Landwirtschaft im Januar Düngeplanung erfolgt nicht nur in Schwagstorf

Von Karin Kemper


Schwagstorf. Woher weiß der Landwirt, wieviel Dünger er wann ausbringen muss, damit die Pflanzen auf dem Acker optimal gedeihen? Die Antwort klingt zunächst einmal: Er erstellt eine Düngeplanung. „Das ist so etwas wie ein Blick in die Zukunft“, meint Friedrich Steffen. Diese wichtige Arbeit erfolgt im Januar.

Die Realität stehe dann durchaus auf einem anderen Blatt. Und entsprechend wichtig sei die Dokumentierung, um später Planung und Umsetzung abgleichen zu können – auch im Hinblick auf den Ertrag. Und etwas gelte bei allen Unterschieden immer: Die Natur setzt die Zeitvorgaben. Denn erst bei bestimmten Mindesttemperaturen beginnt das Wachstum der Pflanzen. Einher damit gehen der Nahrungsbedarf und die Aufnahmefähigkeit von Dünger.

Zum Wachsen benötigen Pflanzen in erster Linie Stickstoff. Dabei hat jede (Getreide)Kultur unterschiedliche Ansprüche. Die Flächen der Höfe durchlaufen eine Fruchtfolge. Unterschiedliche Vorfrüchte beeinflussen dann wiederum die Düngeplanung. Stickstoff (N), der im Boden vorhanden ist, wird ebenso in die Planungen einbezogen wie beispielsweise die Pflanzenreste (Pflanzenskelette liefern Nährstoffe), die auf einer Stilllegungsfläche zurückbleiben.

Landwirt Steffen betont: „Es ist ein Irrtum zu glauben, dass Mais mehr Dünger braucht als andere Getreidesorten. Er ist mit 150 Kilo/N/Hektar zufrieden, während Weizen durchaus mehr als 200 Kilo benötigt.“

Wer der Gülle liegt bei 9 Euro

Auf dem Hof Steffen wird mit selbsterzeugten Nährstoffen gedüngt, das heißt, mit der Gülle, die auf dem (eigenen) Schweinestall kommt. Dabei, so der Landwirt, entspreche ein Kubikmeter Gülle etwa dem Wert von 9 Euro. Dieser Betrag müsste aufgewendet werden, um eine vergleichbare Menge Mineraldünger (Kunstdünger) zu erwerben.

Damit der Landwirt weiß, was sein Wirtschaftsdünger überhaupt wirklich beinhaltet, wird die Gülle untersucht. Einmal pro Jahr ist das Pflicht. Die Proben werden dann beispielsweise an die Lufa geschickt. Das Ergebnis ist eine Grundlage des Düngeplans. Hinzu kommt, welche Pflanzen vorgesehen sind und auf welchen Flächen sie stehen.

Mengenbegrenzung

Der Düngeplan wird für jeden Schlag des Hofes gesondert erstellt. Schließlich wechseln die Bedingungen. Insgesamt gilt: Die Mengenbegrenzung pro Hektar liegt bei 170 kg/N organischem Dünger. Aber auch anorganischer Dünger (Kunstdünger) darf keineswegs in beliebiger Menge zusätzlich ausgebracht werden. Ohne Kehrseiten bleibt die Beschränkung nicht. Es habe sich nämlich gezeigt, so Steffen, dass die nötige Einweißmenge für Backweizen nur dann von der Pflanze gebildet werden kann, wenn sie genügend Stickstoff erhält. Entsprechend gibt es inzwischen einen Qualitätszuschlag für Backweizen...

Unterstützung bei der Düngeplanung erhält Steffen von Raimund Esch im Zuge der Gewässerschutzberatung der Landwirtschaftskammer, die in der Bezirksstelle Osnabrück angesiedelt ist. Das Land Niedersachsen trägt die Kosten. Ein wichtiger Aspekt ist zudem das Ziel, die Phosphormenge, die über die Hunte in den Dümmer gelangt, zu reduzieren. Esch sagt: „Die Düngeplanung gehört zur Beratung. Jeder Einzelschlag wird betrachtet und beplant.“ Berücksichtigung finden die Nährstoffe aus der Eigenproduktion (Gülle/Mist) des Hofes, welche Stickstoffmengen der Boden beinhaltet (Bodenuntersuchungen), welche Kultur geplant ist und wie die Vorfruchteffekte aussehen (Ernterückstände).

