Zu Besuch auf Hof Driehaus in Schwagstorf Tannenbaumverkäufer über aufgemöbelte Tannen, Entscheidungen und Familienstreit

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Auf 22 Hektar Fläche baut Harald Driehaus Tannenbäume an. Foto: Nadine GrunewaldAuf 22 Hektar Fläche baut Harald Driehaus Tannenbäume an. Foto: Nadine Grunewald

Schwagstorf. Auf 22 Hektar Feld baut Harald Driehaus in Schwagstorf Tannenbäume an. Ihm steht jetzt eine stressige Zeit bevor. Aus einem Umkreis von bis zu 50 Kilometer kommen die Kunden auf seinen Hof. Damit der Christbaum perfekt wird, kommen einige von ihnen auf kreative Ideen.

Die Motorsäge röhrt, Holzspäne stieben in die Luft – und dann kippt der Tannenbaum um: Auf den Feldern von Harald Driehaus ernten Arbeiter an diesem schönen Dezembertag eine Tanne nach der anderen. An zahlreichen Stellen ragen nur noch Stammstümpfe aus der Erde. 

Einer der Arbeiter sägt den Stamm einer geschlagener Tanne ab. Foto: Nadine Grunewald

Um die 10.000 Bäume verkauft der Schwagstorfer jedes Jahr. Richtig los geht es zwar erst ab der kommenden Woche, die ersten Tannen fanden dennoch bereits einen neuen Besitzer. „Vor dem ersten Advent gibt es eine kleine Hochzeit. Fünf bis zehn Prozent der Leute kaufen da schon einen Baum“, sagt der 44-Jährige. Gerade erst ist eine Kundin mit einer Tanne im Auto vom Hof gefahren. Etwa eine halbe Stunde benötigte sie, um die passende zu finden. 35 Bäume nahm Driehaus für sie von einer Palette und packte sie aus, weil sich die Frau nicht entscheiden konnte. „Die Auswahl fällt vielen so schwer, weil Emotionen im Spiel sind“, erklärt der Landwirt. „Weihnachten ist das wichtigste Fest in der Familie. Da muss alles vom Feinsten sein.“ 

„Es gibt Leute, die Löcher in den Stamm bohren, um noch einen Zweig reinzustecken.“Harald Driehaus

Jeder hat einen anderen Geschmack. Doch damit der Christbaum auch perfekt aussieht, lassen sich die Menschen einiges einfallen. „Es gibt Leute, die Löcher in den Stamm bohren, um noch einen Zweig reinzustecken.“ So wie die eine Familie, die bei ihm einmal einen billigen Baum mit Lücken und dazu noch fünf Kilogramm Schnittgrün für relativ viel Geld gekauft habe, um die Tanne damit aufzufüllen. 

Auf Direktvertrieb spezialisiert

Es sind Erlebnisse wie diese, die dem 44-Jährigen an seinem Beruf so viel Freude bereiten. Bereits als er in den 1990er-Jahren seine Ausbildung begann und die Landwirtschaft in der Krise steckte, habe sein Vater nach Alternativen gesucht. Zu Beginn des neuen Jahrhunderts verkaufte die Familie ihre ersten Bäume. 2007 übernahm Harald Driehaus den Hof. Inzwischen bepflanzt er 22 Hektar. Weil das für eine Tannenbaumschonung eine kleine Fläche sei, habe der Schwagstorfer die Belieferung an Großhändler zurückgefahren. Stattdessen konzentriert er sich auf den Direktvertrieb – nicht nur in Schwagstorf, sondern zusätzlich noch an sechs weiteren Standorten, unter anderem in Gelsenkirchen und Dinslaken.

Hofmarkt am dritten und vierten Adventswochenende

„Ab nächste Woche wird es stressig“, sagt der zweifache Vater. Aus einem Umkreis von 40 bis 50 Kilometern kommen die Käufer dann bis Weihnachten auf den Hof, auf dem auch noch Landwirtschaft betrieben wird. Vor allem an den letzten beiden Adventswochenenden, wenn der weihnachtliche Hofmarkt stattfindet, ist eine Menge los bei Familie Driehaus. Mehr als 10.000 Besucher zieht es dann laut dem 44-Jährigen nach Schwagstorf. Das Konzept aus offenem Bauernhof, Adventsmarkt und Tannenbaumverkauf komme an. 

Die Tannenbäume, die die Arbeiter geschlagen und eingenetzt haben, warten auf ihren Abtransport. Foto: Nadine Grunewald

Für jeden etwas dabei

„Es ist für alle etwas dabei: Die Kinder können in der Strohburg spielen, die Frauen durch die Kunsthandwerkersachen stöbern und die Männer Glühwein trinken.“ Und während die Kinder beschäftigt sind, können die Eltern in Ruhe einen Baum aussuchen. „Die Frauen entscheiden, welcher Baum es wird“, sagt Driehaus, der schon häufiger als Schlichter einspringen musste, wenn sich Familien nicht einigen konnten. Manchmal helfe es, wenn sie ihren Baum selbst schlagen würden. 

Weihnachtlicher Hofmarkt
Der weihnachtliche Hofmarkt auf dem Hof Driehaus (Driehauser Straße 5) in Schwagstorf findet am dritten und vierten Adventswochenende – 15. und 16. Dezember sowie 22. und 23. Dezember 2018 – jeweils von 11 bis 18 Uhr statt. Rund 40 Aussteller sind dort vertreten. Die Besucher können durch die Ställe gehen, an einem Infomobil werden Fragen zur Landwirtschaft beantwortet, dazu gibt es einen Kunsthandwerkermarkt und Glühwein. Außerdem können Tannenbäume gekauft werden. Wer möchte, kann seinen Baum selbst schlagen.

