Stefanie Lau und die Bücherei Hier ist das Venner Kulturinstitut

Von Christa Bechtel

Die Bücherei Venne ist ihre Herzensangelegenheit: Steffi Lau.Foto: Christa BechtelDie Bücherei Venne ist ihre Herzensangelegenheit: Steffi Lau.Foto: Christa Bechtel

Venne. „Mein Vater, der Rektor in Venne war, hat die Schulbücherei geleitet. So musste ich immer mit Papa mit, und da habe ich alles kurz und klein gelesen“, erzählt Stefanie Lau, wie sie zum Lesen gekommen ist. Heute sind Bücher ihr „Herzblut“, wie sie sagt. Deshalb leitet sie auch ehrenamtlich, mit großem Engagement und natürlich mit viel Herzblut seit 1999 die Gemeindebücherei in Venne und trat damit die Nachfolge ihres Vaters Bernhard Lau an.

Damals sei ihr Sohn gerade zwei Jahre alt gewesen. „Ich habe in der Waffelfabrik Führungen übernommen, Nachhilfe gegeben – und ich hatte noch Zeit über“, sagt die gebürtige Vennerin, die nach ihrem Abitur eine Tischlerlehre absolvierte. „Vierte Tochter, ich sollte vielleicht ein Sohn werden“, meint sie schmunzelnd. Nach ihrer Ausbildung war sie erst in der Holzabteilung im Marktkauf tätig. Seitdem Ikea in Osnabrück ist, arbeitet sie dort im Kassenbüro.

In der Gemeindebücherei Venne können derzeit 5700 Medien ausgeliehen werden; davon sind 1300 DVDs, der Rest Bücher und Spiele. „Wir haben pro Jahr etwa 6500 Entleihungen mit rund 4200 Besuchern“, berichtet die Büchereileiterin. Gerade am Vortag hatte Stefanie Lau innerhalb von drei Stunden 83 Kunden, die mit Lektüre versorgt werden wollten.

„Es wird gesagt: Dies ist das Kulturinstitut von Venne, und hier ist donnerstags (14.30 bis 17.30 Uhr) und samstags (10 bis 11.30 Uhr) der Treff. Hier wird Kaffee gekocht, Plätzchen geknabbert und sich im Gespräch ausgetauscht“, bemerkt sie. Angesagt sind bei den Kindern zurzeit Comics, wie beispielsweise den Jungs die zehn Bücher aus der Reihe „Gregs Tagebuch“ von Jeff Kinney oder auch Lego Star Wars sowie die „Beast Quest“-Serie. „Die Mädchen lesen auch alles kurz und klein“, meint Steffi, wie sie überall in Venne nur heißt, und zählt unter anderem die Conni-Erzählbände oder die „Lola“-Kinderbuchreihe auf. Jugendliche würden Fantasy- oder Thriller-Lektüre bevorzugen. „Da haben wir inzwischen auch einen sehr guten Bestand“, betont Lau. Speziell für die Jugendlichen sei die Bücherei jetzt zudem auf „Facebook“ präsent (www.facebook.com/gemeindebuchereiVenne). „Dadurch können sie sehen, was neu im Bestand ist“, erklärt die Fachfrau. Erwachsene würden dagegen gerne Thriller, Krimis, „was so auf den Bestsellerlisten steht“, lesen. Außerdem habe die Bücherei etliche Hörbuch-Hörer.

Ein kleiner Obolus

Finanziert wird die Einrichtung durch einen Teil, den die Gemeinde als Träger leistet. „Und dann muss man sich ganz viel einfallen lassen“, unterstreicht die Leiterin, die zum Beispiel für das Ausleihen der DVDs einen kleinen Obolus nimmt. „Rundherum gibt es auch nichts, wo man sie ausleihen könnte. Also kommen alle hierhin – aus vielen anderen Ortschaften wie Vehrte, Schwagstorf, Ostercappeln“, berichtet sie. Das Ausleihen der Bücher sei kostenlos. Außerdem bietet Stefanie Lau Büchereirallyes, Bücherflohmärkte, Bilderbuchkinos, Führungen für Kindergärten und Schulen oder Lesungen an. Weilen Schüler in der Bücherei, können sie sogar einen „Bücherei-Führerschein“ machen mit dem Zertifikat: „Du bist jetzt ein Venner Bücherwurm“, das sie stolz mit nach Hause nehmen. Oder die Kinder können Patenschaften für Bücher übernehmen, also sozusagen eine Kritik zu dem gelesenen Buch abgeben. Aber: „Wir sind auf Spenden angewiesen, um wieder neue Bücher anschaffen zu können“, bekräftigt Stefanie Lau, die jedes Jahr zur Frankfurter Buchmesse fährt.

Apropos Lesungen: „Die nehmen ganz viel Zeit in Anspruch; ich biete pro Jahr eine an“, erklärt die Leiterin. Als prominente Gäste weilten schon Salim Alafenisch, Beduinenscheich, Schriftsteller und Geschichtenerzähler, Richard Dübell, der als Autor historischer Romane bekannt ist, in Venne. Aber auch der Venner Tierarzt Dr. Michael Brackmann begeisterte mit seinen Geschichten die Zuhörerschaft. „Das sind meine Schweißperlen! Denn ich muss Eintritt für diese Lesungen nehmen, um sie zu finanzieren, da ich keine Rücklagen habe“, verdeutlicht Lau, der es gelungen ist, für März 2014 Roman Voosen und Kerstin Signe Danielsson einzuladen. Das deutsch-schwedische Autorenpaar wird „Später Frost“, den ersten Kriminalroman des Duos, vorstellen. Die Lesung findet in der Darpvenner Diele statt. „Wahrscheinlich mit einem schwedischen Büfett“, verrät Lau.

Ein großer Wunsch ist in Steffis Leben bisher unerfüllt geblieben: „Tauchen gehen und mit Delfinen schwimmen. Doch eigentlich bin ich rundherum glücklich, denn außer meiner Familie sind die Bücher der Mittelpunkt meines Lebens“, sagt sie. Und ihr Heimatort Venne liegt ihr sehr am Herzen.


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