Serie „Die Kunden und Ich“ Warum Pastor Bodo Böhnke aus Venne Beerdigungen am meisten Spaß machen

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Seit 2014 ist Bodo Böhnke in Venne Pastor. Foto: Svenja KrachtSeit 2014 ist Bodo Böhnke in Venne Pastor. Foto: Svenja Kracht

Venne. Bedienungen, Ärzte, Müllmänner, Kassierer – in unserem Alltag haben wir immer mal wieder mit ihnen zu tun, doch selten machen wir uns darüber Gedanken, wie wir auf sie wirken. Wir haben daher einmal nachgefragt. Teil 10: ein Pastor.

Seit 2014 ist Bodo Böhnke in Venne Pastor. Im Interview erzählt er, warum immer weniger Menschen in die Kirchen gehen und was er Hochzeitspaaren mit auf den Weg gibt.

Wie gerne würden Sie sonntags mal ausschlafen?

Sehr gerne. Allerdings habe ich den Vorteil, dass ich einmal im Monat Predigtfrei habe – da kann ich dann ausschlafen. Dafür können wir Pastoren in der Woche länger schlafen, da wir oft abends Termine haben.

Unsere Berichte heißen ja „Kundenserie“ – hat ein Pastor überhaupt Kunden?

Natürlich. In meinem Büro sitzen oft Hochzeitspaare oder Angehörige von Verstorbenen – sicherlich sind das andere Kunden als beim Friseur oder Arzt.

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Pastor und Pfarrer?

Ein Pfarrer hat eine Gemeinde – eine Pfarrei. Da gibt es dann irgendwo eine Glocke. Als Pastor kann man auch der Pastor der Landeskirche sein. Ich war beispielsweise mehrere Jahre lang Pastor der Berufsschule Haste und Pottgraben in Osnabrück. Pastoren gibt es auch in Gefängnissen oder der Krankenhausseelsorge.

Wie schwierig ist es, immer neue Predigen zu schreiben?

Das ist tatsächlich sehr schwierig. Es gelingt mir auch nicht, immer etwas Neues zu erzählen. Diejenigen, die regelmäßig zur Kirche kommen, wissen, was ich zu sagen habe und was ich sagen möchte. Man versucht immer wieder mit neuen Bildern oder Wörtern etwas zu erzählen. Jeder Sonntag hat sein eigenes Thema.

Greifen Sie oft auf Ereignisse aus dem aktuellen Weltgeschehen zurück?

Eher selten, weil ich glaube, dass das die Aufgabe der Politik ist. Hier in der Kirche geht es um tiefere Sachen. 51 Prozent haben für Trump gestimmt – da geht es bei mir dann eher um die Themen Angst und Liebe, weil man die Beweggründe der Menschen, die dafür gestimmt haben, wissen möchte. Und das hat häufig mit Angst zu tun.

Wann haben die Menschen aufgehört, sonntags morgens in die Kirche zu gehen?

Ich weiß es nicht. Ganz ehrlich: Seitdem ich denken kann – ich bin Jahrgang 1960 – waren die Kirchen nie sehr voll. Ich denke, dass das mit der Hitlerzeit gekommen ist und sich später mit den 68ern verfestigt hat. Man hat während der Nazizeit das Kreuz von der Wand genommen und ein Hitler-Bild dort aufgehängt. Dann hat man Hitler abgehängt und ich habe auch heute das Gefühl, dass die Menschen oft vor einer leeren Wand stehen und eigentlich gar nicht mehr wissen, was in ihrem Leben zählt.

Und warum ist es an Weihnachten noch immer so voll?

In unserer Religion geht es um die Liebe – Gott ist die Liebe. Und Weihnachten hat nun mal das Thema Liebe, sodass die Menschen dann zur Kirche gehen. Das gehört auch irgendwie dazu.

Welche Aufgabe in Ihrem Beruf macht Ihnen am meisten Spaß?

Das darf man gar nicht laut sagen, aber es sind tatsächlich die Beerdigungen.

Warum?

Da geht es immer ums Eingemachte. Was hat uns Opa wirklich vermacht? Was vermissen wir jetzt? Was hat er uns beigebracht und wofür stand Opa in seinem Leben? Wo ist er jetzt und wird es ein Wiedersehen geben? Das sind sehr interessante Gespräche. Außerdem sind die Menschen in dieser Situation sehr offen für das Wort Gottes.

Was macht Ihnen am wenigsten Spaß?

Sitzungen.

Kirchliche Hochzeiten sind wieder im Trend – nur, weil es festlicher ist oder auch wegen des Glaubens?

Wer realistisch ist, weiß eigentlich, dass eine Ehe eine unmögliche Sache ist. Wenn ich auf meine Ehe zurückblicke, gab es auch schwere Krisen, bei denen man manchmal gedacht hat, dass wir das nicht überstanden hätten. Ich glaube, dass dieser eine Satz – das Versprechen „bis, dass der Tod uns scheidet“ – das eine tausendste Hölzlein einer Brücke ist, ohne das die Brücke einstürzen würde. Ich kann mir vorstellen, dass dieses Versprechen der Auslöser in einer Ehekrise ist, zu sagen, dass man weiter macht. Natürlich ist eine kirchliche Hochzeit auch festlicher.

Wie bereiten Sie sich auf eine Trauung vor?

Das ist bei mir etwas ausführlicher: Ich bestelle erst mal das Paar hier her. Dann besprechen wir alles, was zu einer Trauung dazu gehört. Welche Lieder gesungen werden, ob es eine Hochzeitskerze geben soll oder ob Kinder mit in die Kirche einziehen. Dann kommen die beiden eine Woche vor der Hochzeit noch mal zu mir. Da besprechen wir dann persönliche Dinge wie die Kennenlern-Geschichte. Ich frage auch immer, wann der Punkt war, an dem man sagen konnte Der- oder Diejenige ist es. Ich lasse mir den Heiratsantrag schildern, weil es eine einmalige Sache ist. Ich habe das bei meiner Frau damals sehr fantasielos gemacht. Ein Bademeister hat zum Beispiel das komplette Wasser aus dem Becken gelassen, den Weg dorthin mit Rosen verziert und im Becken ein Candle-Light-Dinner vorbereitet.

Wie sah denn Ihr eigener Antrag aus?

Ich habe so etwas romantisches leider nicht gemacht. Ich habe meinem Schwiegervater einen mittelalterlichen Trautext geschrieben. Dort habe ich dann um die Hand der Zweitgeborenen angehalten. Das war ganz witzig, aber nicht so toll wie ich das hier schon bei manchen Paaren gehört habe.

Welche Tipps geben Sie Ehepaaren mit auf den Weg?

Einen festen Eheabend in der Woche zur zweit und einmal im Jahr ohne Kinder in den Urlaub fahren. Sodass man nur Mann und Frau füreinander ist.

Fühlen Sie sich geschmeichelt, wenn möglichst viele Menschen während der Trauung weinen?

Nein. Ich weiß natürlich, dass es dann etwas Rührendes war, aber geschmeichelt fühle ich mich dann nicht.

Ist bei einer Trauung schon mal etwas so richtig schief gegangen?

Nicht, dass ich wüsste. Einmal wurde befürchtet, dass ein Ex-Freund kommt, der etwas gegen die Trauung haben könnte. Der ist dann aber letztlich nicht aufgetaucht.

Ist es noch zeitgemäß, Babys taufen zu lassen oder sollte man sie lieber irgendwann selbst entscheiden lassen?

Das ist Augenwischerei. Ein Baby zu taufen ist deshalb zeitgemäß, weil man damit klar macht: Wir sind geliebte Kinder Gottes vom ersten Tag an.

Was geben Sie Ihren Konfirmanden mit auf den Weg?

Das höchste Gebot von Gott lautet „Du sollst Gott lieben und Deinen Nächsten wie Dich selbst“. Bis zur Konfirmation müssen die Kinder lernen, sich selbst zu lieben mit allen Stärken und Schwächen, das frage ich die Konfirmanden immer, ob sie das wirklich tun. Natürlich kann ich das nicht prüfen. Denn erst wenn man sich selbst als geliebtes Kind Gottes empfindet, sieht man die Schwächen beim Nächsten plötzlich auch nicht mehr.

Warum sind Sie Pastor geworden?

Bodo Böhnke durfte mit Hochzeitspaaren schon in den Urlaub fliegen, um sie dort zu trauen. Foto: Böhnke

Ich komme aus Eversburg in Osnabrück. Wir hatten damals wenige Möglichkeiten und die Kirche hat uns einige eröffnet. Wir sind nach Schweden gefahren, haben Fußballturniere gemacht oder hatten Proberäume in der Kirche. Das hat mich damals begeistert, sodass ich das gerne weitergeben wollte.


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