Trockenheit führt zu früher Ernte Landwirte im Wittlager Land hoffen auf Regen

Von Frederik Tebbe


Ostercappeln. Es herrscht ein Sommer wie lange nicht mehr: Kaum Wolken, kaum Regen – dafür jede Menge Sonne und warme Temperaturen. Doch des Freibadgasts Freud ist des Landwirtes Leid, denn durch den Mangel an Regen fallen die Ernten in diesem Sommer in Niedersachsen und auch im Wittlager Land mager aus.

Friedrich Steffens Fazit ist ernüchternd. „Es fehlt einfach das Wasser, deshalb kommt es bei der Ernte zu Mindererträgen.“ Der Vorsitzende des Wittlager Landvolkes, der einen Betrieb in Schwagstorf mit dem Schwerpunkt Schweinehaltung hat, verweist darauf, dass die Getreideernte in seinem Betrieb schon abgeschlossen ist – und zwar rund drei bis vier Wochen früher als üblich. Viele Getreidearten seien im Frühjahr super gewachsen, so der Landwirt aus Ostercappeln-Schwagstorf, doch danach fehle eben Wasser. „Die Körner und Ähren waren da, aber damit sie dicker werden können, braucht es Regen.“ Derzeit steht noch die Maisernte aus. Für die hat Friedrich Steffen noch Hoffnung. Durch kürzliche Regenschauer sei der Mais auf seinem Hof innerhalb einer Woche um 80 Zentimeter angewachsen, doch es bedarf noch mehr. Deshalb hofft er auf Regen. „Der Mais ist schließlich wichtig für den Futterbau. Und wenn wir nur 50 Prozent Mais ernten können, gilt es trotzdem, 100 Prozent der Tiere damit zu füttern.“ In einer Pressemitteilung des Landvolks Niedersachsen heißt es, auf den Wiesen wachse kein Gras nach, auch Rüben und Kartoffeln haben unter dem Wetter zu leiden. Vielen Landwirten im Wittlager Land gehe es laut Steffen ähnlich. Nur rund drei Tonnen Getreide konnten bisher pro Hektar geerntet werden. „Es fehlen im Grunde zwei bis drei weitere Tonnen pro Hektar im Wittlager Land“, überschlägt Steffen.

„Das ist für die Betriebe bitter“, bilanziert der Landwirt. Geringe Ernte bedeutet schließlich auch geringes Einkommen. Aber es bleibt ihnen nicht viel mehr übrig als auf Regen zu hoffen. Zwar gebe es die Möglichkeit, die Felder selbst zu bewässern, doch dadurch entstünden wiederum hohe Kosten – der Aufwand würde sich einfach nicht rechnen.

Finanzielle Reserven erschöpft

Niedersachsens Landvolkpräsident Albert Schulte to Brinke rechnet mit einer um zwei Millionen Tonnen geringeren Ernte landesweit. In der Pressemitteilung des Landvolks heißt es weiter, bei vielen Bauern seien die finanziellen Reserven erschöpft, da die beiden Vorjahre ebenfalls schlecht liefen. Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen befürchtet, die Folgen der Trockenheit könnten für manche Betriebe existenzbedrohend sein.

Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) forderte bereits eine vorgezogene Auszahlung von Betriebsprämien, um die Verluste der Landwirte durch die mangelnde Ernte abzufedern. Laut der Pressemitteilung des Landvolks hoffen die Landwirte zum Ausgleich für die Einbußen auf steigende Verkaufspreise. Otte-Kinast geht davon aus, dass etwa das Brot des Mangels wegen teurer werden wird.

Trotz magerer Ernte will Friedrich Steffen aber kein kompletter Spielverderber sein. „Es ist ja ein herrlicher Sommer“, sagt er. „Wenn es aber vielleicht dreimal die Woche nachts regnen würde, dann wäre das deutlich besser.“


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