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Energiegenossenschaft Nahwärmenetz in Venne wird eingerichtet

Von Rainer Westendorf | 10.07.2014, 17:39 Uhr

„Wir sind auf gutem Weg. Jetzt kommen die entscheidenden Minuten“, zog Ostercappelns Gemeindebürgermeister Rainer Ellermann Parallelen zum Fußball. Und – um im Bild zu bleiben – die Partie wurde erfolgreich beendet: Das Nahwärmenetz zur Versorgung Venner Haushalte wird errichtet. Das steht nach der jüngsten Veranstaltung im Landgasthaus „Zum Löwen“ fest.

In den vergangenen Wochen haben sich genügend Hausbesitzer gefunden, die sich an dem Projekt beteiligen wollen. Die Gründung einer Bürgerenergiegenossenschaft wurde auf der Versammlung am Mittwochabend zudem eingeleitet. Es gibt eine ausreichende Zahl von Bürgern, die bereit sind, eine Aufgabe in der künftigen Genossenschaft zu übernehmen.

Gesucht werden neben Mitgliedern Personen, die sich in Aufsichtsrat und Vorstand engagieren wollen. Die offizielle Gründungsversammlung findet voraussichtlich noch im August statt. Am 29. Juli ist ein Treffen terminiert, um diese Veranstaltung vorzubereiten. Bundesweit gibt es übrigens bereits mehr als 900 solcher Energiegenossenschaften.

Wie berichtet, sollen mithilfe der Wärme aus den Backstraßen der Waffelfabrik Meyer zu Venne Haushalte in der Ortschaft mit Wärme (Wasser, Heizung) versorgt werden. Bereits vorhandene Wärme soll also für die Energiegewinnung genutzt un d nicht mehr abgeleitet werden. Rund 350 Häuser könnten maximal angeschlossen werden. Nach dem heutigen Stand sind es rund 130 Haushalte, die mitmachen wollen. Bis Mittwoch, 23. Juli, haben Interessierte allerdings noch die Möglichkeit, ebenfalls teilzunehmen und Mitglied der Energiegenossenschaft zu werden. „Das ist dann aber auch der letzte Abgabeschluss. Dann geht nichts mehr“, erläuterte Mattias Partetzke vom Ingenieur Netzwerk Energie (INeG) aus Bad Iburg, das das Projekt begleitet und die Planungen übernimmt.

Nach Gründung der Genossenschaft sollen nämlich die konkreten Planungen beginnen. Dazu zählt das Ausarbeiten der Lieferverträge mit den einzelnen Haushalten, aber auch die Planung für die notwendige Trasse. Dann folgen die Auftragsvergabe und die Einrichtung des Netzes. Im Herbst 2015 – mit Beginn der Heizperiode – sollen die Häuser mit der gewonnenen Energie aus der Waffelfabrik beliefert werden. Das Projekt ist auf 20 Jahre angelegt.

Hohe Anschlussdichte

Bei derzeit 131 Haushalten besteht ein Investitionsbedarf von 3,3 Millionen Euro. Dafür gibt es auch finanzielle Zuschüsse vom Bund. Die vorgesehene Trasse ist rund sechs Kilometer lang. „30 bis 40 Häuser könnten noch problemlos dazukommen“, so Partetzke. Diese liegen direkt im Plangebiet und könnten jederzeit angeschlossen werden. Schließlich gilt: Je mehr Haushalte mitmachen, desto höher ist die Anschlussdichte und desto wirtschaftlicher ist das Gesamtvorhaben. Aber auch beim derzeitigen Stand rechnet sich das Vorhaben auf jeden Fall, betonten Matthias Partetzke, sein Kollege Bastian Hoffmann und Rainer Ellermann. „Wir wollen 200 Häuser anschließen“, formulierte Partetzke das endgültige Ziel. Das Nahwärmenetz leiste einen aktiven Beitrag zu Klimaschutz, es sei ein zukunftssicheres Projekt aus der und für die Region und helfe den Wärmekunden, Geld zu sparen. Bei heutigen Preisen (Öl und Gas) sei eine Gesamtersparnis von 20 bis 30 Prozent realistisch, so Partetzke.

Wie teuer ist der Beitritt zur Energiegenossenschaft? Es ist ein einmaliger Mitgliedsbeitrag (Eintrittsgeld) von 2500 Euro zu bezahlen. Die Kosten für die Erneuerung und Wartung der Heizungsanlage entfallen künftig. Ein wichtiger Punkt: „Das durchschnittliche Kesselalter liegt bei 19 Jahren“, wies Partetzke auf die Auswertung der Fragebögen aus dem Ort hin. Zum Mitgliedsbeitrag kommt ein jährlicher Grundpreis von 400 Euro. Die Energie aus dem Nahwärmenetz kostet 5,5 Cent pro Kilowattstunde.