

Inzwischen absolviert der 17-jährige Sohn eine landwirtschaftliche Ausbildung, während die Tochter noch zur Schule geht. Rückblickend auf die Kindergartenzeit, meint Bettina Höckmann: „Damals habe ich mich immer ungezogen – der Rekord liegt bei 17-mal – , wenn ich die Kinder mit dem Auto gefahren habe ...“

Zum Hof gehören heute 18 Kühe und die weiblichen Nachkommen. Außerdem werden Fleckviehkälber zugekauft, gemästet und auf dem Acker das Futter für die Tiere angebaut. Sie mahlt selbst das Getreide für die Bullen, nur Eiweiß wird zugekauft. Das heißt: Die Arbeit ist vielfältig. Die damit verbundenen Anforderungen ebenfalls. Bettina Höckmann schätzt die Abwechselung. Sie sagt: „Ich fahre gern Trecker.“ Dabei hat sie allerdings Konkurrenz. Ihr Mann mag diese Tätigkeit genauso wie inzwischen der Sohn.

Obwohl die Ausbildung noch überschaubar lange her ist, weiß die Hofbesitzerin: „Der technische Fortschritt seitdem ist enorm. Ich habe in der Lehre auf dem Acker noch gehackt.“ Davon kann inzwischen keine Rede mehr sein. So oder so gilt: „Technik muss funktionieren.“ Bettina Höckmann sagt: „Um selbst zu reparieren, reicht die Zeit einfach nicht.“

Mit der technischen Entwicklung ist körperliche Belastung zurückgegangen. Zentner-Säcke Saatgut gibt es zwar immer noch, aber erste deutsche Firmen, so die Landwirtin, liefern inzwischen wie die Österreicher leichtere Säcke. Insgesamt gilt: Auf dem Hof muss gut geplant werden – aber ohne Flexibilität geht gar nichts. Nur allzu schnell kann das Wetter die Pläne durchkreuzen. Dann muss eine Alternative gefunden werden. Entscheidend dabei für die Schwagstorferin: „Auch an stressigen Tagen habe ich Spaß an der Arbeit. Das ginge auch nicht anders. Man muss hinter dem Beruf stehen.“

Und selbst wenn das totale Durchplanen selten klappt, abends ist zu sehen, was geschafft wurde. Dazu gehört auch das zweite Melken. Das wiederum muss bis 18 Uhr abgeschlossen sein, weil etwas später der Milchwagen zur Abholung kommt.

Ein Aspekt ist der zweifachen Mutter im Hinblick auf ihren Beruf ganz wichtig. Das ist die Freiheit, den Tag so zu organisieren, dass die Familie genügend Raum bekommt. Das gilt ganz besonders im Miteinander mit den Kindern. „Das muss man nutzen und genießen.“ Ebenfalls ein Vorteil: „Ich stehe vom Esstisch auf und bin an meinem Arbeitsplatz.“

Ganz allein steht Bettina Höckmann übrigens doch nicht vor der täglichen Arbeit auf dem Hof. „Meine Mutter erledigt viel bei der Fütterung und arbeitet bei mir hinterher.“ Mit viel Hochachtung fügt sie hinzu: „Vor ihr ziehe ich den Hut, was sie mit 77 Jahren körperlich alles schafft ...“

Eine landwirtschaftliche Ausbildung, so die Schwagstorferin, bildet eine höchst vielseitige Grundlage. „Betriebswirtschaft, Tiere und Pflanzen – man kriegt alles mit.“ Außerdem dürfe man in der Ausbildung den Hof wechseln, eine andere Familie kennenlernen. Das gebe es in keinem anderen Beruf. Somit lautet Bettina Höckmanns Fazit: „Landwirtschaftliche Ausbildung – finde ich gut.“ Das gesammelte Wissen ist erforderlich, um ordnungsgemäß zu wirtschaften. Dazu wiederum gehört auch die umfangreiche Dokumentationspflicht auf dem Hof. „Das ist ein kostspieliger Bereich geworden, denn neben der Zeit müssen auch die Prüfer entlohnt werden“, sagt die Expertin. Sie ist sich sicher: Der Beruf ist für sie genau richtig. Derzeit wird alles per Hand gefüttert. Das könnte auf Sicht anders werden, wenn Sohn Joachim in den Betrieb einsteigt. Dann könnte die Bullenmast ausgebaut, Technik eingesetzt werden.

Derzeit gilt für Bettina Höckmann: „So, wie der Hof mit Milchvieh und Bullenmast heute ist, ist das für mich machbar.“ Wie es weitergeht, wird sich zeigen.