Burkina Faso Initiative Ostercappelner OP-Projekt zieht positive Bilanz

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Ostercappeln. Die Bedingungen waren nicht leicht, es musste viel improvisiert werden – und doch war auch das dritte OP-Projekt der Belmer Burkina Faso Initiative für die Teilnehmer eine geradezu beglückende Erfahrung. Über ihren Aufenthalt in Burkina Faso und die Probleme des Landes berichteten sie im Gespräch mit unserer Redaktion.

Eigentlich war alles perfekt vorbereitet: Frühzeitig war ein Container mit medizinischen Geräten und Verbrauchsmaterial auf den Weg nach Ouagadougou, der Hauptstadt Burkina Fasos, gebracht wurden. Mit Prof. Gilbert Bonkoungou, dem Leiter der Klinik, in der das Team, diesmal bestehend aus Nicola Hoedemaker, Anästhesistin am Christlichen Klinikum Melle, Dr. Martin Gerdes, Chefarzt der Chirurgie am Krankenhaus Ostercappeln, sowie den OP-Pflegern Sina Liedtke, Damien Balima und Daniel Koppitz, ehrenamtlich und unentgeltlich operierte, waren die zu behandelnden Fälle durchgesprochen und die Operationen geplant worden. Doch manchmal kommt es eben anders: 20 eingeplante Patienten waren nicht erschienen bzw. hatten kurzfristig eine heilende Operation abgelehnt. Leider war es trotz der frei gewordenen Kapazitäten organisatorisch nicht möglich, weitere Patienten einzubestellen – nicht zuletzt aufgrund der fehlenden Infrastruktur des Landes. Das Positive: Da mit Nicola Hoedemaker vom Christlichen Klinikum Melle eine Anästhesistin mitgereist war, konnte diesmal in zwei OP-Sälen operiert werden. Dadurch verdichtete sich zwar die Arbeit, was aber von den Beteiligten offenbar nicht als Belastung empfunden wurde. „Jeder Stress wurde durch das positive Miteinander zerschmettert“, berichtet OP-Assistent Daniel Koppitz, der bereits zum dritten Mal die Reise nach Burkina Faso angetreten war. „Ich war zwar diesmal zum ersten Mal mit dabei, aber auch ich habe die Arbeit nicht als anstrengend empfunden. Vielleicht sind die Menschen dort weniger getrieben als wir“, sinniert Nicola Hoedemaker.

Gelassenheit und Geduld

Immer wieder fällt der Begriff Gelassenheit – nicht zu verwechseln mit Nachlässigkeit: „Dort wie hier haben alle das Gelingen vor Augen, aber hierzulande herrscht schon mal eher eine gereizte Stimmung“, beschreibt es Dr. Martin Gerdes, Chefarzt am Krankenhaus Ostercappeln, der zum nunmehr dritten Mal das Projekt geleitet hat. Er bezieht seine Einschätzung durchaus auch auf die Patienten. Während die Patienten des OP-Projekts vor allem sehr froh seien, dass ihnen geholfen werde, gehen es vielen Patienten in deutschen Krankenhäusern immer mehr um Faktoren wie etwa WLAN-Anschluss oder Essensauswahl. Offenbar sind die Patienten in dem westafrikanischen Land zudem äußerst geduldig: Einem der 53 operierten Patienten konnte ein Weichteiltumor im Gesicht entfernt werden, der diesen seit mehr als 20 Jahren entstellt hatte. Auch wenn dies in der solidarischen Gemeinschaft seines Dorfes nicht zur Ausgrenzung geführt hat, so ist der Fall doch symptomatisch für die medizinische Versorgung des westafrikanischen Landes. Zwar gibt es Ärzte und Krankenhäuser, aber die Menschen können sich die medizinischen Behandlungen nicht leisten und sind daher auf kostenlose Angebote wie das des ehrenamtlichen OP-Teams angewiesen.

