Eine große Portion Humor und Selbstironie Fritz Wolf-Ausstellung in der Alten Mädchenschule in Ostercappeln eröffnet

Von Christa Bechtel

Freuten sich über die neue Kurios-Ausstellung: Thomas Ruppel (v.l.), Hermann Queckenstedt, Michael Brackmann und Susanne Winkler. Foto: Christa BechtelFreuten sich über die neue Kurios-Ausstellung: Thomas Ruppel (v.l.), Hermann Queckenstedt, Michael Brackmann und Susanne Winkler. Foto: Christa Bechtel

Ostercappeln. Fritz Wolf hatte Spaß am Zeichnen, auch Spaß am Zeichnen seiner eigenen Person - immer mit einer großen Portion Humor und Selbstironie. Rund 30.000 Arbeiten hat der bekannte Zeichner und Karikaturist hinterlassen. Einige davon präsentiert jetzt der Kulturring Ostercappeln in der Alten Mädchenschule am Kirchplatz. Im Schatten der Lambertuskirche Ostercappeln trägt die neue Ausstellung den passenden Titel „Fritz Wolf´s Blick auf die Kirche“.

Passenderweise spielte Ludwig Schwedhelm unter anderem Orgelmusik zur Ausstellungseröffnung - und Papst Johannes Paul II. wirft in Körpergröße, wenn auch als Pappfigur, wohlwollend seinen Blick auf die Werke.  „Die Ausstellung ist in ihrer Grundstruktur und ihrem Grundduktus 2008 zum Katholikentag entstanden“, erklärte Hermann Queckenstedt als Direktor des Diözesanmuseums Osnabrück und als ehrenamtlicher Sprecher des Kuratoriums der Fritz-Wolf-Stiftung, der auf einige Stationen des am 7. Mai 1918 in Mülheim geborenen Künstlers einging. Geprägt durch ein zutiefst katholisches Elternhaus und seiner Kinder- und Jugendjahre in der Pfadfinderschaft seien Wolf häusliche Glaubenspraxis und kirchliche Riten bestens vertraut gewesen.  

„Er war natürlich Messdiener“, betonte der ehemalige Präsident des VFL Osnabrück. Aber auch die Pfadfinderschaft habe Wolfs Werk geprägt, meinte Queckenstedt. Als Beispiel zog er eine sehr frühe Zeichnung des Wahl-Osnabrückers hinzu, die während der Kriegszeit entstand. Darunter ein Foto, das Fritz Wolf in seiner Pfadfindergruppe zeigt. Queckenstedt: „Er nutzt diese Pfadfinderzeit mit positiven Erinnerungen beispielsweise in seiner Serie ‚Bilder aus der Provinz‘ im Stern.“  

Foto: Christa Bechtel

Während der Wehrmacht habe Fritz Wolf einmal Achilles Markowski, den späteren Begründer der „Neuen Tagespost“ kennengelernt, die später mit dem Osnabrücker Tageblatt zur Neuen Osnabrücker Zeitung fusioniert habe, erläuterte Queckenstedt weiter. So sei Fritz Wolf 1949 zur NOZ nach Osnabrück gekommen. Davor habe er 1948 begonnen, für die katholische Jugendzeitung „Die Wacht“ zu zeichnen.

Die Pfeife als Attribut

Zu sehen sind in der Ausstellung zum Beispiel auch Kohl, Strauß und Schmidt, „die sich ans Schlafittchen packen“, sagte Queckenstedt. Und meistens findet man auf Wolfs Selbstbildnissen die Pfeife und ganz oft auch die Gitarre als Attribut, die ihn ein Leben lang begleitete. Die thematische Vielfalt von Zeichnungen sei die Vorstufe der späteren ‚Bilder aus der Provinz‘ gewesen. „Mit ihnen ist Fritz Wolf weit über Osnabrück hinaus bekannt geworden“, akzentuierte Queckenstedt, der weiter mit Blick auf Papst Johannes Paul II. herausstellte: „Er hat immer anhand von Agenturfotos Vorlagen gehabt, die er aufgegriffen hat.“

Foto: Christa Bechtel

„Fritz Wolf ist jemand, der überregional unterwegs gewesen ist, der mit großer Fairness und Menschenfreundlichkeit die Schrullen und auch teilweise die Verfehlungen in Gesellschaft und Politik aufgegriffen hat", sagte Queckenstedt. Er bedauerte, dass die Karikatur als Kunstform in der heutigen Medienwelt kaum noch vorkomme. 

Neid auf den jeweils anderen Künstler

Am Ende der Eröffnung erzählte Hildegard Englert, Witwe des bekannten Künstlers Rudolf Englert, dass Fritz Wolf ihren Mann „um die Freiheit, zu arbeiten“ beneidet habe. „Und Rudolf Englert beneidete Fritz Wolf um das wöchentliche Salär für seine Verpflichtung, etwas abzuliefern. Da haben sich beide immer etwas gegenseitig geneckt.“ 

Die Kurios-Vorsitzende Susanne Winkler hatte in ihrer Begrüßung zuvor besonders Thomas Ruppel, Leiter der Marktdirektion der Wittlager Sparkassen willkommen geheißen, die die Ausstellung unterstützt. – Bis zum 1. Dezember kann die Ausstellung täglich von 15 bis 17 Uhr in der Alten Mädchenschule in Ostercappeln besucht werden.  


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