Der perfekte Mix Wie ein Ostercappelner in Hongkong als Model durchstartet

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Ein Business-Man, der erst bei einem Bier runterkommt – diese Rolle hatte Sebastian Brennecke beim Shooting für das Esquire Magazin. Foto: Daisy Chen/Esquire MagazinEin Business-Man, der erst bei einem Bier runterkommt – diese Rolle hatte Sebastian Brennecke beim Shooting für das Esquire Magazin. Foto: Daisy Chen/Esquire Magazin

Ostercappeln. Angefangen hat alles bei L + T. Auf dem Laufsteg des Osnabrücker Modehauses machte Sebastian Brennecke aus Ostercappeln buchstäblich seine ersten Schritte als Model. Auf den Sieg beim Casting des Jahres 2011 folgte ein Vertrag mit einer Hamburger Agentur. Inzwischen arbeitet der 24-Jährige von Hongkong aus für renommierte Marken.

Sportbekleidung von Puma, Kosmetik von Mac, Bier von San Miguel, Küchengeräte von WMF und eine Hotelanlage von Tui – für all diese Produkte hat Sebastian Brennecke schon Werbung gemacht. Der 24-Jährige aus Ostercappeln arbeitet als Model, bis vor Kurzem noch neben seinem Studium der Wirtschaftswissenschaften, und inzwischen sogar hauptberuflich.

Serie 2/3 #turtle @sashaivanovphotography

Ein Beitrag geteilt von Sebastian (@sebastianbrennecke) am Jun 26, 2017 um 11:55 PDT

Athletisch durch Fußball

Etwa 50 Foto-Shootings, so schätzt Brennecke, hat er hinter sich. Und mit jedem wird er selbstsicherer. Denn es ist nicht so, als gäbe es für angehende Models einen Lehrgang zum Posieren vor der Kamera. „Ich schaue mir die Bilder von anderen, männlichen Models an und versuche, das nachzumachen, was mir gefällt“, erklärt Brennecke seine Strategie. Dazu gehört natürlich auch, sich körperlich fit zu halten. „Ich gehe aber nicht fünf Mal die Woche ins Fitnessstudio“, betont er. Fußballspielen reicht ihm nach eigener Aussage, um „athletisch“ zu bleiben. Für eine ebenmäßige Haut und glänzende Lippen sorgen vor jedem Shooting die Maskenbildenrinnen. „Das ist eigentlich der schönste Moment am ganzen Job“, meint Brennecke, „man setzt sich bequem hin, alle wuseln um einen herum und am Ende sieht man gut aus.“

Derzeit muss Brennecke oft in die Maske. Denn er ist „On Stay“ in Hongkong. Im Modebusiness bedeutet das: Eine Modelagentur vor Ort hat ihn für drei Monate einfliegen lassen, bezahlt die Unterkunft in einer Model-WG und kommt für die Lebenskosten auf. Dafür stellt sich Brennecke auf Castings ihren potenziellen, asiatischen Kunden vor. Wenn es gut läuft, wird er gebucht. Dann präsentiert er vor der Kamera das jeweilige Produkt und verdient gutes Geld mit den Fotos. In dem Fall muss er zurückzahlen, was die Agentur in ihn investiert hat. Wenn es schlecht läuft, verdient er nichts, muss aber auch nichts zurückzahlen.

Der Vater ist Deutscher, die Mutter ist Chinesin

Danach sieht es derzeit aber nicht aus. „Es läuft ganz gut“, meint Brennecke. Ein Grund ist sicher sein Aussehen: halb europäisch, halb asiatisch. Brenneckes Vater ist Deutscher, seine Mutter stammt aus China. Als „Mischling“ bezeichnet Brennecke sich deshalb selbst. In Asien ist dieser Modeltyp durchaus gefragt, besonders für Werbung. Deshalb kam Brennecke im Sommer 2017 auch mit einem philippinischen Scout in Kontakt. Der Mann namens Richard war gezielt auf der Suche nach eurasischen Models und hatte die ersten professionellen Bilder von Sebastian Brennecke im sozialen Netzwerk Instagram entdeckt. „Er hat mir geschrieben, er würde großes Potenzial in mir sehen und mich gerne nach Asien vermitteln “, erinnert sich Brennecke.

Zuerst war er skeptisch und erkundigte sich bei verschiedenen Agenturen über den Mann. Und tatsächlich „kannten sie ihn alle und er hatte offenbar eine gute Reputation.“ Überzeugen ließ sich Brennecke, als er feststellte, wie zuverlässig Richard war. „Er war 24 Stunden für mich erreichbar, wenn ich Fragen hatte. Und er hat mir einen Job in Hongkong verschafft, als ich noch in Deutschland war.“ Denn Brennecke wollte trotz des Angebots zuerst seinen Abschluss machen, bevor er sich auf das Abenteuer in Asien einlassen konnte. Als es dann im Januar 2018 so weit sein sollte, schlug das Schicksal zu. Über Kollegen erfuhr Brennecke: Richard ist verstorben.

Fotos für das „Esquire“ Magazin

Der Deal mit der hongkongnesischen Modelagentur ist daran nicht gescheitert. Im Gegenteil: „Die Mitarbeiter hier sind total bemüht“, sagt Brennecke. Von den deutschen Agenturen, mit denen er vorher schon zusammengearbeitet hat, kennt er das nicht unbedingt. Über die Hongkongnesen ist er auch an sein bisher wichtigstes Shooting gekommen. Sebastian Brennecke war im amerikanischen Männer-Modemagazin Esquire zu sehen, in weißem Hemd und Anzug. Seine Rolle: „Ein Business Man, der hart arbeitet und so gestresst ist, dass er sich erst abends bei einem Bier so richtig fallen lassen kann.“

Für das Fotoshooting mit San Miguel wurde Brennecke extra aus Deutschland nach Hongkong eingeflogen. Foto: San Miguel Brewey

Das Shooting fand im Bürogebäude der „South China Morning Post“, Hongkongs größter englischsprachiger Tageszeitung, statt. „Die haben dort eine neue, sehr coole Kantine“, sagt Sebastian Brennecke. Und genau dort, zwischen grünen Fliesen und dunkelen Holzmöbeln entstanden die Bilder für das Magazin. Für Brennecke war es nicht der außergewöhnlichste Shooting-Ort. Aber „es ist schon ein Aushängeschild, wenn man im Esquire Magazin ist“, sagt er. Für seine Modelkarriere könnten diese Bilder sehr wertvoll sein.

Zurück nach Deutschland

Denn schon im April endet Brenneckes Zeit in Hongkong. Dann will er erst mal nach Deutschland zurückkehren. Aber nicht nach Ostercappeln, sondern nach Köln. Denn dort lebt er mit seiner Verlobten zusammen. Sie ist der Grund, warum er nicht sofort weiter nach Thailand oder auf die Philippinen reisen will – obwohl Modelagenturen von dort ihn schon für neue „On Stays“ angefragt haben. Lieber möchte er warten, bis sie fertig ist mit ihrem Studium und dann mit ihr gemeinsam ins Ausland gehen.

Solange will Brennecke erst mal in Deutschland als Model arbeiten. Mit den Bildern aus Hongkong in der Tasche dürfte ihm das leichter fallen, als zuvor. Eine große Hamburger Agentur hat ihn auch schon angefragt. Und wenn das Einkommen doch nicht zum Leben reicht, dann, „könnte ich immer noch einen Master anfangen oder im Büro arbeiten“, sagt Brennecke. Große Lust dazu verspürt er gerade, am anderen Ende der Welt, aber noch nicht.

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