Austausch und Hilfe

Auch ein weiteres Problem, dessen sich das Projekt annimmt, lässt sich hieraus ableiten: Weil Operationen für die Menschen in Burkina Faso für gewöhnlich unbezahlbar sind, sind die Fallzahlen für die jeweiligen Eingriffe niedrig und die einheimischen Ärzte erlangen häufig keine hinreichende Expertise. Dr. Gerdes nutzt deshalb seine Aufenthalte in Ouagadougou regelmäßig, um seine dortigen Kollegen weiterzubilden. Umgekehrt profitiert er nach eigener Aussage aber auch selbst fachlich vom OP-Projekt, da er dabei häufig Erkrankungen in einem fortgeschrittenen Stadium erlebe, zu dem es hierzulande, glücklicherweise, kaum komme.

Sprachbarrieren und koloniale Strukturen

Ein Problem, das nicht nur für die medizinische Versorgung relevant ist, sind die Sprachbarrieren: 66 verschiedene Sprachen werden in Burkina Faso gesprochen. Zwar ist die Amtssprache Französisch, doch wird diese längst nicht von jedem Burkinaben beherrscht, was sich wiederum auf die mangelhafte Bildungssituation zurückführen lässt. Es existiert eine Schulpflicht, aber die wird nicht nachgehalten. Zudem gibt es Schulgebühren, die von vielen Familien nicht aufgebracht werden können. Auch sind die Schulwege häufig viele Kilometer weit und nur zu Fuß zurückzulegen, was besonders in der Regenzeit unmöglich ist. Dennoch: Die Kinder, die die Schule besuchen, tun dies mit großer Freude – „auch wenn Fräulein Rottenmeier ein hartes Regiment führt“, lachen die Team-Mitglieder und erinnern sich an eine besonders strenge Lehrerin, die sie beim Besuch einer Dorfschule kennengelernt hatten. „Bildung ist eben der einzige Weg, sich aus der Armut zu befreien“, meint OP-Assisten Damian Balima, der aus Burkina Faso stammt, inzwischen aber im Krankenhaus Ostercappeln arbeitet. „Unweigerlich drängen sich viele Fragen auf, gerade wenn man die Dörfer bereist. Und immer wieder kommt man zu dem Schluss, dass vieles mit überkommenen kolonialen Strukturen zusammenhängt, die einfach nicht funktionieren“, findet Nicola Hoedemaker.

Bildung, Gesundheit und Brunnenbau

Die Burkina Faso Initiative Belm versucht seit vielen Jahren, dem Land, das zu den ärmsten der Welt zählt, zu helfen, und so nutzte das OP-Team die zweite Woche seines Aufenthaltes, um weitere Projekte zu bereisen. Neben besagter Schule waren dies eine Gesundheits- und Entbindungsstation sowie ein Brunnenbau-Vorhaben. Beeindruckt waren die Teilnehmer von den Menschen, mit denen sie zusammentrafen, davon, das diese trotz harter Arbeit und größter Armut den Fremden immer freundlich und warmherzig begegneten. „Ich will versuchen, etwas von dieser positiven Erfahrung in den hiesigen Alltag zu retten, mir bewusst machen, wie gut es uns gut geht und vor allem was wir für einen tollen Beruf haben“, sagt Nicola Hoedemaker. – Weitere Informationen auf Facebook unter https://www.facebook.com/burkina.belm/


Spenden willkommen:

Nach dem OP-Projekt ist vor dem OP-Projekt und so bereitet das Team bereits den nächsten Einsatz vor, hat sich dafür bereits ein Beatmungsgerät, ein Ultraschallgerät sowie eine Einrichtung für die Instrumentenaufbereitung gesichert – allesamt ausgediente Gerätschaften aus dem Verbund der Niels-Stensen-Kliniken, der das Projekt, dessen Kosten sich auf 15.000 bis 20.000 Euro belaufen, maßgeblich unterstützt. Überhaupt finanzieren sich die Initiative und das Projekt ausschließlich aus Spenden, für die das Team gern werben möchte. „Da wir alle ehrenamtlich arbeiten, fließt jeder Euro direkt in die Projekte“, bekräftigt Dr. Gerdes. „Jeder Euro kommt an.“ Über die Arbeit der Burkina Faso Initiative und den jüngsten Einsatz des OP-Team kann man sich bei einem Vortrag am Freitag, 20. April, um 19 Uhr in der Cafeteria des Krankenhauses St. Raphael Ostercappeln informieren.

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