Von Null auf „Ich rappe jetzt meinen eigenen Part ein“ Schüler sammeln erste Rap-Erfahrungen bei Workshop in Ostercappeln

Von Tim Henrichs

Selbstbewusste Rapper am Ende des Workshops (v.l.): Hannah, Jonah Jared Lorenz, Nils, Alissa, Alexander, Antonia, Milena, Nikola, Angelina, Angelina. Foto: Tim HenrichsSelbstbewusste Rapper am Ende des Workshops (v.l.): Hannah, Jonah Jared Lorenz, Nils, Alissa, Alexander, Antonia, Milena, Nikola, Angelina, Angelina. Foto: Tim Henrichs

Ostercappeln. Mithilfe von Hip-Hop das Teamgefühl und das Selbstbewusstsein stärken und dabei ganz viel Spaß haben: Das war das Motto des Rap-Workshops der „Who am I Creative Academy“, den die Jugendpflege kürzlich nach Ostercappeln geholt hat.

„Das Herz besteht aus ‚Schwarz‘ und auch aus ‚Regenbogen‘ – man weiß es zwar, doch muss sich trotzdem Farbe in sein Leben holen.“ So lauten die ersten beiden Rap-Zeilen, die Nikola und Milena gemeinsam geschrieben haben. In den ersten beiden Zeilen haben sie sich direkt auf das Thema bezogen, dass sie ihrem Song gegeben haben: „Schwarz vs Regenbogen“.  

Erstmal kommt der Beat

In dem 2,5-stündigen Workshop sollten die Schüler die wichtigsten Schritte, die zu einem Rap-Track gehören durchlaufen: Die Wahl eines Beats, das Vergeben eines Themas, das Texten und schließlich das Rappen der eigenen Zeilen.

Möchten den Schülern Selbstvertrauen geben: Andreas Heinrich (links) und Tobias Schierneck. Foto: Tim Henrichs

Die Abstimmung für die Wahl des Beats erfolgte per Handzeichen: Daumen rauf für einen Beat, der einem gefällt, Daumen runter, wenn einem der Beat nicht gefällt. Die Schüler wählten einen eher lockeren Beat mit einem Gitarrensample. Danach wurden sie in Zweiergruppen eingeteilt und hatten drei Minuten Zeit, ihrem künftigen Song ein Thema zu geben. Die Themen waren - sehr zur Freude von Workshopleiter Tobi – sehr vielfältig: Von Hausaufgaben über den „Schmetterlingsbären“ bis hin zu Brokkoli – breiter hätte die Themenpalette kaum sein können.

Vielfältige Themen - mehr als Autos und Drogen

„Das sind sehr erfrischende Themen: Ich war in dieser Woche schon in einem Jugendzentrum und habe da einen Workshop gegeben – da waren dann eher die mittlerweile ‚typischen‘ Deutschrap-Themen präsent. Die Jugendlichen wollten über Frauen, Autos und Drogen rappen“, erklärt Workshop-Leiter Tobi. „Es ist einfach schöner, wenn die Kinder unvoreingenommener an den Hip-Hop herangehen.“

Konzentriert schreiben Hannah, Jonah Jared Lorenz und Workshop-Leiter Tobias Schierneck an ihrem Text. Foto: Tim Henrichs

Tobi, mit vollem Namen Tobias Schierneck, ist 36 Jahre alt und kommt aus Mannheim. Er ist studierter Sozialpädagoge und hat die Rapschule „Who am I Creative Academy“ gegründet. „Vorher habe ich ein Bewerbungsbüro geleitet, in dem ich meine Kunden an Arbeitgeber vermittelt habe und sie auf Vorstellungsgespräche vorbereitet habe“, erzählt Schierneck. „Allerdings fühlte ich mich in meinem Vorhaben, den Leuten Selbstbewusstsein und -reflexion zu vermitteln, eingeschränkt. Dafür habe ich die Rapschule gegründet.“ Hier kann er sich frei entschieden, wie er auf die Workshopteilnehmer eingeht und was er mit ihnen machen möchte. Außerdem verbindet die Rapschule zwei Leidenschaften von Schierneck miteinander: Den Hip-Hop und die soziale Arbeit.

Und immer lächeln!

Die Ziele, die er mit seinen Rap-Workshops verfolgt, ähneln denen seines ehemaligen Bewerbungsbüros: Das Selbstbewusstsein und den Teamgeist seiner Teilnehmer stärken. Dafür stellt er wenige, dafür aber wichtige Regeln auf: Man soll versuchen, immer zu lächeln. Nur der, der das Mikro hält, darf reden. Man zollt sich gegenseitig Respekt. Gerade der letzte Punkt ist für die jungen Workshopteilnehmer besonders wichtig, damit sie sich am Ende auch trauen, ihren eigenen Part den anderen Teilnehmern vorzustellen.

Damit sie im Takt bleiben, werden die Schüler vor ihrem Einsatz eingezählt. Foto: Tim Henrichs

Denn am Ende, nachdem alle Schülergruppen vier sich reimende Zeilen zu ihrem Thema geschrieben hatten, mussten sie ihren Text nacheinander auf den zuvor gewählten Beat rappen. Dafür motiviert Schierneck die Schüler nochmal, indem er ihnen Respekt zollt: „Ihr seid alle von Null zu ‚Ich rappe jetzt meinen eigenen Part ein‘ gekommen – ihr könnt alle stolz auf euch sein!“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN