Gremienwahl im Bistum Wittlager sollen aufkreuzen und mitwirken

Von Kerstin Balks


Altkreis Wittlage. In 74 katholischen Pfarreien in Stadt und Landkreis Osnabrück werden am 15. und 16. November die Kirchenvorstände und Pfarrgemeinderäte neu gewählt. Noch bis diesen Sonntag, 28. September, können Kandidaten nominiert werden.

„Aufkreuzen“ – mit dieser Aufforderung wirbt die katholische Kirche bei ihren Gemeindemitgliedern dafür, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Sowohl vom aktiven als auch vom passiven. Schließlich ist, insbesondere der Pfarrgemeinderat eine gute Möglichkeit, Kirche vor Ort aktiv mitzugestalten. Ein Gestaltungsspielraum für Laien, der einst dringend erwünscht war und immer noch ist, und der erst mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil eröffnet wurde. Doch heute die Kirchen stehen vor ähnlichen Problemen wie andere Verbände und Vereine auch: Es fehlt vielfach die Bereitschaft, sich ehrenamtlich zu engagieren und über einen längeren Zeitraum an ein Amt zu binden.

Vier Jahre sind es bei den beiden Gremien, für die die katholischen Kirchengemeinden in den letzten Monaten um Kandidaten geworben haben. Die Anzahl der Listenplätze richtet sich dabei nach der Zahl der Gemeindemitglieder, wobei das Bischöfliche Generalvikariat auf Antrag der jeweiligen Kirchengemeinde die Anzahl der zu wählenden Mitglieder erhöhen oder verringern kann. Etliche der bisherigen Mitglieder in den Kirchenvorständen und Pfarrgemeinderäten empfinden aber auch so viel Verbundenheit mit ihrer Pfarrgemeinde und Freude am Mittun, dass sie sich erneut aufstellen lassen.

Beim Kirchenvorstand von St. Lambertus Ostercappeln stellen immerhin nur zwei der bisherigen Mitglieder ihr Amt zur Verfügung, beim dortigen Pfarrgemeinderat ist die Liste etwa „fifty-fifty“ zusammengesetzt: „Hier sind es zur Hälfte neue Kandidaten, die andere Hälfte war bisher schon aktiv“, berichtet Pfarrsekretärin Manuela Engel. Allerdings ist auch in Ostercappeln bei der Anzahl der Kandidaten „noch Luft nach oben“. Aber bis zum Wochenende ist ja noch Zeit, und Manuela Engel ist verhalten zuversichtlich, denn „der eine oder andere überlegt noch, vielleicht doch zu kandidieren“.

Ähnlich sieht es in der katholischen Kirchengemeinde Heilige Dreifaltigkeit Hunteburg aus. Auch hier lässt sich die Hälfte des Pfarrgemeinderates wieder wählen, die anderen 50 Prozent sind neue Kandidaten, wohingegen sich der bisherige Kirchenvorstand komplett zur Wiederwahl stellt, wie Rendant Franz Egon Tombrägel zu berichten weiß.

Vielfältige Aufgaben

Vielleicht resultiert die Treue der Kirchenvorstände, auch Pfarrverwaltungsrat genannt, daraus, dass es hier eher pragmatisch zugeht und dass in diesem Gremium Erfahrung wertvoll ist. „Der Kirchenvorstand ist für alle finanziellen und administrativen Angelegenheiten in der Gemeinde zuständig. Er entscheidet, wenn zum Beispiel der Glockenturm saniert, ein Grundstück verkauft oder eine Mitarbeiterin eingestellt werden soll“, werden die Aufgaben des Gremiums auf der gemeinsamen Internetseite der norddeutschen katholischen Bistümer zur „Aufkreuzen“-Kampagne beschrieben. Natürlich gehören auch der Haushaltsplan und der Jahresabschluss dazu, vor allem aber brauche es einen gesunden Menschenverstand, fasst Elke Lübbe, seit Jahren im Kirchenvorstand von Christus König in Osnabrück-Haste, zusammen.

Junge Leute gesucht

Während das Mindestalter der Kandidaten für den Kirchenvorstand 18 Jahre beträgt, können junge Leute bereits mit 16 Jahren dem Pfarrgemeinderat beitreten.

„Dessen Mitglieder vertreten die Interessen der Menschen in ihren verschiedenen Lebenssituationen. Deshalb ist es wichtig, dass aus vielen Bereichen Menschen im Pfarrgemeinderat mitwirken“, werden von der katholischen Kirche die Aufgaben des Gremiums beschrieben, die sich in Arbeitskreisen und Projekten, in der Jugendarbeit, der Öffentlichkeitsarbeit, in der Vorbereitung von Gottesdiensten, Festen, Bildungsveranstaltungen und vielem mehr niederschlagen. Auch die Caritas-Arbeit und die ökologische Ausrichtung der Pfarrei sind Themen.

Ziemlich vielfältig also, die Mitwirkungsmöglichkeiten in den Laien-Gremien der katholischen Kirche. Und schließlich: Wo gibt es schon so eine Quote, bei der eigentlich jeder Kandidat auch gewählt wird?