Gäste aus den USA Wiedersehen im Wittlager Land nach 48 Jahren


Mönkehöfen. „Mir ist, als wäre ich erst gestern hier gewesen“, sagt Sally Brown Bair, „aber es ist schon 48 Jahre her.“

Die Amerikanerin hat 1966 an einem Austauschprogramm teilgenommen und vier Wochen bei der Familie von Heinrich Berner in Mönkehöfen gelebt. Zeitgleich war Linda Keller Fornelli, die ebenfalls über die Internationale Landjugend nach Deutschland gereist war, bei Familie Rullmann in Linne.

Zurzeit sind die beiden gemeinsam mit ihren Ehemännern für zwei Wochen in Deutschland unterwegs, um die Familien, deren Adressen sie nach so langer Zeit noch herausfinden konnten, zu besuchen. „Das war nicht einfach, und einige haben wir leider auch nicht gefunden, aber das Internet war schon hilfreich“, sagt Linda Keller Fornelli.

Vor zwei Jahren waren Sally und Linda über eine gemeinsame Bekannte, die ebenfalls am Austausch teilgenommen hatte, wieder in Kontakt gekommen. „Wir haben viel über unsere Zeit in Deutschland gesprochen und so entstand die Idee, noch einmal eine Reise zu den Gastfamilien anzutreten“, sagt Linda. Den Wunsch, dieses zu tun, hätten die beiden schon länger verspürt. „Wir haben oft von unserer Zeit in Deutschland erzählt, denn in den sechs Monaten, in denen wir alle vier Wochen zu einer anderen Familie in einem anderen Bundesland kamen, hatten wir viel erlebt.“

Im September war es dann so weit. Nach Stationen in Berlin und Hamburg stand der Besuch im Wittlager Land auf dem Programm. „Als wir auf dem Osnabrücker Bahnhof ankamen und Sieglinde und Friedrich Berner dastanden, war es wie ein Nachhausekommen“, erzählt Sally Brown Bair. Schon auf der Fahrt nach Mönkehöfen wurde fröhlich geplaudert und erzählt. Am Samstag stand die Besichtigung einer Biogasanlage und eines Milchviehbetriebes an. Auch damals gab es Ausflüge, die den jungen Frauen Land und Leute näherbringen sollten. Am wichtigsten war aber das Kennenlernen des Alltags auf einem deutschen Bauernhof. „Wir haben alles mitgemacht, Rüben gezogen, rote Bete eingelegt – und einen Apfelkuchen gebacken, der aber nichts geworden ist“, erzählt Sally lachend.

„Ich habe mitgeholfen, die Kühe von der Weide zu holen, mit den Kindern gespielt oder Wäsche aufgehängt“, erinnert sich Linda Keller Fornelli. Natürlich kam auch das Feiern nicht zu kurz. Besonders ist den beiden ein Polterabend in Erinnerung geblieben, eine Feierart, die sie bis dahin nicht kannten. Damals beschlossen die 21-Jährigen, dass sie selbst bei ihren Hochzeiten auch eine „echte deutsche Polterei“ feiern wollten. Unvergessen ist auch ein Besuch der Weinstube von Karl Kunz in Bad Essen. „Da haben wir zum ersten Mal in unserem Leben Aal gegessen“, erzählt Linda Keller Fornelli.

Das Leben auf Höfen war den beiden jungen Frauen nicht fremd. Sallys Eltern hatten in Pennsylvania eine Farm mit 50 Milchkühen und Lindas Eltern betrieben eine Bullenmastfarm in Kansas. „Unser Wunsch war, mal über den Tellerrand hinauszuschauen, deshalb haben wir uns damals für den Austausch beworben.“ Sally hatte gerade ihr Journalistik-Studium abgeschlossen, und Linda befand sich in der Ausbildung zur Krankenschwester. Die Reisekosten, die damals rund 12000 Mark betrugen, wurde größtenteils von der 4-H-Stiftung in Washington übernommen. Die 4 H stehen für Head, Heart, Hands und Health, ein Programm, dass das bessere Verständnis der Völker zum Ziel hatte.

„Meine Eltern haben damals erfahren, dass Gastfamilien gesucht werden, und sich bereit erklärt jemanden aufzunehmen“, berichtet Friedrich Berner. „Amerika kannte man nur vom Hörensagen, deshalb war es auch für uns interessant.“ Die jungen Leute seien wie Geschwister gewesen, „wir haben uns hier zu Hause gefühlt“, sagt Sally Brown Bair. Zurück in den USA, hielten die jungen Frauen über 140 Vorträge, um von ihren Erfahrungen und über das Leben auf Bauernhöfen in Deutschland zu berichten.

Ein Lieblingswort haben die beiden heute noch, „und das lässt sich auch nicht übersetzen“. Es lautet „gemütlich“, und dieses Gefühl haben Sally und Linda damals wie auch auf ihrer jetzigen Reise wieder von Herzen genossen.