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Praktikant Jose Núñez Féliz Projekt des Landkreises Osnabrück: Qualifizierung für den spanischen Markt

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<em>Einblick in Kabel und Schaltkreise: </em>Jose Núñez Féliz wird von Helge und Erik Ballmeyer bestens unterstützt. Foto: Kerstin BalksEinblick in Kabel und Schaltkreise: Jose Núñez Féliz wird von Helge und Erik Ballmeyer bestens unterstützt. Foto: Kerstin Balks

Venne. Vom spanischen Galicien ins Osnabrücker Land: Derzeit weilen 19 junge Spanier in unserer Region, um hier ein berufsbezogenes Praktikum zu absolvieren. Sie erhoffen sich davon eine zusätzliche Qualifikation auf dem spanischen Arbeitsmarkt.

Das Wort „Würstchen“ wird Jose Núñez Féliz wohl nie vergessen. Eine Woche lang hat der junge Spanier das Team der Firma Ballmeyer täglich zur Kinnius-Wurstfabrik begleitet, wo die Klimatechniker aus Venne derzeit eine CO2-Kälteanlage einbauen. „Die Anlage kühlt bis minus 60 Grad, wobei sie ganz auf synthetische Kühlmittel verzichtet, sondern allein mit CO2 arbeitet – wovon wir ja wirklich genug haben“, erläutert Geschäftsführer Helge Ballmeyer.

Hightech also und gerade für den Spanier interessant. Naturgemäß spielt in Joses Heimatland und damit auch auf dem dortigen Arbeitsmarkt Klima- und Kältetechnik eine große Rolle. Dennoch: Es sei auch in dieser Branche in Spanien schwer, Arbeit zu finden.

In seiner Heimatstadt Vigo, so berichtet Jose, besuche er eine technische Fachschule und sei sehr stolz gewesen, als sein Lehrer ihn für das Praktikum in Deutschland vorgeschlagen habe. „Aber als es dann losging, war ich sehr nervös“, sagt er in Englisch mit sympathischen spanischen Einsprengseln. Immerhin sei der Aufenthalt im Osnabrücker Land sein erster Auslandsaufenthalt überhaupt. Die Nervosität habe sich aber schnell gelegt. „Meine Familie ist sehr, sehr nett“, sagt er und meint damit seine Gasteltern Heike und Sören Baro aus Belm mit ihren beiden Kindern. Sie sind einem Aufruf des Landkreises Osnabrück gefolgt, der für das von ihm initiierte, länderübergreifende Qualifizierungsprojekt Gastfamilien gesucht hatte. Bei Familie Baro brachte ein spanisches Lied im Radio gewissermaßen die Initialzündung. Der Song gefiel so gut, dass wir uns die CD geholt haben“, erinnert sich Heike Baro. Die Musik habe sie über den langen Winter gerettet, das Interesse an Spanien (wieder-)geweckt, berichtet die Belmerin. „Als wir dann in der Neuen OZ vom Landkreis-Projekt lasen, stand für uns fest, dass wir mitmachen.“ Heike Baro verfügt über Spanischkenntnisse, „die sind aber eigentlich nicht erforderlich, wenn man als Gastfamilie mitmachen möchte“, findet sie. Hauptsächlich gelinge die Verständigung über Englisch, zudem haben die jungen Spanier in ihrem Heimatland einen Crashkurs in Deutsch absolviert – übrigens auch fester Projektbestandteil. Dieser Kurs wurde nämlich von Osnabrücker Romanistik-Studenten im Rahmen ihrer Praktika in Galicien angeboten; in Deutschland besuchen die Spanier zudem zweimal wöchentlich einen Deutschkurs.

„Funny“ Hauptwörter

Eigentlich, so räumt Jose ein, sei er nicht so sprachbegabt, sondern eher der Techniker. Dennoch: „Am Arbeitsplatz funktioniert die radebrechende Kommunikation bestens“, wie Erik Ballmeyer bestätigt. Allerdings findet er die langen, zusammengesetzten Hauptwörter im Deutschen „funny“. Ausbildung und Arbeitsweise hingegen seien sehr methodisch und in ganz Europa anerkannt. Er hofft daher auch, in seiner Heimat durch das Praktikum bessere Jobchancen zu haben. Er möchte in Spanien bleiben, andere Praktikanten sehen ihre Zukunft in Deutschland. Beidem will das Projekt Rechnung tragen, will zum einen zur Qualifikation für den spanischen Arbeitsmarkt beitragen, und zum anderen hiesigen Betrieben die Möglichkeit geben, Bewerber kennenzulernen. Denn geeignete Auszubildende für technische Berufe zu finden, ist bekanntlich nicht so einfach. Bei der Firma Ballmeyer beispielsweise haben alle sieben Azubis zuvor ein Praktikum im Hause absolviert. Auch das kann man, um Joses Worte zu benutzen, durchaus als methodisch bezeichnen – vor allem im Hinblick auf Eignung und Akzeptanz.

Zurück zu Familie Baro. Hier stand am Wochenende Sightseeing auf dem Plan. Piesberg und Altstadt, Natur und Kultur. Aber es gibt nicht nur Touristenprogramm, denn Jose soll sich zwar als Gast, vor allem aber als Teil der Familie fühlen. Und als Familienmitglied ist er „voll in unseren Alltag integriert“, berichtet Heike Baro. Er sei sehr hilfsbereit und habe gar bei der Gartenarbeit mit angepackt. Dies ist aber vermutlich nicht ausdrücklich gemeint, wenn sie den Besuch aus Spanien als eine Bereicherung beschreibt. „Ich finde es gut, wenn unsere Kinder Weltoffenheit lernen. Außerdem: Mehr als 50 Prozent Jugendarbeitslosigkeit sind auch eine Nummer. Da will man gerne helfen“, resümiert sie. Und Jose? Der findet alles „very simpático“ und würde jedem ein Auslandspraktikum empfehlen. Am 13. Mai geht es zurück nach Galicien und hoffentlich ins Arbeitsleben.


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