Während die Deele bereits für den Hofmarkt geschmückt wird und draußen Tannenbäume aufgestellt werden, warten einige Ställe noch darauf, gereinigt zu werden. In den vergangenen Jahren ist der Markt immer weiter gewachsen. Aus anfangs zehn Ausstellern sind inzwischen um die 40 geworden. „Viele kommen mittlerweile sogar nur noch, um einen Glühwein zu trinken und die Atmosphäre zu genießen.“ 

Harald Driehaus (rechts) zeigt einem Arbeiter, wo er den Baum absägen soll. Foto: Nadine Grunewald

Draußen auf dem Feld schlagen die Arbeiter weitere Tannenbäume. Bereits seit Mitte November sind sie dabei. Die ersten Bäume stehen jetzt in Geschäften, auf Plätzen oder Weihnachtsmärkten. Driehaus schaut den Arbeitern über die Schulter und sagt ihnen, wo sie die Säge ansetzen sollen. Dann nimmt er einen Baum vom Boden, dreht ihn um und zeigt auf kahle, vertrocknete Äste am Ende des Stamms. 

Wie Tannenbäume lange frisch bleiben
Damit der Tannenbaum lange hält, sollte er nach dem Kauf im Netz an einer sonnen- und windgeschützten Stelle im Freien gelagert werden. Auch eine kühle Garage ist geeignet, heißt es auf der Internetseite des Bundesverbands der Weihnachtsbaumerzeuger. Damit der Baum nicht austrocknet, sollte er in einen Eimer Wasser gestellt werden.
Der Tannenbaum sollte bereits einen Tag vor dem Schmücken aufgestellt werden, damit er seine Äste wieder entfalten kann. Dazu stellt man den Baum samt Netz in den Weihnachtsbaumständer, schneidet anschließend das Netz von unten nach oben auf und nimmt es ab.
Bestenfalls hat der Ständer einen Wasserbehälter: Ein etwa zwei Meter hoher Weihnachtsbaum benötigt bis zu zwei Liter Wasser täglich. Bevor der Baum in den Ständer gestellt wird, sollte er zwei bis drei Zentimeter angeschnitten werden. Laut dem Bundesverband der Weihnachtsbaumerzeuger besteht die größte Gefahr des Nadelns, wenn der Baum direkt vor die Heizung gestellt wird.
Die Folge der langanhaltenden Trockenheit in diesem Jahr zeigt sich an dieser Tanne: Sie hat die inneren Nadeln abgeworfen. Foto: Nadine Grunewald

Als Folge der langanhaltenden Trockenheit haben die Tannen die inneren Nadeln abgeworfen. Dass die Pflanze auch nadelt, wenn sie im Wohnzimmer steht, davor müsse aber niemand Angst haben. „Fünf bis zehn Prozent der Bäume sind aber nicht mehr zu verkaufen.“ Gerade Jungpflanzen litten unter der Dürre. Das Landvolk Niedersachsen spricht bei Neuanpflanzungen in diesem Frühjahr sogar von Ausfällen von bis 100 Prozent. Auch in Kulturen, die bereits zwei Jahre stehen, sind die Bäume aufgrund von braunen Nadeln und zu kurzen Trieben teilweise nicht mehr marktfähig. Durch Dürreschäden, arbeitsintensive Neupflanzungen sowie Logistikkosten und die Maut könnten Weihnachtsbäume künftig teurer werden.

Weitsicht gefragt

Für sein Geschäft muss Driehaus weit im Voraus planen: Zehn Jahre wächst eine Tanne, bis sie geerntet wird. „1995 haben wir Blaufichten im großen Stil angebaut. Die waren dann nicht mehr zu verwerten.“ Der früher wichtigste Baum war unbeliebt geworden. Seit Jahren ist die Nordmanntanne zu Weihnachten der gefragteste Baum. „Er hat eine relativ gute Haltbarkeit, stabile Zweige, eine tiefgrün-glänzende Benadelung und sticht nicht“, erklärt Driehaus. Besonders gefragt seien Tannen mit Formschnitt. Im Gegensatz zu natürlich gewachsenen Exemplaren sind diese dichter, kegelförmig und gleichmäßiger. Der 44-Jährige glaubt, dass die Nachfrage danach weiter steigen wird. Deshalb testet er derzeit die Frasertanne im Anbau. „Das ist in Amerika der wichtigste Baum. Er kann wie eine Hecke geschnitten werden.“

Eingenetzt: Harald Driehaus verpackt den Tannenbaum. Foto: Nadine Grunewald

Driehaus selbst hat sich an Tannenbäumen übrigens noch nicht satt gesehen. Er stellt zu Weihnachten im Haus immer zwei oder drei auf. „;Meine Frau will immer eine Nordmanntanne. Ich probiere gerne etwas aus, zum Beispiel eine Felsengebirgstanne.“ Die rieche sehr gut, halte lange, habe weiche Nadeln und sei sehr schlank. „Für mich ist das ein Trendbaum. Aber er ist bläulich. Und da sind wir wieder bei der Geschmackssache.“  


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