Ein Original für vier Euro Der 200. Kunstautomat steht in Ostercappeln

Von Christa Bechtel

Sie weihten den Kunstautomaten gleich ein: Bürgermeister Rainer Ellermann, Andreas Petzke, Kerstin Klecker, Susanne Winkler, Michael Brackmann, Mechthild von Wendt und Elke Brockschmidt. Foto: Christa BechtelSie weihten den Kunstautomaten gleich ein: Bürgermeister Rainer Ellermann, Andreas Petzke, Kerstin Klecker, Susanne Winkler, Michael Brackmann, Mechthild von Wendt und Elke Brockschmidt. Foto: Christa Bechtel

Ostercappeln. Deutschlandweit ist es der 200. Kunstautomat – der nächste steht in Münster – der jetzt im Wittlager Land in Ostercappeln aufgehängt wurde. Die Initiative ging vom Kulturring Ostercappeln aus, der als Domizil für den Kunstautomaten die Wand zwischen Alter Mädchenschule und dem Gasthaus Wortmann wählte und dadurch direkt die Kunst- und Kulturszene unterstützt.

„Ulrike Kalmey hat den Kunstautomaten in Celle gesehen, hat ihn mir gezeigt und ich war sofort Feuer und Flamme“, schildert die Vereinsvorsitzende Susanne Winkler, wie die Idee entstand. Daraufhin habe sie gleich mit Lars Kaiser (Service Künstler) von der Agentur „Kunsttick“ in Potsdam telefoniert. Winkler: „Er war auch begeistert. Und dann haben wir etwa 100 Mails hin- und hergeschickt, sodass wir heute hier sind und der Automat aufgehängt werden kann.“

Lust auf Kunst machen

Kunstautomaten gibt es bereits seit 2006. „Damals überlegten wir, wie wir eine neue Schnittstelle zwischen Künstlern und Kunstinteressierten schaffen können. Ziel sollte es sein, Menschen Lust auf die Kunst zu machen, die gerade entsteht“, erläutert Andreas Petzke, der für den Service der Automaten zuständig ist. „Wir sind ein Zwei-Mann-Betrieb, bewirtschaften das deutschlandweit und füllen die Automaten ständig auf, sodass für den Aufstellungsort keine Kosten entstehen.

Aus den Automaten kann man kleine Kunstüberraschungen in Form von Bildern, Plastiken, Drucken, Objekten, Zeichnungen, Lyrik und Prosa ziehen. In jeder Schachtel, die die Größe einer normalen Zigarettenschachtel hat, befindet sich ein originales Kunstwerk sowie ein Beipackzettel, der einen kleinen Einblick in das Leben und Werk des Künstlers gibt. Zudem handelt es sich bei allen Arbeiten um Einzelstücke oder Teil von limitierten Kleinstserien.

Mehr als 300 Künstler machen mit

 „So bekommt der Käufer den preiswertesten Zugang (jede Schachtel kostet vier Euro) zur Vielfältigkeit der Kunstlandschaft und die Künstler eine Plattform, um sich und ihre Kunst direkt beim Publikum zu präsentierten“, erklärt Petzke. Außerdem könne man zwischen nationalen, internationalen und regionalen Künstlern wählen. Mittlerweile würden sich weit über 300 Künstler beteiligen, darunter auch einige namhafte. Und: „In jedem Automaten befinden sich etwa 200 Kunstwerke“, ergänzt der Potsdamer Agenturvertreter. Mit dem eingenommenen Geld werde der Automat selbst bezahlt, aber auch der Künstler, der den Automaten gestaltet hat, da jeder ganz individuell ist, somit schon alleine ein sehr begehrtes Kunstobjekt ist.

 „Des Weiteren die Akquise und auch der Künstler bekommt seinen Obolus, die Verpackung und das Verpacken, die Nebenkosten und das Finanzamt möchte auch noch etwas haben“, zählt Andreas Petzke auf, wohin das Geld fließt.

Auch für Seiteneinsteiger

„Ich finde es schön, dass wir auch regionale Künstler bestücken können. Einige wurden bereits angesprochen beziehungsweise angeschrieben“, zeigt sich Susanne Winkler von dem Projekt mehr als begeistert. Die örtlichen Künstler würden ihre Exponate direkt zur Agentur Kunsttick nach Potsdam schicken. „Aus rechtlicher Sicht müssen wir alles erst einmal sichten. Demzufolge kann jeder Künstler mitmachen, der ein abgeschlossenes Kunststudium hat; es dürfen aber auch Seiteneinsteiger mitmachen. Da hätten wir dann vorher gerne eine Arbeitsprobe, da wir die Qualität hoch halten wollen“, betont Andreas Petzke, der kurze Zeit später dann die entsprechenden Löcher an der Hauswand am Gasthaus Wortmann bohrte. Und dann hatte der Kunstautomat seine Premiere.


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