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Demeter-Hof setzt auf geschlossenen Kreislauf und Direktvermarktung Bei Bünte haben sie noch Hörner

Von Steffen Meyer | 02.09.2011, 16:22 Uhr

Morgen bei der Kreistierschau in Vennermoor wird die schönste Milch gebende Kuh gekürt. Mit den Augen des Osnabrücker Herdbuchverbandes (OHV) und unter dem Blickwinkel der Tauglichkeit für die Produktion. Nicht mit von der Partie wird Jürgen Bünte mit seinen Tieren sein. Er betreibt einen Demeter-Hof, bei dem andere Kriterien gelten.

„Wir setzen auf biologisch-dynamische Bewirtschaftung“, so der Landwirt. Immer steht der geschlossene Betriebskreislauf im Mittelpunkt. Es werden genau so viele Tiere gehalten, wie es zur Grundlage, dem zur Verfügung stehenden Boden, passt. Die Milchkühe, eingekreuzt mit altdeutschem schwarzbunten Niederungsrind, spielen dabei die entscheidende Rolle. Sie liefern den wertvollen Dünger für die Bodenfruchtbarkeit. Darüber hinaus wird auf dem Acker Wert gelegt auf eine Fruchtfolge mit Kleegras, Luzerne, Getreide und Kartoffeln. Demeter-Produkte werden in Bioläden gehandelt oder im Direktvertrieb im eigenen Hofladen.

Der Weg dorthin ist weit, aber gut ausgeschildert, denn der Bio-Hof liegt optimal außerhalb des Ortes am Südwesthang des Venner Berges. Schon beim Betreten des Geländes werden die Unterschiede zu anderen Betrieben deutlich. Im Schatten des Venner Aussichtsturms ist alles etwas beschaulicher und uriger. Hier haben die Kühe noch Hörner, und sie fressen das frische Grün auf der Weide. Jede der 20 Milchkühe, deren sechs weibliche Nachzuchten, die zwölf Jungrinder und die Kälber auf dem Hof tragen einen eigenen Namen wie „Harmi“ oder „Sunny“. Der Deckbulle „Karlsson“ sorgt für die Nachzucht.

Damit das Futter auch qualitativ hochwertig und nährstoffreich ist, unterliegt der Ackerbau besonderen Kriterien. Während mancherorts auf einem Feld jedes Jahr das Gleiche angebaut wird, solange der Boden es hergibt, wird auf dem Hof Bünte großer Wert auf die achtjährige Fruchtfolge gelegt. „Dabei müssen streng ökologische Vorgaben beachtet werden“, so der Biobauer. Nur dann kann das Demeter-Gütesiegel vergeben werden. Gentechnisch veränderte Pflanzen und Getreide sind gänzlich tabu, damit nichts von Menschen unnatürlich Manipuliertes in die Nahrungskette gelangt.

All dies geschieht vor historischer Kulisse. „Der Grundstein für den jetzigen Hof wurde 1848 nach einem Brand gelegt“, berichtet Jürgen Bünte. Erste Aufzeichnungen über Landwirtschaft unter Familienregie gehen aber bis ins 17. Jahrhundert zurück. Die Umstellung auf einen Demeter-Hof erfolgte in den 1980er-Jahren durch Vater Wilhelm und Mutter Erika Bünte. Die Senioren leben und arbeiten noch heute auf dem Hof.

Betrieben wird er jetzt aber in erster Linie von Annika und Jürgen Bünte. Dessen Schwester – Birgit Zahn – und deren Tochter Freya managen den Hofladen, und deren Mann – Markus Zahn – ist für den Gemüseanbau verantwortlich. Als Gesellinnen in der Landwirtschaft sind Frances Rogee sowie – seit Juli – Laura Jürgens dabei. Anna Schmidt unterstützt als Teilzeitkraft. Muna Darwich wird als Auszubildende auf die Berufsanforderungen vorbereitet.