Pflanzen am Eisenzeithaus Ein Garten in Venne macht die Menschen glücklich

Ulrike Linnemann kümmert sich am Eisenzeithaus am Knostweg in Venne ehrenamtlich um den Garten und das Ackerstück mit den historischen Pflanzen. Foto: Christa BechtelUlrike Linnemann kümmert sich am Eisenzeithaus am Knostweg in Venne ehrenamtlich um den Garten und das Ackerstück mit den historischen Pflanzen. Foto: Christa Bechtel

Venne. Ulrike Linnemann kümmert sich seit 2011 am Eisenzeithaus in Venne ehrenamtlich um den Garten und das Ackerstück mit den historischen Pflanzen. Ihre Liebe für Pflanzen und Kräuter weckte ihr Großvater, der Stadtgärtner in Herford war.

„Ich hatte einen Großvater, der war Stadtgärtner in Herford. Er war immer im Garten, hat uns oft mitgenommen; wir durften dann mit ernten. So bekam ich als Kind meine ersten Eindrücke, dass ein Mensch in einem Garten glücklich ist“, sagt Ulrike Linnemann.

Bis zu ihrem elften Lebensjahr lebte und wohnte Ulrike Linnemann in Herford. „Dann habe ich mir sozusagen den Osnabrücker Landkreis ausgesucht, denn hier gab es damals schon die Waldorf-Schule Evinghausen. In den Ferien war ich oft Gast im Osnabrücker Land und wollte unbedingt hierher. Meine Mutter ist dann hinterhergekommen“, erklärt die Vennerin schmunzelnd, die nach ihrem Abitur das Grundstudium zur Waldorf-Lehrerin in Witten absolvierte. Parallel belegte sie Therapie und Heilpädagogik. Heute ist sie als Lehrerin an der Johannes-Schule Evinghausen, Bramsche, einer Waldorf-Förderschule, tätig und unterrichtet als Klassenlehrerin alle Hauptfächer.

Dort nehmen die neunten Klassen an einem Landbau-Praktikum teil. „So machen die Kinder mit der Arbeit an der Erde ganz wichtige Erfahrungen, die kleinen wie die großen“, weiß die passionierte Pflanzenliebhaberin. In der Mittelstufe findet einmal wöchentlich das Fach „Gartenbau“ statt, in der Oberstufe als berufsvorbereitendes Werkfach. Wichtig sei, „dass Kinder mit Unterstützungsbedarf ihre Erfolgserlebnisse haben“, betont die Lehrerin, die das Fach „Gartenbau“ allerdings nicht unterrichtet.

Sammelt Ulrike Linnemann Kräuter? „Ja, denn ich habe selbst auch einen großen Garten. Am Eisenzeithaus haben wir keine mediterranen Pflanzen, weil es nacheisenzeitlich ist“, veranschaulicht die Mutter von drei erwachsenen Kindern. Daher wachse bei ihr zu Hause auch Rosmarin, Thymian oder Salbei.

Worauf muss man achten, wenn man Kräuter sammelt? Linnemann: „Auf die richtige Jahreszeit. Denn viele Pflanzen wie Heilkräuter sammelt man vor der Blüte ein.“ Dagegen ernte man zum Beispiel das Johanniskraut in Blüte, „weil in ihnen die meiste Heilkraft ist“. Wurzeln wie Baldrian ernte man im Herbst. „Da ist dann die meiste Kraft vorhanden“, unterstreicht die Pflanzen- und Kräuterfreundin. Pflanzen, die ätherische Öle beinhalten, „also wo die Säfte steigen, die Pflanze sozusagen tagsüber ihre Kräfte an die Sonne verschenkt: Wenn man sie in der Pflanze behalten möchte, sollte man sie frühmorgens ernten“, so ihr Tipp. Das wisse man von Blumen auch: „Wenn man sie morgens pflückt, bleiben sie frisch.“

Warum sollte man überhaupt Kräuter sammeln, wo man sie portionsweise im Supermarkt angeboten bekommt? „Jemand, der keinen Bezug zur Natur hat, braucht auch keine Kräuter zu sammeln“, meint Ulrike Linnemann. Aber wenn man sie besitze, sei es schön, sie auch im Winter zur Verfügung zu haben, wie verschiedene Teesorten. Oder wenn man wisse, dass sie hilfreich seien, wie die Ringelblume, „eine absolute Heilpflanze“. Aus den Blüten eine Salbe gefertigt, helfe diese bei empfindlicher, zarter Haut – gerade bei Babys. „Da ist die Calendula einfach super“, akzentuiert sie.

