Ein Abend mit Richard Vardigans Mehr Wissen über die West Side Story in Venne

Von Christa Bechtel

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Richard Vardigans brachte in Venne die „West Side Story“ mal ganz anders dem Publikum nahe. Foto: Christa BechtelRichard Vardigans brachte in Venne die „West Side Story“ mal ganz anders dem Publikum nahe. Foto: Christa Bechtel

Venne. Dass Leonhard Bernsteins Musik, aber auch die Handlung der „West Side Story“ eindringlich, dramatisch, jedoch auch voller Liebe und Poesie ist, verdeutlichte Richard Vardigans jetzt seinem Publikum im Saal des Gasthauses Linnenschmidt in Venne. Auf Einladung des Kulturrings Ostercappeln – Kurios – gastierte der gebürtige Engländer dort mit „Oper mal anders“, kurz „Oma“ genannt.

Richard Vardigans ist seit über 35 Jahren als Pianist, Dirigent und Dozent tätig – zuletzt als Generalmusikdirektor der Erzgebirgischen Theater und Orchester GmbH. Kaum dass er die ersten Töne auf dem Klavier anschlug, ermutigte er die Besucher, mitzuschnipsen. „Vier falsche Töne! Und Sie dachten, ich habe falsche Töne gespielt“, sagte anschließend der Dozent, der weiter verdeutlichte: „Wenn ein Komponist glücklich ist oder wenn er Glück erzeugen will, schreibt er in Dur. Wenn er traurig ist, schreibt er in Moll.“

Eine sehr arme Gegend

Bernstein habe beides gleichzeitig geschrieben. Das demonstrierte er sogleich auf den schwarz-weißen Tasten. Und: „Diese drei Töne stehen für Spannung. Es gibt viel Spannung. Herzlich willkommen in New York. Wir sind an der West Side, eine sehr arme Gegend in den 1950er Jahren. Und zwei Banden, die „Jets“ aus Amerika und die „Sharks“ aus Puerto Rico, neu angekommen und nicht willkommen.“

Ein bisschen Jazz

In den nächsten zwei Stunden stellte Vardigans – auch mit seinem unverwechselbaren englischen Humor – die verfeindeten Familien, die zwei rivalisierenden Banden, aber auch Tony ein Jet und Maria, ein Shark-Mädchen vor, die sich ineinander verlieben. „Da brauchen wir echte amerikanische Musik; ein bisschen Jazz, ein bisschen Boogie-Woogie.“ Schon forderte der renommierte Pianist das Auditorium auf, das er immer wieder mit ins Geschehen einband, an einer bestimmten Stelle „Mambo“ zu sagen. Zuvor hatte er festgestellt, dass den (scheinbar) wohl keiner tanzen konnte. Aber: „Ich werde es Ihnen nicht vormachen, ich habe es mit den Beinen“, erklärte Vardigans und hatte die Lacher auf seiner Seite.

Exzellenter Musikpädagoge

„Meine Hände sind kalt“, sagt Maria zu Tony; beide schwören sich ewige Liebe. Kurze Zeit später erklang das bekannte Stück „Maria“. Hier setzt Bernstein musikalische Elemente der Jets, wie den Tritonus mit charakterisierenden Elementen der Sharks – Huapango-Rhythmus – ein. Mit treibendem hektischen Rhythmus, vielen tonleiterfremden „dissonanten“ Tönen oder starken Synkopierungen betonte Vardigans aber auch Streit, den Kampf der Banden – einfach die Handlung. Denn er ist nicht nur ein exzellenter Musikpädagoge, sondern auch ein brillanter Pianist. Am Ende begreifen die Gangs, dass es sich nicht lohnt, wegen ihrer Konflikte Menschenleben zu opfern. Gemeinsam „Somewhere“ tragen sie die Leiche von Tony davon… und Vardigans veranschaulichte: „Maria – in ihrem Namen war die Auflösung, die Harmonie.“

„Rusalka“ von Antonín Dvořák

Alles in allem ein fundierter, unterhaltsamer, anspruchsvoller, aber auch amüsanter Abend, für den sich Kurios-Vorsitzende Susanne Winkler mit den „Himmlischen“ von Leysieffer bei Richard Vardigan s bedankte. Am Montag, 23. April, 19.30 Uhr, feiert der Dresdner übrigens zehn Jahre „Oper mal anders“ in Osnabrück im Ledenhof. An diesem Abend wird er dem Publikum das märchenhafte Stück „Rusalka“ von Antonín Dvořák nahe bringen.


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