Die Menschen hinter den Zahlen Gedenken in Ostercappeln an Opfer des NS-Regimes

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Ostercappeln. In Ostercappeln wurde der Tag der Opfer des Nationalsozialismus am Mittwoch mit einer Gedenkfeier auf dem Markt und im Pfarrheim begangen. Mehr als 30 Bürger waren hierzu der Einladung der Initiative „Starkes Dorf Ostercappeln“ gefolgt. Sie verbanden das Gedenken mit einer Mahnung mit aktuellem Bezug.

Normalerweise haben Zahlen wenig Emotionales. Die Zahlen, die Ostercappelns Bürgermeister Rainer Ellermann jedoch an diesem Mittwochmittag vortrug, waren schwer zu ertragen, denn sie stehen für das ganze Grauen des NS-Regimes .

Es sind die Zahlen von Euthanasie und Holocaust. Allein in Auschwitz wurden anderthalb Millionen Menschen systematisch ermordet.

Krank und ausgemergelt

Als die Rote Armee am 27. Januar 1945 das Lager befreite, befanden sich dort noch etwa 7500 kranke und ausgemergelte Häftlinge und schreckliche Zeugnisse industriellen Völkermordes, darunter 10000 Paar Schuhe und acht Tonnen Menschenhaar, das als Rohstoff für Perücken etc. diente. Neben dem Massenmord an Juden, Sinti, Roma, Homosexuellen und Regimekritikern wurden unter dem zynischen Begriff Euthanasie Menschen vernichtet, deren Leben die Nazis für „unwert“ hielten: Mehr als 70000 Menschen kamen in Tötungsanstalten im Rahmen der T4-Aktion ums Leben.

Gemeinsames Schweigen

Mit einem gemeinsamen Schweigen während des Angelus-Läutens um 12 Uhr gedachten die Ostercappelner der Opfer des Holocausts. Nach der Ansprache von Bürgermeister Ellermann sprachen die Teilnehmer gemeinsam das Friedensgebet, das Dr. Franz Kahlert von der Initiative „Starkes Dorf“ mit der Mahnung verband, die aktuelle Flüchtlingsproblematik dürfe nicht für Polemik und Hetze missbraucht werden. „Nie wieder“, so sein Appell.

Stele und Stolpersteine

Auch Bürger aus Ostercappeln wurden Opfer der Nazis. Es waren dies die Patres Franz Riepe und Wigbert Beckers sowie die jüdischen Familien Grünberg, Meier und Stern . Kahlert setzt sich für die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit und für das Andenken der Opfer in Ostercappeln ein. Am Marktplatz wurde eine Stele errichtet und sechs Stolpersteine bereits im November 2008 anlässlich des 70. Jahrestages der Reichspogromnacht vom Kölner Künstler Gunter Demnig im Ort verlegt. 55000 Stolpersteine in 1600 Städten und Gemeinden sollen es inzwischen sein, womit Demnig das weltweit größte dezentrale Mahnmal entwickelt hätte.

Die Steine sollen an Menschen erinnern, die in der Zeit des Nationalsozialismus deportiert wurden und dem Holocaust zum Opfer fielen.

Statistik der Vernichtung

Auf den Stolpersteinen , die jeweils vor deren einstigen Wohnungen im Straßen- oder Gehwegpflaster verlegt werden, sind die Namen der Opfer eingraviert. So wird deutlich: Hinter jedem Namen, aber auch hinter jeder Zahl in der unglaublich anmutenden Statistik der Vernichtung – „es steht immer ein Mensch dahinter“, wie es der Ostercappelner Gemeindebürgermeister formulierte.


Der 27. Januar:

1996 wurde in Deutschland auf Anregung des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog der 27. Januar, der Tag der Befreiung des NS-Vernichtungslagers Auschwitz zum offiziellen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus erklärt. Ende 2005 hat die UN-Vollversammlung diesen Tag zum  „Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust“ ausgerufen. Seit 2006 wird er weltweit an zahlreichen Orten begangen. Der Bundestag kommt anlässlich des Gedenktages alljährlich zu einem Staatsakt zusammen, an dem alle Spitzen der Verfassungsorgane teilnehmen.

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