„Zur Not ein Tritt in den Hintern“ 19-jährige Hunteburgerin: tagsüber Maurerkelle, abends Pfeil und Bogen

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Hunteburg. Es ist eine ungewöhnliche Kombination der Interessen, insbesondere für eine 19-Jährige: Celina Wlecke aus Hunteburg ist gelernte Maurerin, und erfolgreiche Bogenschützin. Schuld daran ist ihr Vater Torsten, mit dem sie arbeitet und trainiert.

Sie hat noch nicht die halbe Welt gesehen, auch wenn sie schon viel „rumgekommen“ ist durch ihren Sport. Sie hat schon ihren Beruf gefunden, obwohl sie erst 19 ist. Sie wusste in beiden „Fällen“, was sie wollte, was ihr natürlich geholfen hat, schon jetzt so weit zu sein, wovon viele in ihrem Alter reden, zum Teil träumen und zum Teil noch wenig konkret bewegt haben.

Die Rede ist von Celina Wlecke, die ein etwas anderes, etwas in der Kombination sehr ungewöhnliches Leben führt, was neben ihrer Mama Beate vor allem ihr Papa Torsten geprägt hat und aktuell prägt. Denn sie verbringen nicht nur fünf Tage in der Woche recht nah miteinander im Beruf, sondern auch noch zig Wochenenden im Jahr im Sport.

Die einzige Maurerin im Handwerkskammerbezirk

Das Vorleben und Vormachen hat es ihr angetan, im Sport mit Pfeil und Bogen schon nicht alltäglich, im Beruf höchst selten, denn sie ist sage und schreibe Maurerin. Der Papa war‘s, über dessen Schulter sie sich als Kind ein Bild von Stein und Mörtel in einer Tätigkeit machte, die sie so sehr reizte, dass sie heute einzige im Bereich der Handwerkskammer bekannte Maurerin ist.

Nach Feierabend greift Celina Wlecke zu Pfeil und Bogen. Foto: Winfried Beckmann

Ob ihr dieser Beruf Spaß macht, den sie nach dem erweitertem Realschul-Abschluss zielstrebig angepackt hat, um verkürzt bereits nach zweieinhalb Jahren ihre Prüfung bestanden zu haben? Und wie es ihr Spaß macht, mit Maurerkelle ausgerüstet am Neubau Hand anzulegen. Das ist ihre Welt, in der sie nach der Gesellenprüfung auch ihren Meister, sorry: ihre Meisterin, machen will. Nicht nur im Bauwesen, sondern auch in der Bautechnik, um gleich anzufügen, was sie sich als Traum vorstellen kann: zum Beispiel in den USA beim Bau eines Hochhauses dabei zu sein.

Arbeiten mit Papa als Chef

Doch erst mal will sie mit Spaß, der ihr als Frohnatur im Gesicht geschrieben ist, in der Firma ihres Vaters, der natürlich ein „guter Chef“ ist, möglichst viel Erfahrung im selbstständigen Tun am Bau sammeln. Und das in zeitlich vertretbarer Verbindung mit der großen Leidenschaft, die sie mit ihrem Papa im Bogenschießen teilt. Er bis zur Landesebene bei Meisterschaften, ihre Mama nur zum Spaß ohne Wettkampf, während sie 2012 bereits erstmals bei einer deutschen Meisterschaft startete, beim Europacup in Italien und bei der Europameisterschaft in Griechenland für Deutschland auftreten durfte und als Mitglied im Bundeskader regelmäßig mit den Besten im Land im Leistungszentrum Kienbaum in Berlin trainiert und sich auf internationale Events vorbereitet.

Dabei hat sie die Bodenhaftung keineswegs verloren, indem sie es für „respektvoll“ empfindet und bezeichnet, auch auf Kreisebene mit Gleichgesinnten im Altkreis Wittlage den Bogen zu spannen und auf Scheiben bis zu 70 Meter entfernt abzuziehen. Was für sie keineswegs eine Frage der Kraft, sondern in erster Linie eine Frage der Psyche ist. „Die Technik hat man drin, dann geht es um die Mentalität, was Kopfsache ist, sich die Abläufe immer wieder klar zu machen in einzelnen Schritten, sich Schlagwörter zu sagen. Wenn man verkrampft ist, hilft auch mal, ein Lied zu singen“, schildert Celina, was sich Training für Training und Wettkampf für Wettkampf wiederholt.

Hängenlassen gilt nicht

Auch dabei ist der Papa mehr als Betreuer und wertvoll, seine Tochter „mal runter zu bringen und mir auch mal in den Hintern zu treten, wenn ich mich hängen lasse“, wie die 19-Jährige gesteht, was im Beruf und Sport eines etwas anderen Duos offenbar höchst selten passiert…


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