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Ein ungewöhnlich spannendes Leben

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Die Gedenkstätte Padiri in Indien. Repros: Christa BechtelDie Gedenkstätte Padiri in Indien. Repros: Christa Bechtel

„Das ungewöhnlich spannende Leben und nachhaltige Wirken dieser beiden sehr erfolgreichen Männer vor dreihundert Jahren sollen in das Spiel unserer Zeit gebracht und den Bürgern, besonders des Osnabrücker Landes, als moderne Vorbilder dargestellt werden“, wünschen sich Dr. Franz Kahlert und Heinz Müller.

Sie bereiten eine Ausstellung über die Jesuitenpatres Johan Hermann Caspar Glandorf, Missionar in Mexiko bei den Tarahumara Indianern, und Johan Ernst Hanxleden, Missionar in Malabar (Indien) vor.

Die Ausstellung findet im Rahmen des ökumenischen Missionsfestes am 6. und 7. September in Ostercappeln statt. Beide Jesuiten hätten fremde Menschen, Kulturen und Religionen in ihrer Würde respektiert und stets mit ihnen auf gleicher Augenhöhe kommuniziert, ihre Sprache gelernt und, wenn notwendig, Hilfe zur Selbsthilfe geleistet. Noch heute kennt sie im Land Chihuahua und in Kérala fast jeder.

„Sie gelten auch nach so langer Zeit für uns als moderne Menschen, deren Lebensgeschichte wir kennen sollten“, betonen Kahlert und Müller. Pater Glandorf hat unsere Zeitung bereits im Frühjahr näher vorgestellt. Doch wer war Pater Hanxleden, auch Arnos Padiri genannt?

So jedenfalls nannten und nennen noch heute die Inder liebevoll Johann Ernst Hanxleden, eben Pater Ernst auf Malayalam, der 1681 in Ostercappeln geboren wurde und von 1692 bis 1698 das Gymnasium Carolinum (Jesuitenschule) zu Osnabrück besuchte. Als nach dieser Schulzeit 1699 Pater Wilhelm Weber aus Augsburg im Osnabrücker Carolinum einen Vortrag über die Mission in Malabar hielt, gab es für den jungen Mann keinerlei Hindernisse, Weber zu folgen – und zwar sofort.

Als 18-jähriger Novize machte sich Hanxleden am 3. Oktober 1699 zusammen mit den Patres Wilhelm Weber, der als sein Vorbild und geistiger Vater galt, und Wilhelm Mayer sowie dem Arzt (Bader) Franz Kaspar Schillinger auf einen beschwerlichen Weg nach Osten.

Am 13. Dezember 1700 erreichten Hanxleden und Schillinger – die Priester Weber und Mayer waren unterwegs auf See qualvoll verstorben – die Handelsstadt Surat in Indien. Aber auch hier hielt es Hanxleden und den Laienbruder Schillinger nicht lange, und sie setzten ihre Reise durch die feuchtwarme, tropische Region über Goa nach Malabar, dem heutigen Kérala, fort. Zwanzig Jahre benötigte Hanxleden, um den ersten Teil seines Lebensweges aus dem Osnabrücker Land, dem Land seiner Herkunft, bis zu den Orten seines so segensreichen Wirkens im Süden des riesigen Reiches Indien zu finden. Mutig ging er auf Menschen zu, die ihm zunächst ganz fremd waren.

Nach seiner Priesterweihe 1705 widmete er sich der Sprache der Kéralas „Malayalam“ und Syro-Chaldäisch, der Sprache der Liturgie der indischen Thomachristen. Hanxleden wurde Sekretär des Erzbischofs von Cranganore, dann Pfarrer in Calicut und 1712 Gründer einer Pfarrei in Velur. Er sah es nicht so sehr als Aufgabe an, neue Christen zu taufen, sondern ihm lag daran, Glauben und Christsein zu vertiefen und Anders- und Nichtgläubige nur durch sein vorbildliches Leben zu überzeugen. Ab 1729 lehrte er wieder in Ambazhakkad.

Johan Ernst Hanxleden war der erste Europäer, der die indogene Sprache beherrschte und Verse in Sanskrit schrieb. Am 21. März 1732 starb er an einem Schlangenbiss in Pazhur. In der dortigen Pfarrkirche befindet sich sein Grab. Noch heute ist der als „Arnos Padiri“ beliebte Johan Ernst Hanxleden, der sich durch eine hohe Intelligenz und brillante Schlagfertigkeit auszeichnete, dort bekannt und geachtet.


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