Hellmann und der kleine Ball: In Niedermark ganz groß, in Venne ganz treu

Von Winfried Beckmann

In der Verteidigung zum Erfolg: Klaus Hellmann in typischer Pose am Tisch.Foto: Marcel SchmidtIn der Verteidigung zum Erfolg: Klaus Hellmann in typischer Pose am Tisch.Foto: Marcel Schmidt

Venne. Große Worte und laute Töne hat er nie von sich gegeben. Auch nicht, wenn er spektakuläre Bälle spielte und große Siege errang. Klaus Hellmann ist sich treu geblieben mit seiner Gelassenheit ausstrahlenden Lebensart, auch wenn er Titel auf Landes-und Nordebene gewann, Medaillen auf nationaler Ebene holte oder sich die Teilnahme an der Welt- und Europameisterschaft gönnte.

Und das wird auch so bleiben, wenn der Gesmolder Junge, der als Dreikäsehoch im Altkreis Melle von seinem Bruder Wilfried zum Tischtennis mitgenommen sowie durch Manfred Pawelke gefördert wurde, ab dem 20. September die Saison mit dem TSV Venne in der Landesliga startet. „Es soll die letzte Saison in Venne werden“, sagt Hellmann, der eine Woche später „55“ wird. Nicht, weil er sich etwa alt und verbraucht fühlt („Die Reflexe sind noch da, auch wenn ich schon mal geschmeidiger war“), sondern weil die Pendelei vom bisherigen Wohnen in Rabber und Tischtennisspielen in Venne zum Job in Witten bei 175 Kilometern Abstand auf Dauer zu viel wird. Auch, obwohl es ihm sichtlich Spaß macht, mit „alten Kumpels“ wie den Brüdern Fritz und Manfred Titgemeyer sowie mit Björn Büttner zusammen den kleinen Ball zu spielen.

Er braucht nicht den absoluten Ehrgeiz, um Erfolg und Spaß am Tisch zu haben, und gesteht: „Ich kann ganz gut verlieren.“ Was im Umkehrschluss aber durchaus den Zusatz zulässt: „Wenn ich an der Platte stehe, will ich auch gewinnen.“ Und gewonnen hat er viel als Abwehrspieler, der den Vorhand-Unterschnitt als seine Stärke bezeichnet, „auch wenn es immer schwieriger wird“, wie er gesteht. Einmal pro Woche ist Tischtennis-Training bei BW Annen angesagt, zwei bis dreimal pro Woche Laufen über sieben bis 13 Kilometer, um sich fit zu halten neben seinem Job als Psychologe in Witten an der Ruhr seit Oktober 2013 in einer Beratungsstelle mit Diagnostik.

Im gleichen Job beim Verein Zentrum für Ermutigung und Lerntherapie mit Sitz in Riemsloh und Bad Essen war Hellmann zuvor tätig, ehe er in Witten mehr Perspektive sah und wechselte, doch nicht das Trikot im Tischtennis. Für den TSV Venne geht er in seine 12. Saison – sicher etwas Besonderes, aber für ihn nicht, weil er sich hier wohlfühlt mit Gleichgesinnten. Noch länger spielte er und ließ er sein Herz für die Spvg. Niedermark schlagen, nämlich 19 Jahre bis hinauf zur 2. Liga in Zeiten, als die Halle im Hagener Ortsteil Gellenbeck mit 600 Fans aus allen Nähten platzte, wenn es gegen Werder Bremen, TuS Vahr und/oder TSG Burg Gretesch ging.

Damals unter Rudi Hehmann, dem Macher des Tischtennis-Wunders Marke Niedermark, heute unter Björn Büttner, jeweils in seinen Augen eine „Seele von Mensch“ und entsprechend jeweils in einer „tollen Zeit“. Und das erlebt im Team, weniger dargestellt als Einzelkämpfer, der Landes- und als Senior endlich auch Nordmeister wurde, mit Fritz Titgemeyer als Deutscher Hochschulmeister punktete, zweimal Bronze auf nationaler Ebene gewann und Europa- sowie Weltmeisterschaftsteilnahme nicht an die große Glocke hing. Auch heute nicht hängt, „denn das war sportlich unbedeutend, hatte mehr Freizeitcharakter und war ein tolles Erlebnis“, weil Hellmann stets auch das Dabeisein sowie die Geselligkeit in diesem Sport schätzt.

Und sicher weiter schätzen wird, denn den Schläger schwingt er auch ab September 2015 – dann in Annen bei Witten als neuer Heimat, aber seine Kumpels und Venne werden ihm fehlen. Also freut er sich umso mehr noch auf die jetzt beginnende Saison – es soll ja, wie er sagt, die letzte hier sein. Auf das Wort „soll“ werden Titgemeyer, Büttner & Co. ihren Klaus sicher noch mal ansprechen...