Ökologie und Ökonomie

Ist der Nährstoffbedarf der Pflanze ermittelt, lässt sich so berechnen (das Vorhandene wird abgezogen), welche Mengen Gülle (Tretmist oder Mineraldünger) zugeführt werden müssen, um eine gleichermaßen ökologisch wie ökonomisch optimale Düngung zu erreichen. Stichworte sind dabei Nährstoffauswaschung, Nitratbelastung und die Düngungssollwertmethode, die in Niedersachsen zum Grundwasserschutz angewendet wird.

Stichwort (kostenpflichtige) Bodenuntersuchung. Dabei werden die Flächen von einem Probennehmer einzeln beprobt. Alle 20 bis 30 Meter wird mit einer Sonde Erde aus der Ackerkrume entnommen, vermengt und in einem Fachlabor untersucht. Wichtig sind dabei die Ermittlung des ph-Wertes sowie der enthaltenen Menge Phosphor, Kali und Magnesium. Steffen: „Ich muss wissen, wie der Boden versorgt ist. Dann lässt sich ausrechnen, was die Kultur zusätzlich braucht.“ Gibt es ein Depot an Nährstoffen im Boden, muss weniger gedüngt werden.“ Und was nicht zugeführt werden muss, muss auch nicht bezahlt werden...

Querkontrollen

Andererseits taucht schnell die Frage auf: „Wo bleibt die Gülle, die in der Zeit anfällt, wenn sie nicht auf dem Acker ausgebracht werden kann?“ Die entsprechenden Lagerkapazitäten müssen auf den Höfen vorgehalten werden. Aber die Gülle als Sekundärrohstoffdünger kann auch an andere landwirtschaftliche Höfe abgegeben werden. Steffen: „Das geschieht dann mit Lieferscheinen in dreifacher Ausfertigung.“ Je einen erhält der abgebende und der aufnehmende Betrieb, den dritten die zentrale Meldestelle. Querkontrollen sorgen dafür, dass keine Gülle verschwindet. Und notiert sind auf den Lieferscheinen auch die Inhaltsstoffe. Durch die Verwendung von Ram-Futter (rohprotein- und phosphorarmes Mastfutter) kann der Landwirt Einfluss auf den Gehalt der Gülle nehmen. Und dieses Verfahren weiter zu verfeinern, so Steffen, führe die Mastprüfungsanstalt derzeit Fütterungsversuche – unter anderem mit Ferkeln, die vom Hof Steffen kommen – durch.

Esch verweist darauf, dass die exakte Berechnung der Düngebedarfe unterschiedliche Ergebnisse bringe: „Es gibt Betriebe, die 100-prozentig vorbildlich arbeiten. Aber wir haben auch festgestellt, dass es örtliche Einsparpotenziale gibt, die den Landwirten bares Geld sparen.“ Und noch etwas gilt: Erhält eine Pflanze zuviel Stickstoff, wird sie in der Struktur weich. Beim Getreide bedeutet dass, dass die Halme die Ähre nicht halten können, der Bestand ins Lager geht. Mit Ernteverlusten ist zu rechnen. Das Mähen wird schwieriger und teurer.

So etwas wie Manöverkritik

Im Altkreis Wittlage (und nicht nur dort) finden regelmäßig Feldbegehungen statt. Dort erläutern die Landwirte, wie und wann sie die Schläge gedüngt und behandelt haben. Die Berufskollegen sehen das Ergebnis. Steffen: „Das ist dann so etwas wie eine Manöverkritik.“ Der Schwagstorfer, der Vorsitzender des Wittlager Landvolks ist, verweist darauf, dass der Trend zu mindestens drei Feldbegehungen geht. Dabei werden in der Wachstumsphase, wenn noch Beeinflussungen möglich sind, immer die identischen Schläge mit dem selben Berater aufgesucht. „Das wird von den Praktikern gut angenommen.“


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