Gedenkfeier am 9. November Jüdisches Leben in Ostercappeln

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Ostercappeln. Am 9. November jähren sich die Novemberpogrome zum 75. Mal. Auf Initiative des „Starken Dorfes“ Ostercappeln findet an diesem Tag eine Gedenkveranstaltung im Ort statt.

Vor 75 Jahren wurden in Deutschland jüdische Geschäfte geplündert, Synagogen in Brand gesteckt und jüdische Mitbürger verhaftet und ermordet. Das Starke Dorf will am Samstag, 9. November, an das Schicksal der Ostercappelner Juden erinnern.

In den 1930er Jahren lebten etwa 50 bis 60 Juden in Ostercappeln. Das waren rund acht Prozent der damaligen Bevölkerung. Eine Tatsache, die heute fast vergessen ist. „Die Juden waren vollkommen integriert in die Dorfgemeinschaft“, betont Franz Kahlert vom Starken Dorf. Die Juden waren säkularisiert und unterschieden sich im Alltagsleben nicht von den anderen Bürgern „Das jüdische Leben in unserem Dorf ist erloschen. Seine Spuren sind aber noch nachzuweisen“, so das Starke Dorf. Die Gruppe versucht jetzt, Vergangenes vor dem Vergessen zu bewahren. Es gehe nicht um eine Anklage oder eine Schuldzuweisung, erläutert Heinz Müller. Sondern um Transparenz und darum, Vorgänge aus der Lokalgeschichte festzuhalten und sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen.

Die Veranstaltung am 9. November soll dazu einen Beitrag leisten. Aus Anlass des 70. Jahrestags der Novemberpogrome sind wie berichtet vor fünf Jahren in Ostercappeln und Bohmte bereits Stolpersteine durch den Kölner Künstler Gunter Demnig vor Wohnhäusern und Gebäuden verlegt worden – und erinnern daran, dass dort einst jüdische Familien lebten.

In Ostercappeln gab es die drei großen jüdischen Familien Grünberg, Meyer und Stern. Die Gedenkfeier am 9. November endet im Bereich der Alten Vikarie an der Windthorststraße. Dort stand das Haus von Josef und Helene Meyer.

Nach dem Auszug ihrer Kinder und Eintritt in den Ruhestand lebte das Ehepaar allein in diesem kleinen Fachwerkhaus. Das in den 1980er Jahren abgerissene Gebäude stand hinter dem ehemaligen Gasthaus (und Bäckerei) Mönter. Josef Meyer war Pferdehändler. In der Pogromnacht wurden Josef Meyer und Siegmund Stern verhaftet und nach Osnabrück gebracht. Einige Wochen später konnten sie dann – nach schweren Misshandlungen durch die Gestapo – zurückkehren. Der über 80-jährige Josef Meyer wurde 1939 zur Zwangsarbeit verpflichtet und war im Straßenbau in Herringhausen eingesetzt. Schließlich wurde das Ehepaar aus seinem Haus vertrieben und später in ein sogenanntes Judenhaus für Alte bei Mönchengladbach gebracht. Von dort wurden sie nach Theresienstadt verbracht. Josef Meyer kam dort im Dezember 1942 ums Leben, seine Frau zwei Monate später.

Siegmund Stern – im Ersten Weltkrieg für Tapferkeit an der Front ausgezeichnet – und seine Frau Karoline, die am Hauweg in Bohmte wohnten, wurden 1941 nach Riga deportiert und kamen wahrscheinlich im dortigen Getto ums Leben. Ihre Spur verliert sich. Auf dem ehemaligen Meyer-Grundstück befindet sich heute die vor Kurzem eröffnete Senioreneinrichtung Haus am alten Markt. Bauherrin Ulrike Caselato hat – als sie von der Geschichte des Grundstücks und dem Schicksal des Ehepaars erfahren hat – das Starke Dorf ideell und finanziell unterstützt. „Dafür sind wir ihr außerordentlich dankbar“, so das Starke Dorf.

Außerhalb des Hofes ist ein für die Öffentlichkeit zugänglicher Gedenkort mit einer Tafel und einer Bank entstanden. Ulrike Caselato hat die Anlage mit Begrünung, Bepflasterung und Ruhebank gesponsert. Ostercappelner Bürger haben die Gedenktafel finanziert. Ein Baum soll hier zudem noch gepflanzt werden. Darüber hinaus ist der Grundriss des ehemaligen Hofes Meyer durch Pflastersteine nun optisch nachzuvollziehen.

Die Veranstaltung am 9. November beginnt um 16.30 Uhr auf dem Bolbecer Platz. Es folgt ein stiller Rundgang mit Kerzen Richtung Pfarrheim, Kirche, Windthorststraße bis zur Gedenktafel am Alten Markt. Ansprachen werden unter anderen der stellvertretende Landrat Frank Hünefeld und Susanne Tauss, Geschäftsführerin des Landschaftsverbandes Osnabrücker Land, halten. Auch Schüler der Ludwig-Windthorst-Schule wirken an der Gedenkfeier mit und werden kurze Texte lesen. Die jüdische Gemeinde Osnabrück ist ebenfalls zur Feierstunde eingeladen.


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