„Opa muss weitermachen“ Opa und Enkelin im Vorstand des Heimatvereins Schwagstorf

Von Karin Kemper


Schwagstorf. „Dumm und dämlich darf man sein, aber man muss sich zu helfen wissen“, sagt Hermann Siebert, der inzwischen den 85. Geburtstag gefeiert hat und im Heimatverein Schwagstorf nach wie vor unentbehrlich ist. Schließlich kennt er sich mit altem Handwerk wie dem Dengeln und dem Mähen von Getreide per Hand aus.

Wie aber kann es gelingen, Wissen zu erhalten? Da sind zum einen die Dreschtage, die der Heimatverein in Wechsel mit dem Museumstag, durchgeführt werden. Aber: Es muss auch Männer und Frauen geben, die wissen, wie die Arbeit früher gemacht wurde – und wie mühselig vieles war. Nicht minder wichtig: Ein Verein braucht junge Leute.

Opa muss weitermachen

Wiederum kommt die Familie Siebert ins Spiel. Vorsitzende Marion Allendorf fragte Alisa Schröder, eine Enkelin von Hermann Siebert, ob sie die Familientradition in Sachen Vorstandsarbeit nicht fortführen wolle. Sie hatte eine Bedingung: „Opa muss weitermachen.“ Ihm war schnell klar: „Dann mot ik ja.“ Alisa ergänzt: „Da kommt er nicht raus aus der Geschichte.“ Will er aber auch nicht wirklich. Schließlich ist es schon etwas Schönes, wenn Opa und Enkelin gemeinsam zum Vorstand des Vereins gehören, den er 1985 mit aus der Taufe gehoben hat.

Zwei Beisitzer aus dem Hause Siebert

Bernhard Dürfahrt, der selbst Vorsitzender gewesen und heute Ehrenvorsitzender ist, zeigt sich ein wenig stolz: „Im Heimatverein ist jetzt ein guter Mix. Die Jüngeren arbeiten sich ein.“ Dass Alisa gefragt wurde, ob sich Mittun wollte, kam nicht von ungefähr. Sie sagt: „Das war schon freiwillig. Ich habe zusammen mit Gleichaltrigen schon vorher bei größeren Veranstaltungen wie der Modenschau mitgemacht und reingeschnuppert.“ Offenbar ist die 25-Jährige auf den Geschmack gekommen. Auf jeden Fall gibt es derzeit zwei Beisitzer im Vorstand des Heimatvereins Schwagstorf, die aus dem Hause Siebert kommen. „Hermann macht den Wanderwart, aber wir wandern nicht mehr...“ Wertvoll ist sein Wissen allemal.

Gemacht für den Verein hatte siebert schon immer etwas, den Job des Wanderwarts hatte er übrigens übernommen , als sein Vorgänger 80 geworden war. Seitdem reichte das Spektrum von Adventswanderungen bis zu Fahrradtouren. Dürfahrt unterstreicht: „Auf dem Anwesen Siebert haben wir etliche Male Pause gemacht und Kaffee getrunken. Das war immer schön.“

Auszeichnung der Eheleute Siebert

Er fügt hinzu: „Wenn wir die Sieberts nicht hätten, würde etwas fehlen.“ Das sah auch der Ortsrat Schwagstorf so und zeichnet Anneliese und Hermann Siebert für ihr vielfältiges ehrenamtliches Tun im Jahr 2009 aus – mit Urkunde und Feierstunde. Anneliese Siebert ist leider vor sieben Jahren gestorben.

Und in einer Einschätzung sind sich alle mit Rainer Jürgens, Technikwart des Vereins, einig: „Hermann hat ganz viel für das Heimatmuseum getan – was andere nicht konnten oder wollten.“ Der 85-jährige sagt: „Das Schlimmste war das doppelte Stück des Fußbodens.“ Das Museum befindet sich im Dachgeschoss der Schwagstorfer Schule. Ortsbürgermeister Karl-Heinz Rohrmann sagte bei der Auszeichnung der Eheleute Siebert: „Zwischenzeitlich hat keiner geglaubt, dass sich das so prächtig entwickeln würde.“ Dürfahrt ergänzt: „Gut, dass wir das in Angriff genommen haben. Das kommt immer noch gut an.“

Um 22 Uhr noch verputzt

Machbar war alles nur deshalb, weil es etliche ältere Schwagstorfer gab, die im passenden Alter waren und anzupacken wussten. Einer von ihnen war Hermann Siebert, der vernünftigerweise auf das Aufschreiben von Stunden verzichtet hat. Ich sagt: „Ich bin schon mal um 22 Uhr zur Schule gefahren, um den letzten Quadratmeter zu verputzen.“

Die Frage, welches Handwerk er erlernt habe, beantwortet er kurz und bündig: „Keines.“ Familie Siebert hatte eine Landwirtschaft von Gut Langelage gepachtet und später gekauft. Von 1951 bis 1985 war Hermann Siebert in der Landwirtschaft des Gutes tätig und rund um den Kronensee, wo der die Ferienhäuser aufgebaut und untermauert hat und als „Mädchen für alles“ im Einsatz.

Sensen dengeln

Und wenn einmal im Monat Museumstag ist, ist Hermann fast immer dabei. Er weiß: „Ganz viel habe ich nicht gefehlt.“ Das gilt ebenso für die Dreschtage des Heimatvereins. Das Flegeldreschen bezeichnet Siebert als „ganz einfach“. Für den, der sich damit nicht auskennt, ist das eher eine gefährliche Sache. Und bevor es an das Dreschen des Getreides gehen kann, muss gemäht werden, meist von Hermann gemäht – mit der Sense. Er weiß: „Bevor gemäht wird, muss gedengelt werden.“ Er kann das. Und hin und wieder kommt jemand vorbei und fragt: „Kannst du mir die Sense dengeln?“

Und das ist nicht das einzige Handwerk, auf das sich Hermann Siebert versteht. Er hat auch schon unzählige Körbe geflochten und sagt: „Ik kann di dat nich wiesen“ – wohl aber vormachen. Ein entscheidendes Qualitätskriterium: „Kann der Korb stehen oder muss dafür erst ein Loch gegraben werden?“

Und die Überlegung: „Ich würde gern sehen, wie der Heimatverein beim 100-jährigen Bestehen aussieht“, dürfte so mancher teilen. Vielleicht mischen dann die Enkel von Alisa Schröder, der Enkelin von Hermann Siebert, dort mit. Familientradition.