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Beifall für den Kölner Liedermacher Gerd Schinkel, der in Venne gastierte Mitten aus dem Leben gegriffen

Von Wolfgang Huge | 06.03.2011, 14:40 Uhr

Der Liedermacher Gerd Schinkel ist er seit mehreren Jahrzehnten aktiv und hat sich unter anderem darauf spezialisiert, deutsche Interpretationen des amerikanischen Liedermachers John Hiatt aufzulegen. Seit 1995 hat er auf zwei CDs mehr als 30 Titel von Hiatt als deutsche Versionen vorgestellt, die wie seine eigenen Songs von Dingen handeln, die mitten aus dem Leben gegriffen sind. Bei seinem ersten Konzert im Venner Saal Linnenschmidt kam er ausschließlich mit eigenen Songs daher, mal mit folkigem Fingerpicking, mal mit einer rockigen Anschlagtechnik, mal mit percussivem Groove oder auch in einfühlsamer Blues-Manier.

Abwechslungsreich war nicht nur sein Programm, sondern auch die Art und Weise, wie er seine Gitarre in verschiedenen Klängen spielte. Mit im Angebot hatte er eine Gitarre mit normaler Stimmung, eine Resonator-Gitarre, die er als Effekt einsetzte, und eine Gitarre mit einer sogenannten Dropped-D“-Stimmung. Gerd Schinkel veranstaltet in seiner Heimat, der Stadt Köln, sogenannte „Besenkammer-Konzerte“ auf einer kleinen Kleinkunstbühne in seinem Wohnzimmer.

Deshalb hatte er auch kein Problem damit, dass leider nur etwa 25 Gäste den Weg zu seinem Auftritt gefunden hatten. Vielleicht hatte dem Kölner Kultur-Export da der Karneval ins Werk gegriffen. Sei’s drum – schnell entschied er sich dafür, die Bühne mitten zwischen die Tische zu verlegen und den Saal in ein Wohnzimmer umzufunktionieren.

Während seines Konzerts herrschte eine konzentrierte Stille – man hätte eine Stecknadel auf den Boden fallen hören können –, und zwischen den verschiedenen Darbietungen gab es immer wieder Beifall für den Künstler, der seine Stücke thematisch entlang seiner Lebenslinie ausgewählt hatte.

Die Anregungen zu seinen Liedern bezieht Schinkel mitten aus dem Leben. Bereits in seinem „Opener“ zu seinen Konzerten scheinen schon seit Jahren in der Beschreibung eines Lebenslaufs Aspekte aus allen Lebensphasen auf. Um vom „Heute“ aus zurück zum Anfang zu kommen, variierte Gerd Schinkel die Idee aus der Erzählung „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ von F. Scott Fitzgerald (1921). Er ließ ein Leben innerhalb eines Liedes mit vier Strophen vom hoffnungsvollen Beginn am Ende bis zum schönsten Schluss am Anfang konsequent rückwärts ablaufen, um danach wieder mit vielen Liedern ein Leben vorwärts nachzuzeichnen – bis zum Heute.

„Jeder kommt irgendwo her, fängt irgendwann an... und macht irgendwie weiter“, so lautet Schinkels Lebensmotto. Das Leben, so zweiter Kernsatz seiner praktischen Lebensphilosophie, ist liebenswert – und gewiss auch lebenswert.“ Entsprechend bunt, abwechslungsreich und mit überraschenden Momenten gespickt präsentiert sich auch Schinkels Kurzbiografie. Geboren 1950 in Glückstadt an der Elbe, kam er 1958 nach Bonn, absolvierte ein Jurastudium und ein Zeitungsvolontariat in Kornwestheim. Ab 1982 Nachrichtenredakteur beim SDR-Hörfunk in Stuttgart, seit 1985 Politikredakteur beim WDR-Hörfunk in Köln, später Hörfunkkorrespondent in Bonn, heute Planer, Moderator, Kommentator und Musiker. Als Liedermacher orientierte er sich ab 1970 an amerikanischen Songwritern, und es folgten 1978 die LP „Kein Grund zur Aufregung“, 1980 die LP „Abrechnung“, 1982 das Liederbuch mit seinen „Überlebensliedern“ und noch rund ein Dutzend CD-Veröffentlichungen, darunter „Alles wie gehabt“ und „Sie ging einfach rüber“, in denen er auf der Fährte von John Hiatt wandelt.