Schornsteimfegerin Jenny Eichhorst Sie bringt das Glück ins Wittlager Land

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Jenny Eichhorst liebt ihren Beruf als Schornsteinfegerin und hat manchen Menschen schon Glück gebracht. Sie kehrt unter anderem in Venne und Schwagstorf.Foto: Christa BechtelJenny Eichhorst liebt ihren Beruf als Schornsteinfegerin und hat manchen Menschen schon Glück gebracht. Sie kehrt unter anderem in Venne und Schwagstorf.Foto: Christa Bechtel

Venne. „Es passiert schon mal, dass Leute mich umarmen möchten, obwohl ich schmutzig bin. Oder sie möchten mich anfassen. Aber nur die typische Kehruniform mit den goldenen Knöpfen ist diejenige, die eigentlich Glück bringt. Wenn man nämlich den Knopf dreht oder wenigstens berührt. Doch die haben wir in der heutigen Zeit selten an“, erzählt Jenny Eichhorst lächelnd, die Schornsteinfeger-Gesellin ist.

Vielen Menschen hat sie schon Glück gebracht – vielleicht auch unseren Lesern zur Jahreswende. Aber woher kommt das mit dem Glück? „Das kommt von ganz früher“, antwortet die junge Frau spontan. Denn: „Wenn der Schornsteinfeger nicht gekommen wäre, wären eventuell mehr Häuser abgebrannt.“ Aufgrund dessen sollte er Glück bringen, weil er das Feuer vom Haus fernhielt. Schutzpatron ist übrigens der heilige Sankt Florian, der auch für die Feuerwehrleute „zuständig“ ist. „Es gibt sogar ‚Florian‘-Öfen“, erklärt die Schornsteinfegerin.

Jenny Eichhorst absolvierte zunächst eine Ausbildung zur Diätassistentin. Warum entschied sie sich dann, Schornsteinfegerin zu werden? „Das war eigentlich eine kleine Frust-Situation“, expliziert die gebürtige Bramscherin. Als Diätassistentin habe sie sehr gerne gearbeitet. Man arbeite allerdings viele Stunden – auch an Feiertagen und an jedem zweiten Wochenende. „Zumindest wenn man im Großküchenbereich tätig ist. Und man verdient relativ wenig Geld“, erläutert die 30-Jährige, die deshalb eine dreijährige Ausbildung im Betrieb ihres Vaters Franz Georg vor dem Brocke in Bramsche anhängte und diese sogar als dritte Landessiegerin im Schornsteinfeger-Handwerk abschloss. „Papa wollte immer schon, dass eines von uns Kindern Schornsteinfeger lernt. Da ich die Älteste bin, war ich als Erste dran“, berichtet sie schmunzelnd. Obwohl von ihren drei Brüdern einer inzwischen auch Schornsteinfeger sei. Und Jenny Eichhorst besucht zurzeit sogar die Meisterschule in Hannover-Langenhagen.

Ist Schornsteinfeger nicht eher ein Männerberuf? „Im Prinzip sind es wohl schon mehr Männer als Frauen“, gibt sie unumwunden zu. Aber: „Langsam wandelt sich der Beruf, weil es immer technischer wird“, ist sie sich sicher.

Als Schornsteinfeger müsse man allerdings ein wenig sportlich sein, „weil man das sonst nicht bewältigen kann, gerade im ländlichen Bereich“, weiß Eichhorst aus eigener Erfahrung. Ihre nächsten Kolleginnen seien wohl in Fürstenau und in Osnabrück. Heute sei es ein schönes Gefühl, über den Dächern eines Ortes zu stehen. „Immerhin hatten mein Bruder und ich anfangs unheimlich Muskelkater, weil wir angespannt waren und Angst hatten, wenn wir Dacharbeit vor uns hatten.“

Gesichert sei man nicht, „da wir immer nur kurzzeitig auf dem Dach sind; daher brauchen wir auch keine besondere Sicherung“, stellt die Fachfrau dar. Gelaufen werde auch nicht mehr über den First, da es Schutzeinrichtungen wie Laufwege- und -stege, einzelne Trittstufen gebe. „Oder sich das Fenster direkt an dem Schornstein befindet, sodass man dort aussteigen kann.“ Zu Jenny Eichhorsts Aufgaben gehört natürlich das Fegen, aber auch das Messen der Öl-/Gasheizungen; inzwischen seien die Festbrennstoffmessungen an den Holzvergaserkesseln dazugekommen, zählt sie auf. Des Weiteren würde viel Beratung geleistet. „Das übernehme ich bei meiner täglichen Arbeit auch, aber überwiegend mein Vater als Bezirksschornsteinfegermeister. Wir befinden uns letztendlich im Wettbewerb, aber es gibt immer noch hoheitliche Tätigkeiten wie Abnahmen“, klärt die Gesellin auf. Ihre Einsatzgebiete ab Anfang eines jeden Jahres sind die Ortschaften Lappenstuhl, Malgarten, Kalkriese, Evinghausen, Engter, ein kleiner Teil von Schleptrup, Venne und Schwagstorf. „Wobei Venne unsere größte Gemeinde ist“, betont sie. Ein paar Häuser habe man jetzt in Bohmte und Bramsche dazubekommen.

„Ich erlebe jeden Tag schöne Sachen, gerade jetzt in der Weihnachtszeit. Weil es mir unheimlich viel Spaß macht, mit den Leuten zu arbeiten. Und je besser man in den Jahren die Menschen kennenlernt, desto offener empfangen sie uns beziehungsweise mich auch“, schildert Jenny Eichhorst, dass ihre Arbeit zwar schmutzig sei, ihr oftmals aber ein sehr großes Vertrauen entgegengebracht werde. „Ich bin manchmal ganz allein in den Häusern, ohne dass die Eigentümer da sind“, verdeutlicht sie.

In ihrer Freizeit unternimmt die junge Ehefrau viel mit ihrem Ehemann und ihren Hunden. Bis vor einiger Zeit hat sie auch noch gegen einen kleinen Obolus Schwimmkurse für Kinder gegeben. „Ich habe lange Zeit selbst geschwommen, denn ich komme aus einer Schwimmfamilie. Mein Vater war sogar Kampfrichter“, veranschaulicht sie. Ansonsten: „Ich bin bei Papa und Mama angestellt, wir kommen alle gut miteinander aus.“ Einziger Wunsch für das neue Jahr 2015: „Dass ich im Juni meine Meisterprüfung gut bestehe.“


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