Sommerfest am Eisenzeithaus Wenn die Schlacke aus dem Rennofen in Venne rinnt

Von Rainer Westendorf


Venne. „Wir wissen selbst noch nicht, was drin ist“, erläuterte Matthias Fischer auf dem Sommerfest am Eisenzeithaus Venne. Gemeint war der Rennofen, der am späten Nachmittag aufgebrochen wurde. So in etwa wissen die Experten natürlich schon, was im Ofen drin sein sollte. Das Produkt ist die Luppe, ein schwammartiges, schlackehaltiges Material, das dann weiter verarbeitet wird. Wenn alles gut läuft, kann aus dem Material ein Eisenmesser geschmiedet werden. Vor 2300 Jahren, in der Epoche der vorrömischen Eisenzeit, haben die Menschen auf diese Weise Schmuck, Gerätschaften und auch Waffen hergestellt.

Dazu braucht es nämlich Holz und Kohle und Raseneisenerz – das findet sich übrigens ganz in der Nähe des Areals in Venne. Der Rennofen muss auf Hitze gebracht und gehalten werden. Dazu pumpen Helfer mit einem Blasebalg Luft, also Sauerstoff, in den Ofen. Später muss dann die aus dem Ofen gewonnene Masse bearbeitet werden, die Schlacke wird ausgetrieben und das Material geschmiedet. Das Ganze dauert zwei Tage. Ein enormer Aufwand. Da kann man verstehen, warum Schmuck und Waffen vor 2300 Jahren und bis in das Mittelalter hinein so unglaublich teuer und wertvoll waren. Es heißt übrigens tatsächlich Renn- und nicht Brennofen. „Und zwar, weil die Schlacke aus dem Ofen rinnt“, so Fischer. Ein Brennofen zum Herstellen von Tongeschirr befindet sich auch in Venne. Den haben vor Kurzem Schüler aus Evinghausen dort gebaut. Das Team, das den Rennofen gebaut hat, kam vom Sachsenhof in Greven. Der Sachsenhof im Münsterland ist eine Rekonstruktion einer 1200 Jahre alten frühmittelalterlichen Hofanlage.

Das Projekt Eisenzeithaus steht im Zusammenhang mit dem Ausgrabungsprojekt Schnippenburg im heutigen Schwagstorf. Auf dem 3000 Quadratmeter großen Areal wird das Leben der Menschen etwa 300 vor Chr. anschaulich vermittelt. Dazu gehören nicht nur das Hauptgebäude und der Kornspeicher, sondern auch ein „Eisenzeitacker“ und ein Garten. Viele Pflanzen und Kräuter wurden schon vor 2300 Jahren von den Ahnen verwendet. So Linsen, Bohnen und Hirse zum Kochen, Kamille und Baldrian als Heilpflanzen und auch Rainfarn und Labkraut zum Färben.

Filzen, Schmuck herstellen oder Bogenschießen, das waren Angebote, die viele Gäste des sehr gut besuchten Sommerfestes 2014 nutzten.