Trocknungsanlage wird gebaut Klärschlamm aus Schwagstorf ersetzt Braunkohle

Die Pläne sind fertig. Die Anlage wird in Schwagstorf errichtet. Im Bild von links, Ortsbürgermeister Karl-Heinz Rohrmann, Geschäftsführer Uwe Bühning, die Bürgermeister Guido Halfter (Bissendorf) und Rainer Ellermann (Ostercappeln) sowie Verbandsvorsteher Günter Harmeyer. Foto: Rainer WestendorfDie Pläne sind fertig. Die Anlage wird in Schwagstorf errichtet. Im Bild von links, Ortsbürgermeister Karl-Heinz Rohrmann, Geschäftsführer Uwe Bühning, die Bürgermeister Guido Halfter (Bissendorf) und Rainer Ellermann (Ostercappeln) sowie Verbandsvorsteher Günter Harmeyer. Foto: Rainer Westendorf

Schwagstorf. Der Wasserverband Wittlage will eine abwärmegestützte solare Klärschlammtrocknungsanlage errichten. Die Anlage soll neben der Kläranlage in Schwagstorf entstehen. „Nach Abschluss des Genehmigungsverfahrens ist mit einem Baubeginn zum Ende des dritten Quartals 2018 zu rechnen“, so Uwe Bühning, Geschäftsführer des Verbandes.

Was tun mit dem Klärschlamm? Wie kann der Rohstoff sinnvoll verwertet werden? Das waren die Ausgangsfragen. Beim Wasserverband Wittlage zeichne sich bereits seit Jahren ein kontinuierlicher Rückgang der bodenbezogenen Verwertung von Klärschlamm bei der heimischen Landwirtschaft ab, berichtet Bühning. Es gibt also einen Klärschlammüberschuss.

Thermische Verwertung

„Deshalb wurde seitens des Verbandes perspektivisch nach anderen wirtschaftlichen Entsorgungswegen gesucht, um zukünftig den Klärschlamm auch der thermischen Verwertung zuzuführen“, so Bühning. Das heißt, der Schlamm soll an Verbrennungsanlagen abgegeben werden.

Acht Kläranlagen

Hintergrund: Der Wasserverband Wittlage ist als Zweckverband nach den Bestimmungen des Niedersächsischen Gesetzes über kommunale Zusammenarbeit neben der Beschaffung und Bereitstellung von Wasser auch für die Beseitigung von Schmutz- und Niederschlagswasser in den Gemeinden Bad Essen, Belm, Bissendorf, Bohmte und Ostercappeln verantwortlich.

Im Rahmen der Wahrnehmung dieser Aufgaben betreibt der Wasserverband im Verbandsgebiet acht Kläranlagen zur Aufbereitung der anfallenden, überwiegend häuslichen Abwässer. Im Zuge der Behandlung der Abwässer fallen Klärschlämme zur Entsorgung an. Deshalb setzt der Verband das Projekt um. Derzeit findet die Verwertung der anfallenden Schlämme durch den Verband noch teilweise bodengebunden, das heißt durch Ausbringung auf landwirtschaftliche Flächen, sowie überwiegend durch Mitverbrennung statt.

Bissendorf und Belm

Die Tatsache, dass in den vergangenen Jahren die Gemeinden Bissendorf und Belm Mitglieder im Wittlager Verband geworden sind, erweist sich übrigens nun als Vorteil. Ein größerer Verband könne das Projekt viel besser realisieren, merkt Verbandsvorsteher Günter Harmeyer an.

Wie funktioniert die Anlage?

Wie funktioniert die Anlage? Geplant ist auf der Fläche eine weitgehend aus Glas bestehende Trocknungshalle in einer Größe von rund 2.500 Quadratmetern sowie zwei direkt angrenzende Lagerhallen, jeweils für das entwässerte und getrocknete Material mit einer Größe von etwa 600 Quadratmetern. Vor der Einbringung in die Trocknungshalle muss der Klärschlamm auf einen TS-Gehalt von ca. 20 Prozent mechanisch vorentwässert werden. „Um dies zu gewährleisten, ist die Beschaffung eines auf den Kläranlagen des Verbandes flexibel einsetzbaren mobilen Entwässerungscontainers mit darin installiertem Dekanter vorgesehen“, so Uwe Bühning. Der vorentwässerte Schlamm wird in einer hierfür vorgesehenen offenen Lagerhalle zwischengelagert und von dort bedarfsgerecht in die Trocknungshalle eingebracht.

Gewendet und belüftet

Der in die Trocknungsanlage eingebrachte Schlamm wird dort intensiv gewendet und belüftet, damit sich keine klimaschädlichen Faulgase bilden. Auch die Entstehung von Gerüchen wird minimiert. „Die geplante Trocknung wird durch den Entzug von Wasser zu einer deutlichen Massenreduktion der zu transportierenden Schlammmengen führen“, erläutert der Geschäftsführer. Die Zahl der erforderlichen Straßen-transporte könne hier deutlich und messbar reduziert werden.

Fossile Brennstoffe

Die Trocknung der anfallenden Klärschlämme dient neben der Erhöhung der Transportwürdigkeit im Wesentlichen dazu, eine anschließende thermische Verwertung zu ermöglichen. Der Heizwert des erzeugten Trockenschlamms entspricht dabei ungefähr dem von Braunkohle.

Durch den Einsatz von CO2-neutral getrockneten Klärschlämmen können fossile Brennstoffe substituiert und natürliche Ressourcen geschont werden. Der positive Effekt der Maßnahme setzt direkt mit der Lieferung des Brennstoffes an ein geeignetes Kraftwerk oder Zementwerk ein, und bleibt während der gesamten Zeit der Lieferung bestehen.

Bundesministerium für Umwelt

In anderen Worten: Der thermisch behandelte Schlamm aus Schwagstorf ersetzt Braunkohle in einem Kraftwerk. Und genau das ist der Grund, warum das Vorhaben vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit finanziell mit einer Summe von knapp 770.000 Euro gefördert wird. Die Gesamtinvestition beträgt rund zwei Millionen Euro. Treibhausgas-Emissionen werden reduziert, der Klärschlammes wird mithilfe von Sonnenenergie getrocknet und Unterstützungswärme durch eine eigene Hackschnitzelheizung produziert.


Was ist Klärschlamm?

Klärschlamm ist ein allgemeiner Oberbegriff für die im Klärprozess anfallenden Schlämme. Klärschlamm fällt bei der Behandlung von Abwasser in Abwasserbehandlungsanlagen – Kläranlagen – an. . Die anfallenden Klärschlämme sind eine Mischung aus Wasser und Feststoffen. Der Feststoffanteil beträgt zwei bis drei Prozent. Er wird entwässert, getrocknet oder in sonstiger Form weiterbehandelt. Oft wird Klärschlamm aufgrund seiner geringen Schadstoffgehalte meist kompostiert und landwirtschaftlich verwertet. Zudem ist er reich an Nährstoffen. Die thermische Behandlung von Klärschlamm ist ebenfalls möglich. Genau das wird künftig n Schwagstorf geschehen.

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