Neue Kurios-Ausstellung „Afrika in Ostercappeln“ in der Alten Mädchenschule

Von Karin Kemper


Ostercappeln. „Afrika in Ostercappeln“ heißt die neue Ausstellung des Kulturrings Ostercappeln (Kurios), in der bis zum 10. Juli 2016 Arbeiten von Ruth Packruhn zu sehen sind. Die Eröffnung in der Alten Mädchenschule stand unter ungewöhnlichen Vorzeichen.

Bei der Begrüßung sagte Kurios-Vorsitzende Susanne Winkler: „Mit den Einladungen ist etwas schiefgelaufen.“ Genau genommen waren sie nicht bei den Empfängern angekommen. Aber die Organisatoren hatten das so rechtzeitig mitbekommen, dass es eine Lösung gab. Winkler: „Wir haben etwas getrommelt.“ Das Ergebnis: Im Ausstellungsraum der Alten Mädchenschule am Ostercappelner Kirchplatz herrschte der von Ausstellungseröffnungen gewohnte Betrieb.

Über Kunst unterhalten

Schnell hieß es dann: „Ruth, ich übergebe jetzt an dich.“ Und die diplomierte Modedesignerin und Künstlerin, die in Uganda geboren wurde und vor mehr als 30 Jahren flüchtete und über Kenia zwei Jahre später nach Ostfriesland und schließlich über Osnabrück nach Ostercappeln gelangte, präsentiert in der Ausstellung künstlerische Vielfalt. Im Hinblick auf ihre Bilder forderte sie die Besucher auf: „Schauen Sie die Bilder bitte an, ohne die Überschrift zu lesen und bilden Sie sich Ihre eigene Vorstellung. Was ich sehe, muss nicht jeder andere genauso sehen.“ Sie fügte hinzu, dass es ausgesprochen schwierig sei, aus einer Schublade, in die man durch einen vorgegebenen Weg hineingelangt sei, wieder herauszukommen. Und wenn ähnliche Gedanken wie die ihren beim Betrachten herauskämen, sei das ebenso gut wie, wenn keine Deckungsgleichheit entstände. Packruhn: „Wichtig ist, sich über Kunst zu unterhalten, sich auszutauschen.“

Das geschah im Verlauf der Ausstellungseröffnung ausgiebig. Die Künstlerin betonte: „Es ist nur ein kleiner Teil von dem hier, was ich tue.“ Ruth Rackrun ist nämlich nicht nur auf einem künstlerischen Gebiet aktiv. Eine Frage wie: „Ich dachte, du machst Tierporträts“, beantwortet sie kurz und Bündig mit „Ja, auch.“ Genauso gilt das für Auftragsarbeiten, beispielsweise zu runden Geburtstagen oder Jubiläen.

Künstlerische Vielfalt

Und Vielfalt bestimmt nicht nur die Bereiche ihre Kunst, sondern auch die Techniken. Die Künstlerin ist eben ein Mensch, der Spaß daran hat, Neues zu erproben. Ob Öl, Bleistift, abstrakte Malerei, Landschaften oder Collagen – vieles in möglich. Und bei Collagen fühlt sich die Ostercappelnerin am besten aufgehoben. Dabei hat sie einen eigenen Weg gefunden. Collagen gehen eine Verbindung mit Skulpturen ein. Als Material dienen zumeist alte Dinge, die so mit einer neuen Aussage verbunden werden. Packruhn: „Da können dann auch einmal Knöpfe mit drin sein.“

Upcycling

Und ihr Studium erschließt der diplomierten Modedesignerin einen weiteren Bereich. Sie fertigt Bekleidung und Taschen. Ein entscheidendendes Stichwort dabei: Upcycling. Das heißt, eigentlich ausgediente Kleidungsstücke werden einem neuen Zweck zugeführt. Da dient eine Jeans deutlich erkennbar als Futter eines Taschenunikats. Dass Kunst und Allltagstauglichkeit kein Widerspruch bleiben, ist Packruhn wichtig: „Kleidung muss schön zu tragen sein. Mehr muss man nicht sagen.“

Dass die verschiedenen Genres zusammengehören, zeigen die in der Alten Mädchenschule ausgestellten Bilder. Dabei handelt es sich zu Vorarbeiten und Entwürfe für eine Kollektion für Männeroberbekleidung für Skateboarder. Sie haben den Titel „Zeitlandschaften“ erhalten. Die Erklärung: Die Darstellungen sind nicht klar definiert. Der Betrachter kann sie drehen wie er will.

Unterstützung für Ugander

Und das ist immer noch nicht alles. Mindestens zwei weitere Dinge gehören zu der Ausstellung. Da sind zunächst einmal Ringe von beachtlicher Größe, die aus winzigen Einzelteilen bestehen. „Sie werden von Freunden aus Uganda gefertigt.“ Verkäufe hier helfen dort beim Überleben. Zum anderen gibt es Objekte (beispielsweise einen Hut, der aus kleinen bunten Papierrollen besteht. „Frauen aus Uganda stellen sie her, in Deutschland ließe sich das nicht bezahlen.“ Weiter bietet ein Musterbuch mit abstrakten Landschaften, bei den mit Wachs gearbeitet wurde, einen zusätzlichen Aspekt des künsterischen Schaffens des Multitalents Ruth Packruhn. Nicht fehlen darf in der Reihe ein Fotobuch.

Im Atelier willkommen

In Ostercappeln öffnet die Künstlerin regelmäßig sonntags von 15 bis 17 Uhr ihr Atelier auf dem Berg für Interessierte. Andere Termine können jederzeit vereinbart werden. Das wiederum ist wichtig, weil Ruth Packrun ihren Lebensunterhalt nicht allein mit ihrer Kunst verdient, sondern als freie Grafikerin und Illustratorin arbeitet.

Zeitmangel drückt sich bei der Künstlerin nach eigener Aussage so aus: „Ich kann nachts manchmal nicht schlagen, weil so viele neue Idee in meinem Kopf wirbeln.“

In der Ausstellung präsentierte sie zudem ein Kochbuch, in dem ihre Tante, die in Deutschland eine Kochausbildung erfahren hat, ugandische Rezepte aufgeschrieben hat. Und noch etwas gehörte bei der Eröffnung dazu: Eines der Bilder wurde noch am Abend verkauft. Mit den Taschen liebäugelte die eine oder andere Besucherin...