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Kunstausstellung eröffnet „SchöpfungsWeisen“ in Ostercappeln

Von Christa Bechtel

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Ostercappeln. Die neue Kunstausstellung in Ostercappeln ist an gleich drei Standorten im Ort zu sehen. Und der Titel „SchöpfungsWeisen“ verspricht nicht zu viel. Die Werke des Künstlers Reinhard Scholtissek ziehen den Betrachter in den Bann.

„Ich habe 1965 schon gemalt. Aber während meines Studiums und durch unseren Firmenaufbau in Ostercappeln geriet die Malerei in den Hintergrund. 2003 brannte unsere technische Fabrik ab, die wir um zweieinhalb Meter höher wieder aufbauten. Da hatte ich plötzlich ein Riesenatelier und dachte mir: Solange ich lebe, möchte ich alle künstlerischen Techniken ausprobieren“, erzählt Reinhard Scholtissek aus Schledehausen.

Auf Einladung des Kulturrings Ostercappeln (Kurios) stellt der Maler bis zum 4. November seine Werke in der St.-Lambertus-Kirche (21 Bilder), der Alten Mädchenschule sowie im Plan B am Ostercappelner Kirchplatz aus.

Die Ausstellung mit dem Titel „SchöpfungsWeisen“ zeigt überwiegend Bilder zur biblischen Urgeschichte; die dazugehörigen Texte übernahm Gemeindepfarrer Karl H. Asbrock aus Schledehausen.

„Die Idee, Bilder in eine Ausstellung zu bringen, hatte ich überhaupt nicht“, gesteht Reinhard Scholtissek. Im Zuge seines Ausprobierens mit verschiedenen Techniken gründete er sogar eine Radierwerkstatt. „Ich habe eine eigene Radierpresse. Was mir noch fehlt, alles andere habe ich, ist eine Lithografie-Werkstatt“, berichtet der Künstler, der für seine Arbeiten ungewöhnliche Techniken wählt. Mit Herzblut und viel Liebe zum Detail hat er sich einem nicht alltäglichen Thema gewidmet – der biblischen Urgeschichte. Warum gerade diese? „Ich habe eine der größten Bibelfliesen-Sammlung in Deutschland mit rund 550 unterschiedlichen Motiven. So habe ich mit dem Alten Testament angefangen, Bilder zu malen; jetzt kommt das Neue Testament“, blickt er bereits in die Zukunft. Zu 2017, wenn Luthers 500. Jahrestag zum Thesenanschlag gefeiert wird, „möchte ich ein Buch mit einhundert Bildern über die Bibel herausgeben“, signalisiert der passionierte Maler.

Dass Reinhard Scholtissek nun doch seine Werke ausstellt, hat er Pastor Karl Asbrock zu verdanken, der meinte: „Wir müssen deine Bilder der Öffentlichkeit vorstellen!“ So übernahm Asbrock in der St.-Lambertus-Kirche auch die Einführung in die Ausstellung; für den musikalischen Rahmen sorgten Hans D. Mühre, Querflöte, und Peter Bartholomäus, Gitarre. Zuvor übernahm „Hausherr“ Pastor Dr. Bernhard Stecker die Begrüßung und stellte dabei heraus: „Heute wird uns ein neuer Blick auf die Erschaffung der Welt und des Menschen darin in Ihren Bildern, Herr Scholtissek, eröffnet. Wir schauen in Ihren Bildern auf das, was Gott getan hat, und erkennen uns darin selbst wieder.“

„SchöpfungsWeisen – oder: warum der Glaube auch Bilder braucht“, hatte Karl H. Asbrock seinen Vortrag übertitelt. „Die Exponate sind erst mal nicht unerhörte Anmaßung, indem sie Gott und sein Schöpfungswerk bildlich zu personalisieren und in den Griff zu bekommen meinen, vielmehr erzählen sie, wie Gottes Schöpfungshandeln erlebbar werden kann und erlebbar bleibt“, sagte Pfarrer Asbrock. Räumlich wie zeitlich weit auseinander liegende Erzähleinheiten bilde Scholtissek mit seinen Werken in verdichteter Form ab. „Dass diese Narration urgeschichtlicher Mythologie hier auf diese Weise umgesetzt wird, stellt das Besondere dieser Ausstellung dar“, unterstrich Asbrock. Die dazugehörigen Texte seien zum Teil provokant, sperrig, anfragend, mehr als das jeweilige Bild. Das komme daher, „weil sich die Texte nicht auf das Bild beziehen, sondern sich von der Perikope der jeweiligen biblischen Geschichte, also der Textangabe, befragen und inspirieren lassen“, erklärte der Seelsorger.

Scholtisseks Kunst beginne mit der Erstellung des besonderen Maluntergrundes. Asbock: „Da fließen Handwerk und Kunst zusammen, denn seine Technik des Schöpfens der Zellulose, der Prozess des Bearbeitens und auch schon Bemalens des Materials während verschiedener Trocknungsphasen und die besondere Konturierung des Maluntergrunds verleihen den Bildern eine tiefe Mehrdimensionalität, die sie unverwechselbar machen.“ Asbrock gab den Besuchern den Tipp, die Bilder, in denen der Künstler die Schöpfung, das Paradies oder auch die Sodom-und-Gomorrha-Geschichte bildnerisch mit biblischen Botschaften in Acryl und Mischtechnik auf Zellulose umgesetzt hat, von Nahem zu betrachten.


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