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Johanna Brörmann berichtet Schwagstorferin erlebt US-Wahlkampf in Virginia

Von Johanna Brörmann | 01.11.2016, 18:30 Uhr

Im vergangenen Jahr hatte sich Johanna Brörmann erfolgreich um ein Stipendium im Parlamentarischen Patenschafts-Programm (PPP) des Deutschen Bundestags und des amerikanischen Kongresses beworben. Dieses Schuljahr verbringt die 16-Jährige aus Schwagstorf als Austauschschülerin in Buckhannon, West Virginia. Inzwischen hat sie sich in den USA gut eingelebt und Zeit für einen ersten Reisebericht gefunden. Darin zieht sie Vergleiche zwischen dem deutschen und dem amerikanischen Schulsystem und beschreibt den Präsidentschaftswahlkampf. Lesen Sie selbst.

„Nachdem ich angekommen bin, bin ich am ersten Tag direkt zur Schule gegangen. Ich war natürlich total überwältigt: neue Leute, neue Räume und natürlich eine neue Kultur. Dann habe ich meinen Stundenplan bekommen. Ich habe folgende Fächer: Yearbook, Fotografie, Kriminaltechnologie, Theater, Blumenkunde und selbstverständlich auch „normale“ Fächer, wie Englisch, Mathe und Geschichte.

Arbeitstempo ist gering

Die Highschool war für mich am Anfang sehr ungewohnt, da das Arbeitstempo sehr gering ist und ich in manchen Kursen einfach nur rumsitze. An diese Entspanntheit habe ich mich jetzt allerdings gewähnt und hinterfrage es auch nicht mehr. Außerdem habe ich gelernt, dass wir sehr glücklich über unser Schulsystem sein können, da wir uns keine Sorgen über hohe Schulgebühren machen müssen. Die Highschool hat aber auch Vorteile, zum Beispiel sagt mir das Kurssystem mit verschiedenen Leuten viel mehr zu als unsere festen Klassen in Deutschland, da man einfach viel mehr Leute kennenlernt und so die ganze Schule vernetzt ist. Außerdem sind die Leute, insbesondere die Jugendlichen, viel eher bereit, Freiwilligenarbeit zu leisten. Hier ist es „cool“, in der Kirche zu helfen oder ein Musikinstrument zu spielen. Außerdem mag ich den „Schoolspirit“, den man besonders bei Highschool-Sportevents spürt: Fast das ganze Dorf ist an den Ergebnissen der Teams interessiert. Wenn wir ein Volleyballspiel haben, beträgt der Eintritt fünf Dollar und es ist trotzdem voll. Im großen und ganzen kann man sagen, dass die Schüler hier zwar definitiv weniger lernen, aber dafuer mehr Wert auf Sport und Ehrenamt gelegt wird.

Ein armer Bundesstaat

Ein weiteres spannendes Ereignis ist die Präsidentschaftswahl im November. West Virginia ist ein ziemlich konservativer, armer und rechter Bundestaat der USA. Trump sagt den meisten Leuten hier sehr zu und fast jeder, den man fragt, sagt, dass er Trump mag und ihn wählen will. Natürlich bilden einige auch die Ausnahme und sagen, dass sie beide nicht mögen. Allerdings habe ich noch niemanden gehört, der Hillary Clinton mag. Viele Leute tragen auch „Trump Merchandise“, als Werbemittel wie T-Shirts und Caps, stellen Schilder in den Garten oder bekleben ihr Auto mit Stickern. Ich denke, dass es dies auch von Clinton gibt, allerdings nicht so häufig in West Virginia. Ich gewinne hier mehr und mehr den Eindruck, dass es trendy ist, Trump zu wählen und viele gar nicht so recht darüber nachdenken, was er möchte und auf den „Trump Train“ aufspringen, aber natürlich gibt es auch hier viele Ausnahmen.

Auf dem Trump-Train

Was ich hier gemerkt habe, ist, dass Trump in Deutschland als böse angesehen wird und von deutschen Medien nicht neutral behandelt wird. Zwar drückt er sich nicht präsidial aus und hat schon viele, nach westlichen Werten, schlechte Dinge getan, aber ihm wird in Deutschland kaum eine Stimme gegeben, um z. B. seine wirtschaftlichen Vorhaben zu schildern. Ich empfinde, dass viele Deutsche Clinton als die Liebe und Trump als den Bösen ansehen, wobei doch beide schon viele Fehler gemacht haben und beide die Bevölkerung geschockt haben, zum Beispiel mit verschwundenen E-Mails (Clinton) oder sexuellen Handlungen gegenüber Frauen (Trump). Ich bin gespannt, wer am 8. November Präsident wird, wobei ich aber stark auf Hillary Clinton tippe.

Ich hoffe, ich konnte einen kleinen Eindruck in das Schulsystem und die Präsidentschaftswahl geben und grüße ins Wittlager Land“.