Vortrag von Rainer Bendick 400 Jahre Schulgeschichte in Ostercappeln

Meine Nachrichten

Um das Thema Ostercappeln Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Der Osnabrücker Historiker Rainer Bendick hielt den Festvortrag. Hier im Bild mit Rita Feldkamp, Dezernatsleiterin bei der Landesschulbehörde. Foto: Rainer WestendorfDer Osnabrücker Historiker Rainer Bendick hielt den Festvortrag. Hier im Bild mit Rita Feldkamp, Dezernatsleiterin bei der Landesschulbehörde. Foto: Rainer Westendorf

Ostercappeln. 2014 ist ein Jahr mit vielen Jubiläen und Gedenktagen. Vor 100 Jahren begann der Erste Weltkrieg, vor 75 Jahren brach der Zweite Weltkrieg aus, vor 25 Jahren fiel die Mauer. Passen 400 Jahre Schule in Ostercappeln in diese Reihe? Nach Einschätzung des Osnabrücker Historikers Dr. Rainer Bendick, der den Festvortrag der Veranstaltung hielt, schon.

Bei den genannten Daten handelt es sich um Wegscheiden. Ereignisse, die das Leben der Menschen tief greifend verändert haben. „Und eine Schulgründung verändert das Leben von Kindern und Eltern ebenfalls“, sagte Bendick. Die Tage sind anders strukturiert. Der Alltag orientiert sich an der Schule.

Schon Ende des 16. Jahrhunderts hat sich der französische Philosoph Michel de Montaigne mit dem Schulunterricht und der Erziehung befasst. Das Wissen sollte nicht eingetrichtert, sondern „der Verstand in Tätigkeit gesetzt werden“, so seine Forderung. Prinzipien, die heute gelten.

Bendick wies aber auf einen entscheidenden Punkt hin: Die Ratschläge Montaignes bezogen sich ausschließlich auf die Erziehung adeliger Kinder durch ihre Hauslehrer. Von Bildung für das gesamte Volk war damals nicht die Rede. Wie kam es überhaupt zur Gründung der ersten Schule in Ostercappeln? Welche Motive steckten hinter der Einstellung des ersten Lehrers? Bezahlt wurde er aus Zinserträgen eines Vermögens, das Gertrud von Ledebur gestiftet hat – sie war evangelisch-lutherisch.

Die Bibel lesen können

Und hier liegt das Motiv, wie Bendick erläuterte. Die Reformation war der ausschlaggebende Faktor. Eine Forderung Luthers: Die Christen sollen die Bibel selbst lesen können. „Schule war stets eine konfessionelle Einrichtung“, so Bendick. In Ostercappeln wurde diese Trennung erst 1969 aufgehoben, als die evangelische und die katholische Schule zusammengelegt worden sind.

Jahrhundertelang – bis weit in das 20. Jahrhundert hinein – ging es in den Schulen auch nicht um die Erziehung und Bildung kritischer und selbstständig denkender Menschen.

„In den Schulen sollten treue Untertanen herangezogen werden.“ Das galt übrigens auch für die anderen europäischen Staaten. Das ist heute anders. „Zum Glück“, wie auch Bendick betonte. „Nationalität und Konfessionalität trennen, die Freiheit verbindet“, stellte der Historiker fest und nahm damit Bezug auf den Titel seines Festvortrags.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN