Ein weißes Damwildkalb Eine besondere Laune der Natur in Ostercappeln

Von Klaus Mees

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Einige der Mitglieder der Damwildherde, in deren Mitte sich das weiße Hirschkalb und die ganz dunke Mutter befinden, wittern aufmerksam. Haben sie etwas bemerkt? Foto: Erhard FrostEinige der Mitglieder der Damwildherde, in deren Mitte sich das weiße Hirschkalb und die ganz dunke Mutter befinden, wittern aufmerksam. Haben sie etwas bemerkt? Foto: Erhard Frost

Ostercappeln. Am Rande des Wiehengebirges im Wittlager Land lebt eine Damwildherde mit mehr als 70 Tieren – darunter ein weißes Kalb. Eine Laune der Natur. Festgehalten hat diesen Anblick der Fotograf Erhard Frost. „Ich habe so etwa noch nie gesehen“, sagt er.

Dort, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, lebt eine stattliche Damwildherde. Die Tiere lassen sich beim Äsen beobachten, wenn die Besucher vorsichtig sind. So ist es Frost gelungen, ein ganz besonderes Tierpaar abzulichten. Er erinnert sich an den besonderen Anblick und sagt: „Das kann man nicht beschreiben. Ein Pieps, und die Tiere sind weg.“

Keineswegs ein Albino

In der Damwildherde befinden sich ein schwarzes und ein weißes Tier, die deutlich Kontakt zu einander halten. Es sind Mutter und Tochter – eine schwarze, sprich extrem dunkle Hirschkuh und ihr weißes Hirschkalb. Dabei ist das Jungtier keineswegs ein Albino, denn dann müsste das Kleine, das beinahe schon die Größe der Mutter erreicht hat, rote Augen haben. Für derartige Launen der Natur hat sich die Bezeichnung „Teilalbino“ durchgesetzt. Verantwortlich ist letztlich der Farbstoff Melanin (sorgt beim Menschen für gebräunte Haut bei Sonneneinstrahlung). Er macht Haut und Haare dunkel. Und während die Hirschkuh zu viel Melanin abbekommen hat, ist das Kalb weitgehend leer ausgegangen. Bei der fehlenden Farbe handelt es sich um eine Stoffwechselstörung.

Während Bäume und Sträucher noch kahl waren und dann durch das hochsommerliche Wetter schnell grün wurden, hatte das Wintergetreide bereits einen kräftigen Schuss gemacht. Das frische Grün lockt das Damwild aufs Feld. Die Beobachter, die die große Herde entdeckt haben, sind beeindruckt: Es kommen über 70 Tiere aus dem Schutz. Ähnlich wie eine Herde friedlicher Schafe äsen sie gemächlich. Das saftige Saatfeld, eingerahmt von hohen Eichen ist ein Stück Wiehengebirge vom Schönsten.

Sehr anpassungsfähig

Damwild ist sehr anpassungsfähig. Draußen ist es scheu wie alles Wild, wird aber im Gatter schnell zutraulich. So wird Damwild verschiedentlich als Gatterwild gehalten. Dabei werden Farbvarianten wie Weißlinge, Schwarzlinge und Rotlinge gezüchtet.

Auch Tiervater Brehm befasste sich mit dem Damwild. In einer seiner Schriften heißt es: „Das Damwild ist munter zum Scherzen aufgelegt.“ Einigermaßen fraglich ist allerdings, ob es die Damhirsche als Scherz aufgefasst haben, dass sie die Kutsche des Fürsten Pückler zu dessen Vergnügen durch seinen berühmten Schlosspark ziehen mussten.

Das Damwild starb während der Eiszeit in den heimischen Breiten aus, wurde aber von den Römern wieder eingebürgert. Im Wiehengebirge kam es lange nicht vor. Die Wälder waren vermutlich zu stark abgeholzt, als dass sie genügend Schutz boten. Doch die Wälder haben sich im Laufe der Zeit wieder erholt.

Idealer Lebensraum

Aller Wahrscheinlichkeit nach gehören die Tiere, die von etwa 80 Jahren aus einem Gatter in Rulle entwichen sind, zu den Vorfahren der heutigen stattlichen Herde. Auf jeden Fall hatten die Tiere den für sie idealen Lebensraum genutzt und sich vermehrt. Das führt zu der Überlegung: „Auch in unserer Natur ist nicht alles schlechter geworden.“


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