Jahrestag der Reichspogromnacht Ostercappelner erinnern an die jüdischen Mitbürger

Die Stolpersteine sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig (Bild), das im Jahr 1992 begann. Mit im Boden verlegten kleinen Gedenktafeln soll an das Schicksal jüdischer Mitbürger erinnert werden, 2008 verlegt Demnig mehrere Stolpersteine in Ostercappeln und  Bohmte. Archivfoto: Rainer WestendorfDie Stolpersteine sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig (Bild), das im Jahr 1992 begann. Mit im Boden verlegten kleinen Gedenktafeln soll an das Schicksal jüdischer Mitbürger erinnert werden, 2008 verlegt Demnig mehrere Stolpersteine in Ostercappeln und Bohmte. Archivfoto: Rainer Westendorf

Ostercappeln. Der 9. November ist ein besonderer Tag in der deutschen Geschichte. 30 Jahre Maueröffnung, dieses Jubiläum wird 2019 begangen. Der 9. November ist aber auch da Datum der Reichspogromnacht 1938. Anlass für die Christliche Erwachsenenbildung Ostercappeln sowie für den Verein „Starkes Dorf“, Erinnerungen an das frühere Jüdische Leben im Ort aufrecht zu halten. Sie laden zu einer Gedenkfeier auf den Wanderparkplatz Windthorstbrücke am Samstag, 9. November, um 11 Uhr ein.

Mit der Reichspogromnacht begann mit aller Grausamkeit der totale Vernichtungszug gegen jüdische Mitbürger. Auch Juden aus Ostercappeln wurden Opfer der Shoa. In diesem Jahr denken die Ostercappelner an die Familie Hugo und Erna Meyer mit den Kindern Ruth und Hans, deren Leidensweg in der Bahnhofstraße begann und in Auschwitz mit ihrer Ermordung endete. 

Verheerende Ereignisse

Den Veranstaltern ist es wichtig, Rückblicke nicht nur einfach mit Zahlen und in Berichten zu gestalten, sondern ein „Nie Wieder“ durch Bilder und Lebenserzählungen einzelner Opfer nachhaltig zu erreichen. "Kurz zurückliegende verheerende Ereignisse in unserm Land und deutliche Zunahme des Antisemitismus in unserer Gesellschaft verlangen nachdrücklich ein solches Vorgehen", so das Starke Dorf.

Hans Meyer aus Ostercappeln starb 1943 in Auschwitz. Foto: Niederländischer Suchdienst für Opfer der Shoa

An der Bahnhofstraße 11 – früher Herringhausen Nr. 7 – lebte Erna Meyer mit ihren Kindern Hans und Ruth. Das Haus hatten Moritz Meyer und sein Sohn Hugo gebaut. Moritz Meyer starb 1920, Hugo Meyer 1933, beide eines natürlichen Todes. Nachdem ihr Mann Hugo verstorben war, zog Erna Meyer mit ihren Kindern in die Bahnhofstraße zu ihrer Schwiegermutter Sara. Diese konnte 1939 nach Südafrika emigrieren, wo ihre Söhne Georg und Paul lebten.

An der Bahnhofstraße wohnte Erna Meyer mit ihren Kindern Hans und Ruth. Die Familie zog von Ostercappeln nach Köln und wurde 1941 in Auschwitz ermordet. Archivfoto: Rainer Westendorf

Erna Meyer gelang es nicht mehr auszuwandern. Sie und ihre Kinder erfuhren seit Beginn der NS-Herrschaft eine zunehmende Ausgrenzung. Hans und Ruth besuchten die israelitische Elementarschule in Osnabrück, die von Lehrer Trepp geleitet wurde. Dann kam der 9. November 1938. In dieser Nacht wurde die Synagoge an der Rolandsmauer zerstört. Das Schulgebäude blieb zwar erhalten, aber die Schule wurde geschlossen und der Lehrer in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert. Da ab dem 15. November 1938 keine jüdischen Kinder mehr „deutsche Schulen“ besuchen durften und der Druck der Gestapo immer größer wurde, zog Erna Meyer mit ihren Kindern nach Köln. 

Ruth Meyer war 14 Jahre jung, als sei 1943 ermordet wurde. Foto:Niederländischer Suchdienst für Opfer der Shoa

Die Familie lebte dann im Untergrund. 1943 wurde Erna Meyer schwer krank und musste operiert werden. „Sie wurde 1943 im Krankenhaus verhaftet und mit ihren Kindern nach Auschwitz. Dort wurden Mutter und Sohn 1944 ermordet. Die Tochter Ruth ist während der Deportation verschollen. Niemand weiß, wo sie ums Leben gekommen ist. Die beiden Kinder waren 15 und 14 Jahre jung.

Ein Hinweis für Besucher der Gedenkstunde. Der Zugang ist am günstigsten über die Windthorstbrücke, dann links abbiegen. Parken am ZOB der Ludwig-Windthorst-Schule (Lehrerparkplatz Bahnhofstraße).


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