Debatte über 380-kV-Leitung Wittlager Land in geringem Umfang betroffen

Meine Nachrichten

Um das Thema Ostercappeln Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Das Umspannwerk in Wehrendorf hat eine zentrale Funktion für die Stromversorgung.Foto: Oliver KratoDas Umspannwerk in Wehrendorf hat eine zentrale Funktion für die Stromversorgung.Foto: Oliver Krato

Ostercappeln. Eine der Folgen des Ausstiegs aus der Atomkraft und der Energiewende ist der Bau einer 380-kV-Freileitung zwischen Osnabrück-Lüstringen und Gütersloh. Die Amprion GmbH (vormals RWE Transportnetz Strom) ist Träger des Projektes. Schon seit einiger Zeit läuft die Diskussion über die Streckenführung. Die Trasse wird – in geringerem Umfang – die Gemeinden Bad Essen (Umspannwerk Wehrendorf) und Ostercappeln betreffen. Die Gemeinde Bohmte ist von den Plänen nicht tangiert.

Nach der Vorstellung des Vorhabenträgers soll möglichst die Trasse der vorhandenen 220-kV-Leitung genutzt werden. Diese Leitung soll demontiert werden.

„Direkt in Gesprächen sind wir mit Amprion, mit dem Landkreis Osnabrück und der Regierungsbehörde Oldenburg seit etwa zwei Jahren“, erläutert Ostercappelns Bürgermeister Rainer Ellermann. Er ist auch Mitglied einer Arbeitsgruppe, die sich mit den möglichen Trassenführungen befasst. „Die Teilnehmer haben das Ziel vereinbart, dass bis Mitte 2015 der Trassenfindungsprozess in ein Raumordnungsverfahren münden soll“, erläutert Ellermann.

Diverse Varianten und Möglichkeiten sind erörtert worden. „Bei allen Lösungen ergibt sich, dass die bisherige vorhandene Streckenführung im Bereich der Gemeinden Bad Essen und Ostercappeln sich nicht verändert, allerdings eine Leistungsaufstockung vorgesehen ist.

Die Trasse verläuft von Wehrendorf durch Teile von Krevinghausen, Astrup, Schledehausen und Wissingen nach Lüstringen. „In der Gemeinde Ostercappeln betrifft dies einzelne Wohnanlagen im Bereich Hitz-Jöstinghausen“, so Ellermann. Die gesetzlichen Vorschriften, wie etwa der Mindestabstand von 200 Meter zu Einzelhäusern, seien dabei natürlich zu beachten und im weiteren Verfahren zu klären. „Die jetzigen Gespräche dienen lediglich dazu, verschiedene Trassenvarianten im Groben darzustellen. Im anstehenden Raumordnungs- und Planfeststellungsverfahren müssen dann die Details auch für die bei uns betroffenen Wohnbebauungen erfolgen.“ Daher seien regelmäßige Gespräche mit den Nachbarn in Bissendorf gut und sinnvoll. Da allerdings die Bereiche Stadt Osnabrück und Bissendorf in besonderer Weise betroffen sind, haben sich dort Bürgerinitiativen gebildet. Auch in Hilter-Borgloh und Melle-Wellingholzhausen sind Bürgerinitiativen aktiv geworden und haben unter anderem Unterschriften gesammelt und übergeben. Ziel ist es jeweils, die Verlegung des Trassenverlaufs zu erreichen. Oder, falls dies nicht möglich ist, zu bewirken, dass zumindest große Teile der Trasse per Erdverkabelung verlegt werden sollen. Was aber schwierig werden dürfte. „Erdverkabelungen sind aber durch Bundesgesetz nur an anderen Standorten vorgesehen, sodass eine Verwirklichung hier eher unwahrscheinlich ist, so die bisherigen Aussagen aus den zuständigen Ministerien“, sagt Ellermann. Um zu sondieren, ob es eine wenn auch nicht von allen anerkannte, aber doch zu großen Teilen akzeptierte Lösung gibt, hat Bissendorfs Bürgermeister Guido Halfter zu entsprechenden Expertengesprächen eingeladen. Da die Trasse sowohl Bad Essen als auch Ostercappeln mit betrifft, sind die beiden Wittlager Kommunen dort auch vertreten. Die Stadt Osnabrück hatte in dem Zusammenhang erklärt, dass sie sich an diesen Gesprächen nicht beteiligt.

Durch Wellingen?

Bislang schien es so, dass überwiegend Bissendorf von dem Leitungsabschnitt zwischen den Umspannwerken Bad Essen-Wehrendorf und Osnabrück-Lüstringen betroffen sei. Als jedoch bekannt wurde, dass die Planungsfirma Amprion in einem nicht öffentlichen Workshop mit Bürgermeister Halfter auch über eine Trassenalternative durch Wellingen diskutierte, läuteten in Belm die Alarmglocken. Das heißt, Belm mit Bürgermeister Viktor Hermeler ist jetzt ebenfalls mit im (Strom-)Boot. Und auch in Belm hat sich deshalb am vergangenen Donnerstagabend eine Initiative gegen die 380-kV-Hochspannungsleitung über Belmer Gebiet gebildet.

Die neue Gruppe plant nun ihre Vernetzung mit der bereits bestehenden Initiative „Keine 380-kV-Freileitung am Teuto“. Diese setzt sich wiederum aus einem Zusammenschluss der Initiativen aus Borgholzhausen, Borgloh, Wellingholzhausen und Osnabrück-Voxtrup zusammen.

Schreiben an Minister

Die Initiative „Keine 380-kV-Freileitung am Teuto“ hatte sich bereits im August in einem Schreiben an den niedersächsischen Landwirtschaftsminister und an seinen Ministerkollegen Stefan Wenzel vom Umweltressort gewandt, um ihrer Forderung nach einer Erdverkabelung bei der Neutrassierung der Höchstspannungsleitung von Lüstringen nach Gütersloh Nachdruck zu verleihen. Insbesondere das Abweichen von den ursprünglichen Planungsabsichten, was eine Streichung der Mindestabstände von 400 Metern in Siedlungen und 200 Metern in Außenbereichen bedeutet, wurde vehement kritisiert.

Eine Unterschriftenliste mit 1304 Einwendungen hat de Gruppe am vergangenen Freitag im Meller Rathaus an den dortigen Bürgermeister Reinhard Scholz übergeben. Allein 1200 Unterschriften kamen dabei aus Melle-Wellingholzhausen.

Stand der Dinge ist also, dass der Altkreis Wittlage zwar nur am Rand betroffen, aber eben nicht völlig außen vor ist. „Unsere Bevölkerung kann sich darauf verlassen, dass wir alles in unserer Macht Stehende veranlassen werden, um mindestens den gesetzlichen Vorgaben gerecht zu werden. Sobald die entsprechenden Verfahren beginnen, werden wir darüber natürlich berichten“, sagt Ellermann.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN