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Wo Ludwig Windthorst einst zur Schule ging

Von Rainer Westendorf

Die Preisträger mit Urkunde und Blumen sowie den Vertretern von Ortsrat, Gemeinde und Verwaltung.Foto: Rainer WestendorfDie Preisträger mit Urkunde und Blumen sowie den Vertretern von Ortsrat, Gemeinde und Verwaltung.Foto: Rainer Westendorf

orf Ostercappeln. „Durch die Sanierung und Nutzung des Gebäudes hat sich die Situation am Kirchplatz in Ostercappeln überaus positiv entwickelt“, so Ortsbürgermeister Peter Kovermann. Das Gebäude, das ist die ehemalige Mädchenschule.

Der Ortsrat zeichnete jetzt die Besitzer Ulrike und Thomas Nülle für deren Engagement aus. Seit einigen Jahren verleiht der Ortsrat den Preis für die Verschönerung des Ortsbildes. Über die Preisträger 2010 gab es keine Diskussionen. „Alle Beteiligten waren sich einig, dass in diesem Jahr nur die ehemalige Mädchenschule infrage kommt“, sagte Kovermann.

Besonders positiv sei darüber hinaus, dass das historische Fachwerkhaus nun der Öffentlichkeit zugänglich ist und verschiedenen Zwecken dienen kann, so der Ortsrat. Offiziell eröffnet wurde das Gebäude wie berichtet im Rahmen des Ostercappelner Weihnachtsmarktes.

Das Haus am Kirchplatz 9, das 1813 nach einem Brand wiedererrichtet wurde, hat historische Bedeutung. Ludwig Windthorst, Zentrumspolitiker und Gegenspieler Bismarcks im Reichstag, besuchte die Schule von 1818 bis 1820. Windthorst war ein zartes und kränkelndes Kind, deshalb wurde er zunächst in die Mädchen- und nicht in die Jungenschule geschickt. Als Schule diente das Haus nur bis 1853, danach vornehmlich Wohnzwecken. 1996 verkaufte die katholische Kirchengemeinde das Haus. Die neue Eigentümerin wollte nach Ostercappeln ziehen, doch dazu kam es nicht. Die alte Schule verfiel. Architekt Helmut von der Heyde, Thomas Nülle und Bürgermeister Rainer Ellermann suchten mit der Besitzerin nach einer Nutzungsmöglichkeit. Schließlich lag ein Konzept vor, und Nülles erwarben das Objekt. Die fachgerechte Sanierung konnte beginnen. Der zentrale Punkt: Die neuen Eigentümer haben das Gebäude für eine öffentliche Nutzung hergerichtet. Beteiligt sind Verschönerungsverein, Starkes Dorf und Kulturring Ostercappeln.

Wie sieht das Konzept aus? Die Tourist-Information ist im Gebäude untergebracht. Ehrenamtlich tätige Bürger engagieren sich zudem und stehen Besuchern mit Rat und Tat zur Seite. Das Haus dient als Versammlungs- und Besprechungsraum für die Vereine. Kleine Konzerte und Lesungen können in der Mädchenschule stattfinden. Zudem werden hier Ausstellungen präsentiert. Derzeit sind es „Frauensachen“.

Im oberen Geschoss sollen eine Dokumentation und ein Archiv über Ludwig Windthorst eingerichtet werden. Außerdem eine Präsentation über die Legge, die Geschichte der Leinwandweberei in Ostercappeln.

Und wer will, kann in der alten Mädchenschule am Kirchplatz sogar den Bund für das Leben schließen. Einige Mutige haben sich übrigens schon getraut...