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Berufungsverhandlung am Landgericht Osnabrück 22-jähriger Ostercappelner kämpft um Bewährungsstrafe

Von Hendrik Steinkuhl | 04.09.2019, 17:47 Uhr

Ein 22-jähriger Ostercappelner soll gemeinsam mit einem Kumpel einen jungen Mann aus Bohmte bedrängt haben. Der Kumpel schlug zu, der Ostercappelner versperrte nur den Weg – und soll trotzdem für fünf Monate ins Gefängnis. Dieses Urteil will der 22-Jährige in einer Berufungsverhandlung nun aufheben lassen.

"Das ist schon recht sportlich, was hier angeklagt ist", sagte der Vorsitzende Richter, der mit seiner dreiköpfigen Kammer darüber entscheidet, ob der Ostercappelner tatsächlich ins Gefängnis muss. Das Amtsgericht Osnabrück hatte den jungen Mann im Oktober 2018 wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung zu einer fünfmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt - und das, obwohl sich der 22-Jährige dem Geschädigten laut Urteil lediglich in den Weg gestellt hatte.

Tat liegt bereits über drei Jahre zurück

Der Angeklagte bestritt allerdings, dass er sich dem Geschädigten, einem heute 17-Jährigen aus Bohmte, bewusst in den Weg gestellt hatte. Unstrittig ist, dass der Ostercappelner und sein bereits verurteilter Mittäter auf dem Hof der Grundschule Bohmte saßen - das Urteil der ersten Instanz spricht von "herumlungerten" -, als ihr späteres Opfer vorbeikam. Die Tat ereignete sich am 7. Juni 2016, liegt also bereits über drei Jahre zurück.

Der Mittäter des Angeklagten forderte den Geschädigten dann auf, herüberzukommen, was der heute 17-Jährige nicht tat. Laut Urteil des Amtsgerichts beschlossen die beiden Älteren, dem Bohmter daraufhin "eine Lektion in Form eines körperlichen Verweises für sein ignorantes Verhalten zu erteilen." Der "körperliche Verweis" erfolgte in Form eines Faustschlags, der den damals 14-Jährigen an der Lippe traf. Der Jugendliche erlitt eine stark blutende Platzwunde, die genäht werden musste.

"Wenn, dann war das unbewusst"

Der Vorsitzende Richter der zweiten Instanz versuchte nun zu klären, ob - und wenn ja wie - sich der Angeklagte vor den Geschädigten gestellt hatte, womit er nach Überzeugung des Amtsgerichts ermöglicht hatte, dass sein Kumpel dem 14-Jährigen ins Gesicht schlug. "Wenn, dann war das unbewusst", sagte der Angeklagte. Der Vorsitzende Richter erwiderte, das könne er sich nur schwer vorstellen. Es sei aber so gewesen, antwortete der 22-Jährige. Sein Kumpel habe nicht vorher angekündigt, dass er dem damals 14-Jährigen "eins auf die Mappe" geben wolle. Er habe ihm lediglich gesagt, man wolle nun den Schulhof verlassen, und das sei nur auf dem Weg möglich, auf dem auch der Geschädigte gegangen sei.

Anschließend befragte das Gericht den heute 17-Jährigen, der bestätigte, dass die unmittelbare Aggression ausschließlich vom Mittäter des Angeklagten ausging. Der 22-Jährige habe sich ihm lediglich in den Weg gestellt, und der Weg wäre theoretisch breit genug gewesen, an ihm vorbeizugehen. Auf die Frage, ob er es denn versucht habe, antwortete der Zeuge: "Nein. Ich dachte, dass er den Weg eh blockiert."

Prozess wird am 9. September fortgesetzt

Ob die erstaunlich hohe Strafe für den Angeklagten mit Vorstrafen oder einem Bewährungsverstoß zusammenhängt, wurde am ersten Verhandlungstag nicht geklärt, denn das Verfahren konnte entgegen der Planung der Kammer nicht beendet werden, da ausgerechnet der Mittäter des Angeklagten nicht zu seiner Zeugenaussage erschien. Der Prozess wird deshalb am 9. September um 14.30 Uhr fortgesetzt, der unzuverlässige Zeuge wird dann von der Polizei vorgeführt.

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