Hospizinitiative Spes Viva aus Ostercappeln hatte eingeladen Vortrag über Selbstfindung in Georgsmarienhütte: Ein ganzes Leben in einem Wort

PM

Die Menschen, die seine Seminare besuchen, haben fast alles erreicht: Karriere, Haus, Familie... Was ihnen fehlt, ist der Sinn im Leben. Udo Schroeter bei der Lesung in Georgsmarienhütte. Foto: Spes Viva/RautenbergDie Menschen, die seine Seminare besuchen, haben fast alles erreicht: Karriere, Haus, Familie... Was ihnen fehlt, ist der Sinn im Leben. Udo Schroeter bei der Lesung in Georgsmarienhütte. Foto: Spes Viva/Rautenberg

Ostercappeln/Georgsmarienhütte. Diplomingenieur, Lehrer, Softwareentwickler: Eine Visitenkarte dient in der Regel als Ausweis für den Beruf. Eine andere Bedeutung bekommt sie bei Udo Schroeter. Der Autor war jetzt auf Einladung des Hospizvereins Spes Viva zu Gast in der Katholischen Landvolkhochschule Oesede – und zeigte in einer Mischung aus Lesung und Storytelling, dass neben der Karriere die „innere Reise“ häufig zu kurz kommt.

Unter den 140 Gästen befanden sich auch einige "Hardcore-Fans" des Autoren, die extra eine weite Anreise extra für diesen Termin auf sich genommen hatten.

„Welches Wort steht auf der Visitenkarte deines Lebens?“, lautete der Titel der Veranstaltung. Schroeter, der seit 2006 auf Bornholm lebt, bietet seit zehn Jahren Seminare speziell für Männer an. Und eine der Fragen, mit denen sich die Teilnehmer beschäftigten, ist: Lebe ich mein Leben oder funktioniere ich einfach nur? Oder anders gesagt: Wer sitzt eigentlich am Steuer meines Lebensautos?

Foto: Spes Viva/Rautenberg

In der Veranstaltung las Schroeter Passagen aus seinem Buch „Meer als Alles“ vor und veranschaulichte sie – hier kam das Storytelling zum Tragen – mit Erfahrungen, die er in seinen Seminaren gemacht hatte. Unterstützt wurde sein Vortrag durch die Zeichnung eines „Lebensrads“, das die wesentlichen Stationen des Lebenswegs und die zentralen Übergänge darstellte. Dieser „äußeren Reise“ stellte Schroeter die „innere Reise“ gegenüber. 

Wohlstand alleine macht nicht glücklich

Viele Seminarteilnehmer hätten in ihrem Leben alles erreicht, was sie sich als Ziele gesetzt hätten – beruflicher Erfolg, Familie, Wohlstand – aber vieles andere aus dem Blick verloren, insbesondere die Frage: Wofür brenne ich? „Bei vielen ist die Beschäftigung mit dieser Frage verloren gegangen“, hat Schroeter in seinen Seminaren festgestellt. „Es geht darum, die innere Reise wieder aufzunehmen.“ Aber wie kann das gehen? 

Foto: Spes Viva/Rautenberg

Im Hier und Jetzt leben: Diese Formulierung ist vielen geläufig. Doch was bedeutet sie? In der Lesung kamen dafür eher ungewöhnliche Utensilien zum Einsatz: Schroeter verwendete Steine, PET-Flaschen und eine Schale. Was er damit darstellte, lässt sich so zusammenfassen: Die eigenen Gedanken sind häufig zu weit weg von Körper und Herz. Zu oft beschäftigen wir uns mit Verwundungen aus der Vergangenheit oder den zukünftigen Herausforderungen. 

Das finden, was einen wirklich bewegt

In seinen Seminaren würden die Teilnehmer schließlich nach dem suchen, was sie wirklich bewegt, dargestellt mit eben jenem Begriff, der auf ihrer Visitenkarte stehen könnte. Zum Ende des Vortrags gab Schroeter Beispiele, was Seminarbesucher über sich herausgefunden hatten: Chaosordner, Balancefinder, Tüftler, Genießer, Ideengeber oder Abenteurer waren nur ein paar dieser Worte.

Autor Udo Schroeter mit Spes-Viva-Geschäftsführerin Sandra Kötter - der Vortrag gab Impulse für Sterbe- und Trauerbegleitung. Foto: Spes Viva/Rautenberg

Gerade der Besuch einer abgeschiedenen Insel wie Bornholm biete sich für diese Reflektionen an, sagte der Autor ebenfalls. In eine Welt eintauchen können, die „entschleunigt“ ist, könne hilfreich sein. Eine seiner Anekdoten: Auf ganz Bornholm gibt es lediglich eine Rolltreppe. Ist er mal in Städten auf dem Festland zu Gast, stelle er immer wieder fest: Die Leute fahren nicht, sondern laufen auf der Rolltreppe - alles muss schnell gehen.  

Am Ende des Lebens den Sinn finden

Aber was hat all das eigentlich mit einem Hospizdienst zu tun - immerhin war Schroeter ja auf Einladung der in Ostercappeln sitzenden Initiative Spes Viva zu Gast? Wie deren Geschäftsführerin Sandra Kötter in ihrer Begrüßung sagte, seien die Gemeinsamkeiten tatsächlich mehr, als man auf den ersten Blick vermuten könnte. Denn gerade in der Sterbe- und Trauerbegleitung träfen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter häufig auf Menschen, die sich fragten, was sie aus ihrem Leben gemacht hätten. Und auch die Ehrenamtlichen würden sich nach diesen Erlebnissen in oft ebenfalls mit dieser Frage beschäftigen, hat Kötter beobachtet.   


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