Eindrucksvolle Gedenkfeier Ostercappelner halten Erinnerung an jüdische Bürger wach

Die Gedenkfeier fand auf dem Wanderparkplatz an der Bahnhofstraße. Gegenüber liegt das ehemalige Wohnhaus der Familie Meyer. Foto: Rainer WestendorfDie Gedenkfeier fand auf dem Wanderparkplatz an der Bahnhofstraße. Gegenüber liegt das ehemalige Wohnhaus der Familie Meyer. Foto: Rainer Westendorf

Ostercappeln. Eine beeindruckende Gedenkfeier auf dem Wanderparkpklatz "Windthorstbrücke" , um die Erinnerungen an das frühere Jüdische Leben in Ostercappeln aufrecht zu erhalten, veranstalteten am 9. November die Christliche Erwachsenenbildung sowie für der Verein „Starkes Dorf". Anlass war der 81. Jahrestag der Reichspogromnacht.

Der 9. November sei - besondern in diesem Jahr - natürlich ein Tag der Freude. Die Öffnung der Mauer jährt sich zum 30. Mal. "Aber wir sollten an diesem Tag die Pogrome nicht vergessen", so Franz Kahler vom Starken Dorf. In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 wurden in Deutschland nicht nur Synagogen, jüdische Einrichtungen, Geschäfte und Wohnungen brutal zerstört, sondern auch Menschen misshandelt und getötet. Mit der Reichspogromnacht begann mit aller Grausamkeit der totale Vernichtungszug gegen jüdische Mitbürger.

In diesem Haus an der Bahnhofstraße, erbaut Anfang des 20. Jahrhunderts, lebte die Familie Meyer. Archivfoto: Rainer Westendorf

Kahlert wies darauf hin. dass die jüdischen Mitbürger in Ostercappeln vor der Machtergreifung des Nationalsozialismus sehr gut integriert waren. "Sie wurden kaum als Juden wahrgenommen", sagte Kahlert. Das änderte sich nach 1933. Die Zahlen der verfolgte und ermordeten Menschen blieben Abstrakt. "Wichtig ist es, die Geschichte einzelnen Bürgern und Familie zu erzählen". So die Geschichte von  Hugo und Erna Meyer mit den Kindern Ruth und Hans, deren Leidensweg in der Bahnhofstraße in Ostercappeln begann und in Auschwitz mit ihrer Ermordung endete. 

Kaufmann und Viehhändler

Hugo Meyer, geboren 1894, war ein angesehener Kaufmann und Viehhändler.  Nach der Machtübernahme wurde er geschäftlich ausgegrenzt, bedroht und erpresst. Am 15. August 1933 nimmer er sich in Osnabrück das Leben. Sein Schicksal war nicht vollständig aufgeklärt. Bis 2019: "Erst in diesem konnten wir dazu Einsicht in das Polizeitagebuch Osnabrück-Stadtmitte von 1930 bis 1939 nehmen", berichtete Kahlert. Die Protokolle wurden 2018 frei gegeben.

Synagoge zerstört

Hugos Brüder Ernst und Paul Meyer verließen 1936 Ostercappeln mit ihrer Sarah und konnten nach Südafrika emigrieren. Hugos Meyer Witwe Erna und den Kindern Hand und Ruth, geboren 1928 und 1929, blieben in Ostercappeln. Gitta Stern, eine Freundin Erna Meyers, war nach den Ereignissen der Reichspogromnacht aus Osnabrück - dort wurde die Synagoge an der Rolandsmauer zerstört  - nach Ostercappeln gekommen. "Wir können uns kaum vorstellen, mit welchen Sorgen und Ängsten zwei Frauen mit zusammen fünf Kindern die Nacht vom 10. auf den 11. November in diesem Haus gemeinsam verbracht haben, sagte Kahlert.

Ostercappeln bot damals im Gegensatz zur Stadt trotz allem noch eine gewisse Sicherheit. Bürger des Dorfes haben versucht, den jüdischen Mitbürgern helfen. Das haben Schüler des Gymnasiums Bad Essen im vergangenen Jahr im Rahmen eines Forschungsprojektes nachgewiesen. 

Ermordet in Auschwitz

Da ab dem 15. November 1938 keine jüdischen Kinder mehr „deutsche Schulen“ besuchen durften und der Druck der Gestapo immer größer wurde, zog Erna Meyer mit ihren Kindern nach Köln. Versuche, das Haus an der Bahnhofstraße zu verkaufen, misslangen. Dann fliehen sie weiter nach Holland. Erna Meyer wurde kurz nach Operation am 10. November 1942 in einem Krankenhaus verhaftet und später mit ihren Kindern nach Auschwitz deportiert.  Am 19. November 1943 wurden Mutter und Kinde dort umgebracht. Über Leben und Tod der Familie berichteten auf der Gedenkfeier Jule und Noah aus Ostercappeln. Sie sind heute so alt wie die Kinder bei deren Ermordung. 

Nach der Pogromnacht kehrte Gitta Stern mit den Kinden zurück zu ihrem Mann Emil nach Osnabrück. Bereits im Dezember 1941 wird die Familie nach Riga deportiert und dort getötet.


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