Jäger aus Schwagstorf hilft Tier Schleiereule vor dem sicheren Hungertod gerettet

Von Martin Nobbe

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Schwagstorf. Udo Göckemeyer aus Schwagstorf ist mit Leib und Seele Berufsjäger und kennt sich mit Pflege und Artenschutz bestens aus. Viele Wildtiere wie Stockenten, Turmfalken und eine Waldohreule hat der erfahrene Waidmann mit der Hand aufgezogen und erfolgreich ausgewildert. Die Neuansiedlung von Schleiereulen am Rande des Wiehengebirges lag ihm besonders am Herzen.

Bereits vor 10 Jahren hatte Göckemeyer bei Tierarzt Michael Brackmann einen Nistplatz für Schleiereulen angebracht. Ein Bruterfolg stellte sich jedoch erst vor Kurzem ein. Nach einer Brutzeit von 28 Tagen waren innerhalb von einer Woche vier Küken geschlüpft. Das Nahrungsangebot war gut und die kleinen Schleiereulen schienen sich gut zu entwickeln. Göckemeyer: „So sah es jedenfalls aus. Doch nach einer Woche bemerkten wir, dass die drei älteren Küken dem Nesthäkchen das Futter vor dem Schnabel wegfraßen.“

Jäger wird Babysitter

Das Schicksal des kleinen Kükens schien besiegelt. Tierarzt Brackmann erinnerte sich, dass der Jäger schon öfter Wildtiere mit der Hand aufgepäppelt hat und bat den Jäger um Hilfe. Göckemeyer ließ sich nicht lange bitten und übernahm bei der noch hilflosen Schleiereule – sie hatte zu dem Zeitpunkt ein Gewicht von 150 Gramm – den Part des Babysitters. Rund um die Uhr kümmerte sich der Waidmann um seinen gefiederten Pflegling und taufte ihn auf den Namen „Till“ (Eulenspiegel).

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Hunde jagen Mäuse für Eule

„Mein Till war dem Tode näher als dem Leben“, erinnert sich Göckemeyer in einem Gespräch mit unserer Redaktion. Nach einer 14-tägigen Zwangsernährung mit klein geschnittener Hähnchenbrust hauchte er der kleinen Schleiereule wieder neuen Lebensmut ein und Till entwickelte sich prächtig. Die Eule legte an Gewicht zu. „Jeden Tage habe ich Till gewogen“, schmunzelt der Jäger. „Und als ich Till mit der Hähnchenbrust nicht mehr satt bekommen konnte, da sorgte ich mit Mausefallen für Frischfleisch aus der Region. Außerdem halfen mir bei der Suche nach Futter für Till meine Hunde „Zicke“, ein Deutsch Langhaar, und „Ali“, ein Dackel-Terrier-Mix. Ihre Mäuse legten sie mir nach der Jagd einfach vor die Haustür“, lacht Göckemeyer.

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Aus Babyeule wird Raubvogel

Schleiereulen sind nachtaktiv und fressen daher auch nur des nachts. „Und als ich dem Till am Nachmittag die ersten vier Mäuse angeboten habe, wollte er davon nichts wissen. Am nächsten Morgen war die Mahlzeit allerdings weg“, sagt der Waidmann. Till hat sich unter den Fittichen seines Babysitters gut gemacht und mit einem Kampfgewicht von 560 Gramm zu einem echten Raubvogel entwickelt. Schon lange kann Göckemeyer seinen gefiederten Freund nicht mehr ohne Handschuhe anpacken. Mit kräftigen Flügelschwingen versucht die Schleiereule seinem Retter zu entkommen. Ein gutes Zeichen dafür, dass bald seine Auswilderung bevorsteht. „In den nächsten Tagen werde ich die Tür zu seinem Versteck öffnen und Till kann kommen und in die Freiheit fliegen wann er will“, so Göckemeyer. „Wenn er seine Freiheit liebt, dann wird er hierher nicht mehr zurückkehren“, blickt Göckemeyer mit Wehmut in die Zukunft.


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