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Dem Gespenst Nichtwähler mutig entgegentreten Ostercappeln: Nur wenige Jugendliche wollten über politische Teilhabe diskutieren

Von Wolfgang Huge

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Ostercappeln. Die Kommunalwahlen stehen vor der Tür. Um Jugendliche dazu zu motivieren, ihre Stimme bei der Wahl von Bürgervertretungen und Landrat abzugeben, bot eine Podiumsdiskussion im Gemeindesaal der Ostercappelner Pauluskirche Gelegenheit, Vertretern der Jugendorganisationen von CDU, SPD, FDP und Grünen Fragen zu stellen.

Politik ist nicht langweilig, und jede Stimme zählt – dies war die Grundbotschaft, die Christina Gehrke und Jan-Lucas Scholz vermitteln wollten.

„Set‘ Akzente, zeig Einsatz“, so lautete das Motto des Abends. Während in Nordafrika die Menschen um politische Beteiligung kämpfen und für politische Mitbestimmung und freie Wahlen ihr Leben aufs Spiel setzen, gehe hierzulande das Gespenst der Nichtwähler um.

Um es vorwegzunehmen – die Resonanz auf die Veranstaltung war gut. Doch waren es nicht die erhofften Jugendlichen, sondern vor allem viele ältere politisch interessierte Ostercappelner, die die Gelegenheit nutzten, um einige ihrer jüngeren Kandidaten näher kennenzulernen. „1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, wo ist denn der Rest geblieben“?, fragten sich nicht nur die Modertoren, sondern neben den Initiatoren der Veranstaltung auch die Podiumsmitglieder, die dennoch freimütig über sich selbst und darüber erzählten, wie sie zur Politik gekommen sind. Schülerin Irina Lucas (17) stellte sich stellvertretend für ihre Eltern der Debatte, ist sie doch erst seit Kurzem bei den Grünen dabei, die in Ostercappeln keine Jugendgruppe unterhalten. Jennifer Düvel, die über ihre Schwester den Weg zu den Jungliberalen fand, erklärte, dass sie die Politik nicht den anderen überlassen möchte, sondern selbst aktiv eingreifen möchte. Deshalb sei es für junge Menschen wichtig, sich zu engagieren.

Das sah auch Marco Beckmann so, der die Jungsozialisten vertrat und dessen Thema die Bildungsgerechtigkeit ist. Von Studiengebühren hält der angehende Student nicht viel, wie er das Publikum wissen ließ. Vierter im Bunde war schließlich Roman Hinrichsmeyer von der Jungen Union, die er als selbstständige Gruppierung beschrieb, die man nicht mit der CDU verwechseln solle.

Natürlich war das Thema, warum sich nur so wenige Jugendliche für diese Veranstaltung interessierten, auch Gegenstand der Runde, die sich Gedanken darüber machte, wie man Jugendliche zu einer besseren Teilhabe am politischen Geschehen motivieren könne. Marco Beckmann schlug eine Zusammenarbeit mit Vereinen vor, zum Beispiel im Rahmen eines Fußballturniers, um Jugendliche dort gezielter anzusprechen. Jennifer Düvel bemängelte, dass sich nur wenige Jugendliche überhaupt für das Geschehen in den politischen Jugendorganisationen gewinnen ließen, und plädierte für eine bessere persönliche Ansprache. Flyer allein hätten ja auch nicht gereicht, um für den Informationsabend zu werben. Das Rezept der Jungen Union sei 50 Prozent Politik plus 50 Prozent Spaß, die ergäben zusammen 100 Prozent Junge Union, erläuterte Roman Hinrichsmeyer. Aus dem Publikum wurde auf eine Initiative „Jugendparlament“ aufmerksam gemacht, das in Fürstenau mit eigenen Kompetenzen und kleinem Budget erfolgreich arbeite.

Ob sich die Kandidaten so etwas auch für Ostercappeln vorstellen könnten, war dann das weitere Thema des Abends, das kontrovers diskutiert wurde.

Ob eine solche Initiative Jugendliche motiviere, sich über ein von Schulen getragenes Regionalparlament auch in den politischen Parteien zu engagieren oder aber, wenn ihre Vorstellungen an den finanziellen Engpässen vor Ort scheitern, nicht eher in Frust umzuschlagen drohe, wurde ebenso unterschiedlich beurteilt wie die Frage, auf welche Weise Fahrschüler mit einbezogen werden können, die an anderen Orten zur Schule gehen. Fast wie in der „großen Politik“ zeigte sich, dass vieles Wünschenswerte an die Problematik der Finanzierbarkeit stößt – wie auch das Thema Verkehrsanbindung zeigte. Während sich Grüne, der Juso und Jungliberale für eine bessere Busanbindung an Osnabrück mit dem Nachtbus einsetzten und teilweise auch tagsüber häufigere Fahrtmöglichkeiten forderten, forderte Hinrichsmeyer dazu auf, einmal über die Kosten solcher Forderungen nachzudenken. Da war sie wieder, die schwierige Vereinbarkeit von „Daseinsvorsorge“ und „Finanzierbarkeit“, jener politische Drahtseilakt, der auch die große Politik immer wieder vor Probleme stellt ...

Zur Einstimmung und auch zum Abkühlen der Gemüter präsentierte sich „Cat Dylan“, eine Band, die ihre Proben in die Öffentlichkeit verlegt hat und ansonsten auch schon einmal an einer Bushaltestelle, vor einem Blumengeschäft oder der Sparkasse zu hören ist. Für ihre Cover-Versionen von „All along the watchtower“ oder „One“ bekamen sie verdienten Beifall, den sie sich redlich erspielt hatten.


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