365 Tage Karneval Lydia Bick ist Tanzmeisterin in Ostercappeln

Die Ostercappelnerin Lydia Bick liebt es, sich zu verkleiden. Karneval – das ist für sie eine wichtige Tradition. Foto: Sandra HeickDie Ostercappelnerin Lydia Bick liebt es, sich zu verkleiden. Karneval – das ist für sie eine wichtige Tradition. Foto: Sandra Heick

Ostercappeln. An 365 Tagen im Jahr ist in Lydia Bicks Leben Karneval. Mal mehr. Mal weniger. Die 50-jährige ist neben rund 40 Männern, die alle mal Prinz waren, die einzige Frau im Vorstand des Ostercappelner Karnevalsvereins. Sie darf mitreden, weil sie die Tanzmeisterin ist. Weil mit ihr das Programm der Prunksitzung steht oder fällt.

Beim Karneval war Lydia Bick, die in Schwagstorf aufgewachsen und dann vor 25 Jahren der Liebe wegen nach Ostercappeln gezogen ist, schon in der Schule hoch motiviert dabei. Als Zigeunerin. Holländerin. Ungarin. „Aber nie als klassische Prinzessin.“ Als sie elf Jahre alt war, fragte eine Freundin sie, ob sie nicht mal mit zur Juniorenfunkengarde des Ostercappelner Karnevalsvereins kommen wolle: Und Lydia Bick wollte. Sie schnupperte rein – und blieb. Zunächst als einzige Schwagstorferin in der Garde.

Eine ganz besondere Ehre

„Im Funkenmariechen-Kostüm tanzen zu dürfen, das ist eine ganz besondere Ehre“, sagt Bick. „Da ist man schon sehr stolz drauf. Die Garde ist das Aushängeschild eines Karnevalsvereins. Sie hat eine magnetische Wirkung auf jeden, der Tanz und Karneval liebt.“ Von der Juniorenfunkengarde wechselte Lydia Bick zu den Roten Funken, wo sie beim Showtanz oft in Männerrollen schlüpfen musste. Der Größe wegen. Das fand Bick nicht immer ganz so cool. „Vor allem, als ich mit 20 Jahren neongelbe Hosenträger samt passender Fliege tragen musste. Aber was tut man nicht alles für den Karneval.“ Auch ein Lieblingskostüm beim Showtanz kann Bick sofort benennen: „Ich als weiß geschminkter Clown, damals, als ich 18 Jahre alt war – das war toll.“

Nach ihrer Zeit als Funkenmariechen hatte Lydia Bick erstmal eine Zeit lang nichts mit dem Verein zu tun. „Aber dann hat man mich vor rund 17 Jahren gefragt, ob ich Lust hätte, die Juniorenfunkengarde zu trainieren. Und ich hatte Lust. Also wurde ich Trainerin.“

Choreografien entwerfen

Fortan war es Bicks Aufgabe, Choreografien zu entwerfen, um sie dann den kleinen Funkenmariechen (10 bis 13 Jahre) beizubringen. „So eine Choreografie ist dann gerne mal 30 Seiten lang“, sagt Bick. „Ich schreibe mir quasi zu jedem Takt auf, was auf der Bühne geschehen soll.“ Lesen könne ihre Notizen kaum jemand: „Ein Drucker hat mal gefragt, ob er das zu kopierende Dokument vom Englischen ins Deutsche übersetzen soll.“ Für den Zusammenschnitt der Medleys ist Lydia Bicks Mann zuständig. „Er unterstützt mich da total.“

Leitung des Männerballetts

Als die Mädchen aus Bicks erster Juniorenfunkengarde zu den Roten Funken wurden, blieb Bick ihre Gardeleiterin. Zudem übernahm sie die Leitung der neuen Juniorenfunken, zu denen auch ihre Tochter zählte. Inzwischen konzentriert sich die 50-Jährige auf die Großen, weil alles etwas viel wurde: 2004 hatte sie zusätzlich zur Gardeleitung noch die Leitung des Männerballetts übernommen, 2013 kam die Leitung des „Trio sweet 15“ hinzu, das Musik humoristisch zelebriert. Aktuell unter dem Motto „Melodien für Melonen“.

Die Garde trainiert das ganze Jahr über einmal wöchentlich, nur in den Sommerferien nicht. „Und selbst der eigene Geburtstag ist keine Ausrede, nicht zum Training zu kommen“, betont Bick. Das Männerballett und das „Trio sweet 15“ treten jährlich wechselnd auf. Geprobt wird ab Mitte September, einmal wöchentlich, auch mal zwei bis drei Stunden am Stück – „mit Zigarettenpausen“. Die Disziplin sei nicht ganz so hoch wie bei den Funkenmariechen. „Aber wenn es auf die Prunksitzung zugeht, dann reißen sich auch die Männer am Riemen. Blamieren will sich ja dann doch niemand.“

Andere Aufgaben im Verein

Ja, manchmal sei Karneval schon stressig, sagt Lydia Bick. „Vor allem am Tag der Prunksitzung, auf die man ein ganzes Jahr lang hinarbeitet, und in der Woche davor. Aber es ist immer positiver Stress, den ich habe. Und genervt bin ich nie.“ Zeit für andere Hobbies bliebe aber wenig, denn neben dem Tanztraining würden oft noch andere Aufgaben im Verein anfallen. Dem Umzugswagen, den die Herren des Vereins gebaut haben, noch etwas Tüll hinzufügen, zum Beispiel. Oder Kostüme nähen. „Da kommt es allen zugute, dass ich in einem Gardinengeschäft arbeite, sagt Bick.

Ossensamstag am 25. Februar

Das nächste große Event ist der Ossensamstag-Umzug am 25. Februar quer durch Osnabrück. „Ich habe diesen Umzug schon immer geliebt“, sagt Bick. „Auch, als ich als Funkenmariechen bei minus 15 Grad mit sechs übereinandergezogenen Strumpfhosen mitgegangen bin.“ Rund 20 Prozent von Lydia Bicks Leben stehen unter der Überschrift „Karneval“. „Ich lebe das“, sagt sie. „Diese Tradition ehrenamtlich zu bewahren ist mein Teil, den ich zur Gesellschaft beitrage.“


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