Albert Klevorn erinnert sich 1959 gab es im Wittlager Land echte Wassernot

Von Christa Bechtel


Ostercappeln. Die seit Monaten andauernde Hitzewelle sorgt bei den Menschen für Kreislaufprobleme oder auch Schlafstörungen, bei den Bauern für eine miserable Ernte, aber auch für schockierende Bilder: Vieles ist vertrocknet und braun, was eigentlich „Grün“ sein sollte. Aber auch 1959 gab es einen Jahrhundertsommer. Albert Klevorn und Ostercappelns Ortsbürgermeister Peter Kovermann erinnern sich.

„Wir hatten zwar keine Rekordtemperaturen von über 40 Grad, aber die Trockenheit in etwa schon. Was jedoch viel schlimmer war: Wir hatten kein Wasser“, erzählt Albert Klevorn, der erst vor fünf Jahren als ältester „aktiver“ Schuhmachermeister in Niedersachsen in den Ruhestand ging.

Seine älteste Tochter wurde 1959 geboren. Seinerzeit habe man versucht, Röhren zu legen. „Das lief normalerweise immer. Doch wir sind bis unten in den Wald gelaufen, um mit Eimern Wasser zu holen, damit wir uns oder die Windeln der Tochter waschen konnten. Der Brunnen war total trocken“, schildert der heute 88-Jährige die damalige Situation. Anfangs habe man noch versucht, „den Brunnen tiefer zu machen, was aber nicht gelang.“ Daraufhin versuchte man, auf einer Weide zu graben, wo im Winter immer das Wasser stand. „Wir sind sehr tief gewesen, aber es gab kein Wasser“, erklärt Albert Klevorn.

Antrag der Bürger

Aufgrund dieser schlimmen Lage im Jahr 1959 stellten die Anwohner der „Großen Heide“ im Mai 1960 einen Antrag an den Wasserbeschaffungsverband Ostercappeln, „um an die Wasserversorgung angeschlossen zu werden“, so Klevorn, der den fast 60 Jahre alten Antrag immer noch hat. Damals verpflichteten sich die Anwohner: „Die anteiligen Kosten für die Erdarbeiten bei dem Ausbau der Hauptleitung von der bestehenden Hauptleitung beim Hotel Friedenshöhe an in Eigenleistung bzw. durch Barleistung aufzubringen.“ Außerdem, dass jeder Einwohner 50 Liter, je Stück Großvieh 35 Liter sowie 10 Liter je Stück Kleinvieh pro Tag abnahm und bezahlte. „Heute sind wir gut aufgehoben, da wir keine Wassernot haben, weil wir an der zentralen Wasserversorgung angeschlossen sind“, meint Klevorn, der weiter hinzufügt: „Aber den alten Brunnen haben wir noch, der jetzt wieder trocken ist.“

„Juni, Juli, August bis zum 14. September – kaum Regen“, weiß Peter Kovermann noch, der damals 13 Jahre alt war. Auch seinerzeit seien die Bauern in größter Not gewesen. „Die Tiere auf der Weide wurden immer weniger, denn es gab keinen Mais zum Füttern, so wie heute. Auf unserem vier Kilometer langen Schulweg haben wir immer die Kühe gezählt, die der Bauer notschlachten musste“, berichtet er.

Brunnen waren trocken

„Und überall herrschte Wassernotstand. Denn in Haaren gab es noch kein ‚Stadtwasser‘, sondern jeder hatte seinen eigenen Brunnen“, blickt der Ortsbürgermeister auf die 1950er Jahre, speziell auf 1959. Viele hätten damals versucht, ihre Brunnen tiefer zu machen. Aber: „Plötzlich hatte auch der Nachbar kein Wasser mehr, denn wir hatten seine Ader angezapft.“ Was er als Junge jedoch lustig fand und wovon es sogar noch ein Foto mit seinem 12-jährigen Bruder Hubert gibt: „Die Ziegen hatten auf den Hinterbeinen Erfolg beim Eichenblätter sammeln; Buchen und Birken hatten alle keine Blätter mehr.“

Baden im Bombentrichter

Ebenfalls ist Kovermann haften geblieben: „Für Badegäste gab es etwas Besonderes. Unweit der Siedlung ‚Bergfrieden‘ waren kurz vor Kriegsende Bomben eingeschlagen, die eigentlich den Bahnkörper Osnabrück-Bremen treffen sollten. Eine traf eine Wasserader, sodass nun mitten im Wald täglich Hochbetrieb herrschte.“ Zwar sei es ein Jahr der schlimmsten Dürrekatastrophe gewesen. „Doch für uns Kinder in Haaren war es ein unvergesslicher Badespaß“, schwärmt der Politiker, der lachend reimt: „Wie hart und schön die Jugend war, dies wird heut‘ erst im Alter klar.“ Denn aus diesem Teich holten auch die Haarener ihr notwendiges Wasser. Doch: „Am 14. September 1959 dann begann es richtig zu gießen.“ Die Dürre war wieder Vergangenheit.


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