Ostercappelner Pater Kuzhichalil erzählt Ostern in Indien: Keine Eier, keine Hasen, dafür stundenlang Messe

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Pater Jose Kuzhichalil präsentiert das Thomaskreuz seiner Glaubensgemeinschaft. Foto: Louisa RiepePater Jose Kuzhichalil präsentiert das Thomaskreuz seiner Glaubensgemeinschaft. Foto: Louisa Riepe

Ostercappeln. Während am Sonntag überall in Deutschland Kinder auf die Suche nach Ostereiern gehen, wird das Hochfest des Christentums bei den Katholiken in Indien ganz anders gefeiert. Der Ostercappelner Pater Jose Kuzhichalil kann beide Traditionen vergleichen.

Heute Nacht wird Jose Kuzhichalil in der Lambertuskirche in Ostercappeln am Altar stehen, und das erste Mal seit sechs Wochen wieder ein Halleluja anstimmen. Mit der Gemeinde hat er den Aschermittwoch begangen, gefastet und den Kreuzweg beschritten. Die Osternachtsmesse ist Höhe- und Endpunkt der Passionszeit und somit eines der Hochfeste katholischen Kirche.

Doch auf die Liturgie musste sich Jose Kuzhichalil erst einstellen, als er im Jahr 2000 nach Deutschland kam. Denn er stammt ursprünglich aus dem südindischen Kerala, wo die syro-malankarische Kirche verbreitet ist. Diese katholische Teilkirche mit rund 4,6 Millionen Gläubigen geht auf den Apostel Thomas zurück, der den christlichen Glauben im Jahr 52 nach Indien brachte. Durch ihn entwickelten sich in den Gemeinden auch die Ostertraditionen anders, als in der Westkirche.

Fastenzeit dauert länger

Das fängt bei der Fastenzeit an. „Wir fasten 50 Tage, nicht nur 40“, erklärt Kuzhichalil. Weil in Indien kein Karneval gefeiert wird, beginnt die Enthaltsamkeit dort nicht erst am Aschermittwoch, sondern schon am siebten Montag vor Ostern. „Wir lassen die Sonntage nicht aus“, so der Pater, und freitags gibt es nur eine Mahlzeit. Gefastet wird auf Alkohol, Fleisch und Fisch. Aber auch Eier fehlen auf dem Speiseplan, manchmal auch Milch. „Das ist fast eine vegane Ernährung“, sagt Kuzhichalil, „das ist echt hart“.

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Hart sind die Thomaschristen aus Kerala auch, was den Kreuzweg angeht. Sie steigen dazu den Berg Malayattoor hinauf. „Dort der heilige Thomas oft gebetet“, erklärt Kuzhichalil. „Der Weg dauert etwa zwei Stunden und er ist bewusst natürlich gehalten.“ Es gibt also es keine Befestigung oder Handläufe. Zusätzlich laden sich manche Pilger noch schwere Holzkreuze auf die Schultern.

Fußwaschung am Gründonnerstag

Ebenso intensiv wird Gründonnerstag gefeiert. Dann bereiten die indischen Familien ein jüdisch-inspiriertes Pascha-Mal zu. „Wir essen ein besonderes Brot und trinken ein Getränk aus Kokosnuss-Saft. Beides gibt es nur an diesem Tag“, so Kuzhichalil. Außerdem nehmen die Pfarrer die rituelle Fußwaschung an ihren Gemeindemitgliedern vor. „Hier in Ostercappeln haben wir immer Probleme, 12 Personen stellvertretend für die 12 Aposteln zu finden“, sagt Kuzhichalil. In seiner Heimatgemeinde melden sich die Gläubigen freiwillig. Und es gibt noch einen Unterschied: „Der Pastor küsst die gewaschenen Füße.“

Höhepunkt der Feierlichkeiten ist, wie in Europa auch, die Osternachtsmesse. „Sie dauert zwei Stunden“, sagt Kuzhichalil. Pfarrer und Messdiener tragen prachtvolle Gewänder, in Silber oder Gold. Die Abfolge der Gebete und Lesungen ist anders als in der lateinischen Liturgie. Gesungen wird in der lokalen Sprache Malayalam, aber einige Lieder haben ihren Ursprung in Deutschland. Ein Beispiel ist das „Puthenpana“. Geschrieben hat es der Missionar Johann Ernst Hanxleden, der im 17. Jahrhundert in Ostercappeln geboren wurde. „Wir singen das Lied nur zu Ostern“, sagt Jose Kuzhichalil. Der Text spannt einen langen Bogen, „von Adam und Eva bis zur Auferstehung von Jesus“.

Keine Hasen, keine Eier

Sie ist auch der Grund, warum Ostern in Indien einen besondren Stellenwert hat. Gefeiert wird „aus Freude über die Auferstehung“, sagt Kuzhichalil. „Es ist ein Wunsch, den wir alle haben.“ Er findet auch Ausdruck im Symbol der Thomaschristen, dem sogenannten Thomaskreuz. Der leblose Korpus von Jesus fehlt hier. Stattdessen stehen die drei Stufen für das Leiden auf dem Berg Golgatha. Die Arme des Kreuzes enden jeweils in einer Blütenknospe, die für Auferstehung und neues Leben stehen. Die Taube auf der Spitze das Zeichen für das Wirken des Heiligen Geistes.

Die Thomaschristen haben ihre eigenen Symbole für Ostern. Osterhasen und Ostereier dagegen „gehören eigentlich nicht zu unserer Tradition“, sagt Jose Kuzhichalil. Das hat allein schon klimatische Gründe: Wenn in Europa zu Ostern die Tiere aus dem Winterschlaf erwachen, und die Hühner wieder frische Eier legen, ist es in Südindien 30 Grad heiß. „Kerala liegt nahe am Äquator, deshalb gibt es dort leider keinen Frühling“, sagt Kuzhichalil. Aber inzwischen wird auch in Indien zu Ostern Schokolade verschenkt. Der westliche Einfluss macht sich eben auch bei den indischen Ostertraditionen bemerkbar.

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