„Massiv geschäftsschädigend“ Borgwedder Firma monatelang ohne stabiles Festnetz und Internet

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Borgwedde. Wenn eine Firma 2018 für mehrere Monate über keinen funktionierenden Telefon- und Internetanschluss verfügt, ist das nicht nur geschäftsschädigend, sondern auch existenzgefährdend. Diese Erfahrung hat die Handelsgesellschaft für ökologische Produkte (HÖP) im Laufe des Jahres machen müssen.

Es ist still im Schloss Borgwedde. Eine alte Uhr tickt in den Büroräumen der Handelsgesellschaft für ökologische Produkte, sonst ist kein Geräusch zu vernehmen. Dabei ist die HÖP mit einem Kundenstamm in ganz Deutschland für gewöhnlich schwer beschäftigt. Der Bio-Großhandel beliefert unter anderem Studentenwerke, Krankenhäuser und Bäckereien seit 1990 mit Lebensmitteln. Studierende, die in Osnabrück in die Mensa gehen, bekommen Produkte der Borgwedder Firma auf den Teller. Wer bei IKEA eine Mahlzeit einnimmt, ebenso – aber auch, wer Mensen etwa in Berlin oder Hamburg besucht.

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Doch in den letzten Monaten stand es schlecht um HÖP – denn seit März hatte die Firma massive Probleme mit ihrem Telefon- und Internetanschluss. Das erschwert die internen Arbeitsabläufe und den Kontakt zu Kunden erheblich – und weder ihr Anbieter Osnatel noch die für die Telefonleitungen zuständige Telekom konnten eine Lösung dafür finden. „Wir haben bei Osnatel einen etwas ungewöhnlichen Tarif“, erklärt Geschäftsführer Martin Läer. Er sitzt in den Verwaltungsräumen der Firma, es ist der 24. August. Vor einiger Zeit sei die HÖP von einem Telefonwerber angesprochen worden, der ihr einen günstigen Vertrag gemacht hat. „Und da haben wir anscheinend einen Tarif gewählt, der sowohl für Privatleute als auch für Firmen gedacht ist“, so Läer weiter. „Aber das wussten wir nicht. Wir dachten, es wäre ein Tarif nur für Firmen. Telefonanbieter bieten Firmen spezielle Tarife an, bei denen besonders forsch nach Fehlern gesucht wird, wenn es Probleme gibt – denn wenn der Betrieb still steht, hat das ja viel größere Konsequenzen als bei Privatpersonen.“ Der Vertrag der Handelsgesellschaft läuft, so Läer, unter einem für Privatpersonen, also war die Firma auf das normale Kundencenter samt Service-Hotline angewiesen, bei der es schwer sei, den passenden Sachbearbeiter zu erreichen. „Der Fehler sollte innerhalb von 48 Stunden behoben werden, aber diese Suche geht jetzt schon seit gut fünf Monaten.“

Aufs Telefonnetz angewiesen

„Hier hinterm Wiehengebirge ist ganz schlechter Empfang“, so Läer. „Wir sitzen hier in einem Funkloch, also können wir auch mit dem Handy nur schlecht arbeiten. Deshalb sind wir auf das Telefonnetz total angewiesen.“ Die HÖP lud die Firma Busycom ein, die ihre Telefonanlage gebaut hat und ließ diese von ihr zwei Mal prüfen, falls es am internen Netz liegen könnte. Zudem habe die HÖP die Leitungen im Betriebsgelände erneuern lassen. Doch dies löste das Problem auch nicht. Im August stellte Busycom fest, der Anschluss des Anbieters stehe „nicht sauber“, es gebe „Synchronisationsabbrüche mit dem Amt“ – dann ist Telefonie nicht möglich. Laut HÖP-Mitarbeiter Sebastian Kopperschmidt war im Anschluss Osnatel da, die aber keine Messungen durchführen konnten und an die Telekom verwiesen hat. Mitarbeiter der Telekom wiederum konnten keine Störungen feststellen. „Dann hat die Telekom einen Tiefbautrupp informiert und es wurde gebuddelt. Irgendwann haben wir eine SMS gekriegt, der Fehler sei behoben, es lief dann auch mal eine Zeit lang für zwei Wochen. Dann ist mal das Telefon ausgefallen, dann hatten wir nur Internet, dann ist beides ausgefallen. Osnatel sieht diese Verbindungsabbrüche zwar, aber irgendwie passiert da nichts“, so Kopperschmidt weiter.

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„Das ist massiv geschäftsschädigend“, weiß Martin Läer. „Diese Situation gefährdet das Unternehmen. Die Kunden beschweren sich bei uns. Wir sind telefonisch nur bedingt erreichbar und die Bestellungen kommen fast alle per E-Mail rein. “ Das letzte halbe Jahr haben sie so gearbeitet, dass etwa Kopperschmidt nach draußen gegangen ist. Auf dem Gelände hat die Firma eine Stelle gefunden, an der kein Funkloch herrscht und eine halbwegs stabile Handyverbindung zustande kommt. „Da geht er dann raus mit einem Zettel und notiert sich alles.“ Dann guckt Läer nach draußen; zum Zeitpunkt des Interviews regnet es gerade in Borgwedde. „Aber bei so einem Wetter ist das natürlich schwierig.“ – „Und man kann bei Rückfragen nichts im Computer nachsehen“, erläutert Kopperschmidt weiter. „Um überhaupt arbeiten zu können, habe ich dann schon mal Bestellungen und Lieferscheine auf einen USB-Stick geladen, habe alle E-Mail-Konten auf meinen Privatcomputer geladen und die Daten drauf gezogen. Hier in der Firma habe ich die Lieferscheine geschrieben und sie von zuhause aus weggeschickt. Das ist eine Katastrophe.“

Beschädigtes Erdkabel

Am 23. August schreibt die Firma einen Beschwerdebrief an die Geschäftsführung von Osnatel. Eine gute Woche später funktionieren sowohl Telefon als auch Internet wieder. Katharina Schütz, zuständig für die Konzernkommunikation bei EWE, wozu Osnatel gehört, sagt auf Anfrage, am 29. August habe ein Techniker ein beschädigtes Erdkabel repariert. Im Kabel herrschte ein sogenannter „Bit-Fehler“, erklärt sie, dieser war dafür verantwortlich, dass die Störungen schubweise auftraten und zwischenzeitlich bei der HÖP Telefon und Internet funktionierten. Wo sich das Erdkabel befindet, konnte weder Schütz noch die Pressestelle der Telekom nennen. „Zur Behebung des Fehlers waren wir auf die Zusammenarbeit mit der Telekom – in ihrem Netz befindet sich die Fehlerursache – angewiesen“, so Schütz weiter. „Jede Störung, die uns durch den Kunden gemeldet wurde, wurde von uns an die Telekom übermittelt, da es ihren Infrastrukturbereich betraf“, erklärt sie. „Durch erneutes Anstoßen des Falls Ende August konnte nun die Behebung des Kabeldefekts durch einen sogenannten Bautrupp der Telekom erreicht werden.“

Seitdem läuft bei der Handelsgesellschaft für ökologische Produkte in Borgwedde alles wieder, wie es soll. Aber Martin Läer zeigt sich noch vorsichtig optimistisch. „Bisher funktioniert alles, doch diese Situation kennen wir. Mal abwarten, wie es in zwei Wochen aussieht.“


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