Teilhabe an der Gesellschaft Barrieren abbauen im Wittlager Land: ISA Venne

Die Initiative Sinnvolle Arbeit (ISA) übernimmt das Haus Linnenschmidt in Venne. Archivfoto: David HausfeldDie Initiative Sinnvolle Arbeit (ISA) übernimmt das Haus Linnenschmidt in Venne. Archivfoto: David Hausfeld

Venne. Barrieren abzubauen ist der erste Schritt zu einer Gesellschaft, an der und in der alle am sozialen und wirtschaftlichen Leben teilhaben können: Menschen mit Behinderung genauso wie Senioren oder Familien mit Kindern, ungeachtet ihres Geschlechts, ihres Alters oder ihrer Herkunft. Wie vielschichtig das Thema ist, erklären Jürgen Linnemann, Geschäftsführer der Initiative Sinnvolle Arbeit (ISA) aus Venne und ISA-Job-Coach Winnes Geiger.

„Ein Bewusstsein zu schaffen ist die Grundlage“, sagt Jürgen Linnemann, denn: „Viel zu oft geht es bei der Barrierefreiheit beziehungsweise beim Abbau von Barrieren nur um körperliche Beeinträchtigungen; kognitive Schwächen oder Sinnesbeeinträchtigungen werden oft vergessen.“

Behindertengerechter Zugang

Viele gute Ansätze sind deshalb unvollständig: Der behindertengerechte Zugang in den Bus oder den Zug ist ein Anfang – zur vollständigen Barrierefreiheit müssten aber auch eine einfache Tarifstruktur, eine verständliche Fahrplangestaltung und die Nutzung leichter Sprache folgen. Erst dann sei es möglich, dass alle Menschen zumindest die Chance haben, selbstständig am öffentlichen Leben teilzuhaben. Dazu sei es notwendig, Teilhabe nicht von außen zu planen, sondern Betroffene schon am Planungsprozess teilhaben zu lassen.

Geduld und Freundlichkeit

Auch in den Köpfen müsse ein Umdenken stattfinden: „Unsere Gesellschaft muss offener werden und die Verschiedenheit der Menschen als Selbstverständlichkeit akzeptieren“, findet Winnes Geiger. Jeder persönlich könne Barrieren abbauen, und zwar mit Geduld und Freundlichkeit: „Eine rücksichtsvolle und wertschätzende Haltung gegenüber Menschen mit Behinderung oder Senioren, auch wenn es beim Bezahlen vielleicht einmal etwas länger dauert, gibt ein Gefühl der Sicherheit und fördert die Selbstständigkeit.“

ISA fördert soziale und berufliche Teilhabe

Linnemann als Geschäftsführer und Geiger als Job Coach arbeiten bei der Initiative Sinnvolle Arbeit (ISA) aktiv daran, dass dieses Ideal Früchte trägt: Die ISA ist ein Fachdienst, der Menschen mit Behinderung dabei unterstützt, berufliche und soziale Teilhabe zu leben. Ein Dienst zur Entlastung von Familien befindet sich derzeit im Aufbau. Alle Unterstützungsangebote sind auf die tatsächlichen Bedarfe der Kunden zugeschnitten: 23 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie ein stetig wachsender Kreis ehrenamtlicher Unterstützer betreuen derzeit rund 100 Kunden.

Fähigkeiten und Stärken

Ihr Ziel ist es, Menschen mit Behinderung in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren statt in geschlossene Werkstätten zu vermitteln, erklärt Jürgen Linnemann: „Bei Menschen mit Behinderung stehen Schwächen manchmal im Vordergrund, Schwächen hat aber jeder Mensch. Ebenso hat aber jeder Mensch auch seine ganz persönlichen Fähigkeiten und Stärken. Mit diesen Stärken gestalten wir gemeinsam mit den Betrieben den passenden Arbeitsplatz.“

27 Arbeitsverträge vermittelt

Die Bereitschaft der Betriebe dafür sei vorhanden: Seit 2013 wurden 27 Arbeitsverträge vermittelt, die Arbeitnehmern wie Arbeitgebern langfristige Perspektiven bieten. Besonders schön sei das Gefühl, wenn ihre Kunden sich im Arbeitsleben integriert haben – und an ihrem Arbeitsplatz und für ihre Arbeit Anerkennung erfahren. „Das ist echte Teilhabe: gebraucht und geschätzt zu werden!“


Das Projekt „Barrieren abbauen

Am gesellschaftlichen, sozialen und wirtschaftlichen Leben teilhaben, das geht alle an: Menschen mit Behinderung genauso wie Senioren oder Familien mit Kindern, ungeachtet ihres Geschlechts, ihres Alters oder ihrer Herkunft. Das Regionalmanagement Wittlager Land hat in Bad Essen, Bohmte und Ostercappeln deshalb des Projekt „Barrieren abbauen“ initiiert, um für das Thema zu sensibilisieren, Perspektiven zu erweitern und Barrieren in den Köpfen abzubauen. Teil des Projekts ist eine vierwöchige Presseserie, in der verschiedene Menschen und Initiativen zu Wort kommen, die Barrieren abbauen – auf ganz unterschiedliche Weisen.

Mehr zum Thema auch unter www.wittlagerland.eu/barrieren-abbauen.

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