Ehrenamtlich tätig

Am Eisenzeithaus gebe es sogar Färbepflanzen, erzählt die ehrenamtliche Mitarbeiterin. Als Beispiele zählt sie die Labkrautwurzel auf, „die wir inzwischen in sehr großen Mengen haben, sodass wir da etwas versuchen können.“ Aber auch den Färberwau, die Färberkamille, den Rainfarn lässt sie nicht unerwähnt. „Pflanzen, mit denen die Menschen schon in der Eisenzeit ihre Wolle gefärbt haben“, erläutert die Ehrenamtliche, dass man beispielsweise mit Rainfarn einen sehr schönen Grünton erzeugen könne.

Die historischen Pflanzen am Eisenzeithaus zu erhalten liegt Ulrike Linnemann besonders am Herzen. „Es ist spannend zu studieren: Wo fühlen sie sich wohl, wo säen sie sich aus, wo nicht.“ Wichtig sei, „dass man den Menschen zeigt, dass das, was sie für Unkraut halten, eigentlich eine Heilpflanze ist.“ Hier zählt sie die Schafgarbe oder den Spitzwegerich auf. „Alles, was in der Landwirtschaft als unnütz angesehen oder totgespritzt wird – das sind ganz kostbare Heilpflanzen“, bekräftigt sie. Sehr schön sei das „Leinkraut“, eine Heilpflanze für alle Hautkrankheiten. Im Süden Vennes gebe es noch eine Stelle, „wo es sich gehalten hat, weil dort nicht gespritzt worden ist. Das hat sich hier sehr wohl gefühlt“, freut sie sich sichtlich mit Blick auf den Garten. Es gebe noch viele Pflanzen, die man eigentlich am Wegesrand finde, die aber mehr und mehr zugrunde gehen würden, bedauert die Vennerin sehr. Aber: „Wir haben hier Glück, weil wir Biotope haben und die Gemeinde behutsam die Bachläufe pflegt“, stellt Linnemann heraus, die ihr Wissen in Bezug auf Pflanzen und Kräuter gerne mit anderen Menschen teilt.

Emmer und Einkorn

Auf dem Ackerstück am Eisenzeithaus findet man dagegen überwiegend alte Getreidearten wie Hirse, Emmer, Einkorn. Und: „Ich habe jetzt Versuche mit Ur-Roggen gemacht, von dem man sich gut vorstellen kann, dass er halb-wild genutzt wurde“, zeigt sie auf. Des Weiteren gebe es Trockenbohnen, und es seien Versuche mit Linsen gemacht worden, All das wird von Ulrike Linnemann mit viel Herzblut gehegt und gepflegt. „Mal mit mehr oder weniger Glück; die Linse hat dieses Jahr überhaupt nicht geklappt“, gibt sie unumwunden zu, dass das Ganze immer ein Lernprozess sei, was die Standorte angehe.

Einen ganz speziellen Wunsch hat das gesamte Eisenzeithaus-Team, für das es noch Spender sucht: eine barrierefreie Toilette. „Denn wir möchten für alle zugänglich sein“, hebt Ulrike Linnemann hervor, die glaubt, dass das Projekt „Eisenzeithaus“ eine gute Zukunft hat. „Weil es lebendig ist, Menschen etwas tun können.“ Ihr persönlicher Wunsch: „Dass es weiter so lebendig bleibt, dass viele Kinder kommen, dass die Menschen offen sind und dass sie auch etwas von dieser Haltung der Natur mitnehmen: Dass man wachsen lassen kann und dass die Arbeit an der Erde Freude macht.“