Spontane Zusammenkünfte Pokémon Go lockt Spieler in Ostercappeln

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Ostercappeln. Mit Pokémon Go durch das Wittlager Land: Ostercappeln bietet einige Anlaufpunkte für die virtuelle Monsterjagd. So versammeln sich eifrige Spieler schon einmal nachts um drei Uhr im Ortskern. Manche „Pokéstops“ und Arenen liegen jedoch an Orten, wo große Zocker-Versammlungen eher unerwünscht sein dürften.

„Es gibt so viele, vor allem junge Menschen, die auf einmal wieder draußen zu sehen sind“, sagt Timo Jones über den aktuellen Hype zu Pokémon Go. Die App liefere Anreize, mal wieder vor die Tür und einfach Spazieren zu gehen, findet er. Der Ostercappelner habe für ein paar kleine Besorgungen ins Dorf gemusst. Anstatt den direkten Weg hin und nach Hause zurückzugehen, habe er noch einen kleinen Umweg gemacht – für eine Runde mit dem Smartphone-Spiel.

Ideale Bedingungen für spontane Zusammenkünfte

Anlaufstellen für Pokémon-Sammler bietet der kleine Ort genug: Als Arenen (Kampforte für die virtuellen Monster) und „Pokéstops“ (Fundorte spielrelevanter, virtueller Gegenstände) werden meist Sehenswürdigkeiten oder markante Gebäude auf der App-Karte markiert. Etwa der Kirchplatz um die St. Lambertus Kirche: Das Gottehaus selbst ist eine Arena, das auffällige „Rote Sofa“ davor ist ein Pokéstop. Ideale Bedingungen für spontane Zusammenkünfte, weiß Jones aus eigener Erfahrung.

Kirchplatz füllte sich mit Leuten

An einem Wochenende gegen drei Uhr nachts hätten auf einmal rund 15 Leute auf dem Kirchplatz gesessen, er eingeschlossen. Ein Spieler habe ein „Lockmodul“ an dem „Pokéstop“ installiert. Für 30 Minuten lockt dieser Gegenstand Pokémon für jeden Spieler sichtbar in die nähere Umgebung. „Sogar mit Autos kamen Leute angefahren“, erzählt er. Für Ostercappeln sei dies schon eine Menge an Spielern gewesen. Er habe einige nette Kontakte knüpfen können und sich mit anderen ausgetauscht.

Weitere Stops in der Nähe

Ein weiterer Interaktionspunkt in der Nähe des Kirchplatzes ist unter anderem eine Gedenktafel an Ludwig Windthorst an einem Fachwerkhaus in der Großen Straße. Windthorst war seiner Zeit Politiker der Zentrumspartei und Gegenspieler Otto von Bismarcks. Nicht weit davon liegt die Alte Vikarie, das älteste Wohnhaus in Ostercappeln. Heute ist hier der Sitz der Kommunalen Arbeitsvermittlung Ostercappeln. Beide Häuser sind ein „Pokéstop“.

Kontroverse Interaktionspunkte

Unter anderem eine Figur zur Aktion „Feldzeichen zu Friedenszeichen“ mit zugehörigen Varusmasken an der Bremer Straße sowie die Marienkapelle auf dem Kapellenberg sind weitere Arenen im näheren Umkreis. Für Kritik in anderen Dörfern und Städten sorgten bereits Interaktionspunkte, die an sensiblen Orten gelegen sind. Darunter Gedenkstätten,< Friedhöfe oder eben auch Kirchen. Das Ehrenmal auf dem Ostercappelner Friedhof ist ebenfalls eine solche Kampfarena. Das Friedhofskreuz ist ein „Pokéstop“.

Bisher nicht bekannt

Der Gemeinde Ostercappeln war bis zur Nachfrage unserer Redaktion nicht bekannt, dass der Friedhof teil des Spiels geworden ist. Die Pokémon-Sammler scheinen sich bisher aber rücksichtsvoll verhalten zu haben: Beschwerden oder Berichte über vermutliche Spieler auf dem Gelände seien nicht eingegangen. Die Gemeinde werde jetzt überlegen, wie sie mit Sachverhalt umgehe, sagt eine Mitarbeiterin. Eine Möglichkeit bietet ein Online-Antrag auf der Entwicklerseite support.pokemon.nianticlabs.com , um den markierten Ort aus dem Spiel zu entfernen.

Betreten nicht immer nötig

Für Spieler ist es nicht immer nötig, Gelände oder Gebäude ganz zu betreten. Um mit den Wegpunkten interagieren zu können reicht eine gewisse räumliche Nähe meistens aus.


Was ist Pokémon Go?

Das Smartphone-Spiel Pokémon Go basiert auf der japanischen Zeichentrickserie Pokémon, die um die Jahrtausendwende auch in Deutschland erschienen ist. Nach diversen Adaptionen für Spielekonsolen ist das Franchise nun auf dem Smartphone gelandet. Auf einer Google Maps ähnlichen Karte, zieht der Spieler dank GPS mit seinem Handy durch die reale Welt und sammelt kleine „Pocket Monsters“ (Taschen-Monster) in seiner Umgebung. Sehenswürdigkeiten, Wahrzeichen und andere markante Orte werden als „Pokéstops“ auf der Karte markiert. Hier finden Zocker nützliche virtuelle Gegenstände für den weiteren Spielverlauf. Das Ziel: so viele verschiedene Tierchen fangen, wie möglich. Dazu können sich die „Pokémon-Trainer“ ab einem Punkt im Spiel einem Team (Blau, Rot oder Gelb) anschließen. Für sein jeweiliges Team kann der Spieler Arenen erobern, in dem er seine Monster im Kampf gegen die Monster anderer Spieler antreten lässt. Pokémon Go fällt in die Kategorie „augmented reality“ (erweiterte Realität): Die reale, mit der Handykamera eingefangene Umgebung wird durch visuelle Einblendungen von virtuellen Objekten auf dem Smartphone-Bildschirm ergänzt. (dah)

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