Neuer Glanz für alte Engel Wie eine Bad Essenerin die Exponate des Museums Bersenbrück restauriert

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Ostercappeln/Bersenbrück. Ende Oktober wird das frühere Kreismuseum in Bersenbrück als „Museum im Kloster“ wiedereröffnet. Über zwei Jahre war die Ausstellung geschlossen. Zeit für Sanierung und Neukonzeption, aber auch für die Restaurierung zahlreicher Exponate. In ihrer Werkstatt in Niederhaaren verhilft Restauratorin Marion Schmidt Kunstgegenständen, Mobiliar und Objekten bäuerlichen Lebens wieder zu ihrer ursprünglichen Gestalt.

Lappen, Schwamm und Politur für die Holzbearbeitung, aber auch Druckluft aus dem Schlauch und Agar-Agar aus der Küche: Marion Schmidt arbeitet, wenn man so will, mit allen Mitteln – je nachdem, welcher Art die Beschädigungen des vorliegenden Werkstückes sind, aus welchem Material es gefertigt ist, und aus welcher Zeit es stammt.

Es versteht sich von selbst, dass sie den historischen Fensterbierscheiben nicht mit Glasreiniger zu Leibe rückt. Diese für das Artland so typischen bleiverglasten Wappenscheiben wurden bis ins 18. Jahrhundert anlässlich von Hochzeiten, Geburten oder zum Einzug in ein neues Haus geschenkt, worauf der Beschenkte sich mit einem oder mehreren Bieren entsprechend zu bedanken hatte, daher der Name.

Die Scheiben, die durch Sprüche und Malereien viel über die Lebenswelt ihrer Besitzer erzählen, bilden einen Schwerpunkt der neuen Ausstellung. Sie werden von Marion Schmidt in mühevoller Kleinarbeit mittels verschiedener Lösemittel, Pinsel und Tücher und mit viel Fingerspitzengefühl gereinigt.

Mit und ohne Flügel

Bei dem anmutigen Engel aus Gips musste sie besonders behutsam vorgehen. Das Modell des Kriegerdenkmals auf dem Alfhausener Friedhof befand sich beschmutzt und beschädigt im Museumsfundus und zeigt, dass ein Restaurator sich nicht allein mit Kunstgeschichte, sondern auch mit Chemie auskennen sollte. „Den Engel mit Wasser zu reinigen schied aus, da der Gips das Wasser und damit auch den darin gelösten Schmutz regelrecht aufgesaugt hätte“, erklärt Marion Schmidt.

Beim weiteren Vorgehen half ihr ein Blick in die Literatur ihres Berufsverbandes, dem Verband der Restauratoren (VDR), wo sie erfuhr, dass Kollegen mit Agar-Agar, der pflanzlichen Gelatine, gute Erfahrungen gemacht hatten. Und tatsächlich: Auch der kleine Engel erstrahlt nach Anwendung dieser Methode wieder in reinem Weiß. Auch verfügt er jetzt wieder über zwei heile Flügel, denn Marion Schmidt entschied sich, verlorene Partien zu ergänzen.

Was in diesem Fall ein Stück Herzensangelegenheit der Restauratorin war und bei einem Modell nicht unüblich ist, kann bei anderen Exponaten anders beurteilt werden. „Bei der Entscheidung, ob ein Objekt ergänzt wird, entscheiden nicht zuletzt die Kosten“, räumt die Restauratorin ein. Und so entschieden sich die Macher der neuen Ausstellung bei dem Schild, das einst das königlich-preußische Standesamt in Badbergen auswies, dafür, dessen angeschlagenen Adler nicht zu vervollständigen.

Was Marion Schmidt dem Engel angedeihen ließ, blieb dem Wappentier somit versagt: Ihm fehlt ein Flügel. Eine Entscheidung, mit der die Restauratorin gut leben kann: „Ich finde, man vergibt sich nichts, wenn man ihn so belässt.“ Schließlich habe an ihm und an der Institution der Zahn der Zeit genagt, immerhin würden ja sein Zepter und Reichsapfel noch vergoldet werden.

„Restaurierungsleichen“

Geradezu bedauerlich findet sie in dem Zusammenhang, dass besonders die Zeit zwischen 1960 und den 1980er Jahren etliche „Restaurierungsleichen“ hinterlassen habe, wie etwa jene alte Standuhr aus Eiche, die auch zu den Artländer Exponaten gehört. „Damals wurde meist versucht, dem Zeitgeschmack entsprechend durch Ablaugen das natürliche Holz herauszuarbeiten. Dabei sind viele historische Bemalungen und Lackierungen unwiederbringlich verloren gegangen“, weiß sie.

Eigentlich ist Holz der Werkstoff der in Bad Essen-Linne lebenden Restauratorin. Nach dem Abitur absolvierte sie eine Tischlerlehre bei Fark-Osterheider in Bissendorf. Es folgte das Studium in Hildesheim, das sie als Diplom-Restauratorin abschloss – mit einer Arbeit zu Objekten des Kulturhistorischen Museums in Osnabrück. Durch Arbeiten für verschiedene volkskundliche Museen, unter anderem in Detmold und in Cloppenburg, eignete sie sich in diesem Bereich eine große Expertise an, die ihr bei der Arbeit für das „Museum im Kloster“ zugutekommt.

Objekte mit Geschichten

Spannend am aktuellen Projekt findet sie gerade die Vielfalt der verschiedenen Objekte und die Geschichten dahinter. Im Fuß besagter Standuhr fand sich erst jetzt ein Schild eingelassen, dessen in Leder geprägte Schrift darauf schließen lässt, dass jene Uhr ein Hochzeitsgeschenk gewesen sein könnte.

Eine Lackschilduhr aus dem 19. Jahrhundert kommt vermutlich aus dem Schwarzwald, was wiederum für den Wohlstand ihrer Besitzer spricht, die sich ein solches, damals fast schon exotisches Stück leisten konnten, ja derlei Uhren überhaupt kannten.

Auch zur Artländer Wiege und zum alten Lehrerpult aus Schwagstorf bei Fürstenau, die derzeit in der großen Diele von Marion Schmidts Werkstatt in Ostercappeln-Niederhaaren aufgearbeitet werden, gäbe es bestimmt so manche Geschichte zu erzählen. Ganz zu schweigen von dem Klostergestühl, dessen Restaurierung an Ort und Stelle im Museum vorgenommen wurde.

All dies gibt es zu bewundern, wenn das neue „Museum im Kloster“ am Sonntag, 28. Oktober, seine Neueröffnung mit einem Museumsfest rund um das ehemalige Zisterzienserinnen-Kloster feiert.


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