Der „Neue“ in Ostercappeln Thomas Wirp ist katholischer Priester – und Vater

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Ostercappeln . Alles auf Anfang heißt es für Thomas Wirp: Zum 1. August hat er seinen Dienst als Pastor in der katholischen Kirchengemeinde St. Lambertus und als Seelsorger am St. Raphael-Krankenhaus angetreten. Erst vergangene Pfingsten war der 57-Jährige zum Priester geweiht worden – spät berufen oder, wenn man so will, im zweiten Leben. Denn dem Priesteramt voraus gingen nicht nur viele Jahre in einem gänzlich anderen Berufsfeld, sondern auch Jahre des Familienlebens. Thomas Wirp ist Vater von drei Kindern und er ist geschieden.

Über seine ungewöhnliche Vita berichtet er sehr offen und emotional. Er entspricht damit vielleicht nicht dem Klischee des Elektroingenieurs, seinem Erstberuf, aber er macht dadurch seine Entscheidung für den Priesterberuf, die ja eine Lebensentscheidung ist, auch besser nachvollziehbar.

„Was ist meine Berufung?“

Geboren in Osnabrück, aufgewachsen in Bohmte und Oesede, absolvierte Wirp in Braunschweig ein Studium der Elektrotechnik. Sein Berufsweg beim Energieversorger RWE führte ihn über verschiedene Stationen; in Bramsche wurde er schließlich ansässig. Zwar sei er katholisch sozialisiert, wäre aber früher „nie auf die Idee gekommen, irgendwas in Kirche zu machen“, gibt er freimütig zu. Das änderte sich, als Thomas Wirps Ehe in eine Krise geriet und geschieden wurde. „Die Trennungsphase mit drei Kindern war für mich die schwerste Zeit meines Lebens, aber ich habe Halt bei Gott gefunden“, sagt er rückblickend. Andererseits habe die Erfahrung, von Gott durch diese Lebenskrise getragen worden zu sein, die Frage aufgeworfen, was Gott mit ihm vorhabe. „Wenn der eingeschlagene Weg falsch war, was ist dann meine Berufung?“

Intensiv beschäftigte er sich fortan mit der Bibel, die Ehe wurde kirchenrechtlich annulliert und Thomas Wirp entschloss sich, Diakon zu werden. Obwohl vielfach im Zweitberuf ausgeübt, handelt es sich dabei um ein Weiheamt, das eine vierjährige Ausbildung voraussetzt. Und nicht nur das: Zwar darf das Amt auch von verheirateten Männern bekleidet werden, nicht aber von geschiedenen, es sei denn, ihre Ehe wurde annulliert, so wie bei Thomas Wirp. Doch die katholische Kirche geht noch weiter: Da Diakone zum Klerus gehören, gilt für die unverheirateten ebenso wie für die geschiedenen oder verwitweten unter ihnen der Zölibat. Für Wirp ist das durchaus plausibel. Er habe eine so enge Beziehung zu Gott, dass er sich nicht vorstellen könne, daneben einer Partnerschaft noch den Raum geben zu können, der wiederum seinem Anspruch an eine solche entspreche.

Schlüsselerlebnis

2010 wurde Thomas Wirp zum Diakon geweiht, versah seinen Dienst in Bramsche und hatte einen Plan: Auf absehbare Zeit wollte er im Hauptberuf kürzer treten und sich mehr der Arbeit in der Gemeinde widmen – „eigentlich, denn wie sich zeigte, hatte Gott anderes mit mir vor“, sagt Wirp. Immer wieder sei der Gedanke, Priester zu werden, mitgeschwungen, immer wieder habe er diesen Gedanken unterdrückt. Bis er während einer Exerzitien-Auszeit den Ruf ganz stark gespürt habe. Noch heute geht ihm die Erinnerung an diesen Moment, an dieses Schlüsselerlebnis, spürbar nahe. Vielleicht formuliert er deshalb ein wenig flapsig, was ihm damals bewusst wurde: „Komfortzone ist nicht, Gott hat einen anderen Plan mit mir.“

Er führte daraufhin viele Gespräche mit Verantwortlichen des Bistums, doch es brauchte noch rund anderthalb Jahre, bis er schließlich das „Go!“ erhielt. Dass dies so lange dauerte, ist für Wirp nachvollziehbar: „Grundsätzlich ist es nicht vorgesehen, das Diakone mit Zivilberuf Priester werden. Außerdem dürften mein Alter und meine Vita die Entscheidung nicht unbedingt leichter gemacht haben“, erklärt er. Andererseits kam ihm natürlich seine theologische Vorbildung zugute, die er durch weitere drei Semester Theologie an der Uni Münster und im dortigen Priesterseminar ergänzte. An Pfingsten schließlich die feierliche Priesterweihe und die Primiz in seiner Heimatgemeinde Heilig Geist in Bramsche – und an beiden Festgottesdiensten wirkten auch seine Kinder mit, die den Werdegang ihres Vaters intensiv begleitet haben und mächtig stolz auf ihn sind.

Immer unterwegs

Jetzt also das erste „richtige“ Priesteramt in Ostercappeln, auf das er nicht nur durch die Gemeindearbeit in Bramsche, sondern auch durch eine Ausbildung in der Krankenhausseelsorge gut vorbereitet ist. In St. Lambertus wird er das Pastoren-Team aus Pfarrer Jose Kuzhichalil und Subsidiar Franz-Josef Rahe ergänzen, im Krankenhaus übernimmt er das Amt von Pater Jose Louis an der Seite von Schwester M. Matthäa. Nach einer so bewegten Lebensgeschichte stellt sich die Frage, ob Thomas Wirp angekommen ist. Er muss schmunzeln, sagt, mit Gott sei man immer unterwegs, „aber es fühlt sich exakt richtig, gut und schön an.“


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