Nahwärmenetz mit 150 Haushalten Uwe Lachermund engagiert sich für „Venner Energie

Von Christa Bechtel

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Vorstandsvorsitzender Uwe Lachermund ist seit der Gründung der „Venner Energie“ die treibende Kraft in Bezug auf das Nahwärmenetz in der Ortschaft. Foto: Christa BechtelVorstandsvorsitzender Uwe Lachermund ist seit der Gründung der „Venner Energie“ die treibende Kraft in Bezug auf das Nahwärmenetz in der Ortschaft. Foto: Christa Bechtel

Venne. 2012 entstand in Venne die Idee, dass die Abwärme, die bei der Produktion der jährlich drei Milliarden Waffeln von Meyer zu Venne entsteht, viel zu schade ist, um einfach so zu verpuffen. Daher wurde im Juli 2014 die „Venner Energie“ als eingetragene Genossenschaft gegründet, der rund 120 Mitglieder angehören. Und alle engagieren sich für eine klimaneutrale, kostengünstige und umweltgerechte Wärmelösung.

Einer von ihnen ist Vorstandsvorsitzender Uwe Lachermund, der seit der Gründung der „Venner Energie“ die treibende Kraft in Bezug auf das Nahwärmenetz in Venne ist. Völlig ehrenamtlich begleitete er gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen und dem Aufsichtsrat die schwierige Phase der Einrichtung des bundesweit als vorbildliches Projekt zum Klimaschutz und trieb es voran.

Außergewöhnliches Projekt

„Die Idee, aus Abwärme den Ort heizen zu können“, nennt Uwe Lachermund seine Intention, warum er sich von Beginn an beharrlich für dieses außergewöhnliche Projekt eingesetzt hat und dafür sogar seine berufliche Auszeit „opferte“. Nach umfangreichen Vorgesprächen und Machbarkeitsuntersuchungen seitens der Gemeinde Ostercappeln und der Waffelfabrik Meyer zu Venne sei durch das Ingenieurbüro INeG ein Konzept entwickelt worden, das im April 2014 den Bürgern in Venne präsentiert wurde. „Die Menge an Abwärme ist so groß, dass man sie besser nutzen kann, um aus der heißen Luft heißes Wasser zu machen, um das dazu zu verwenden, den Ort zu heizen“, hätten seinerzeit die INeG-Vertreter dargestellt. Da Lachermund von Anfang an das Projekt ‚cool‘ fand, setzte er sich auch vehement dafür ein, sprach als gebürtiger Venner etliche Leute an. Als Mitstreiter hatte er Holger Winkelmann und Hartmut Sarkowsky an seiner Seite.

Eine Bürgergenossenschaft

Warum ist die „Venner Energie“ ein Vorzeigeprojekt zum Klimaschutz? „Wir haben Dinge nicht einfach nur projektiert und überlegt, ob man das machen könnte, sondern wir haben es angepackt, eine Bürgergenossenschaft gegründet und es auch wirklich umgesetzt. Und zwar innerhalb gut eines Jahres. Das ist etwas, was man deutschlandweit bewundert – und die Politiker geben sich hier ‚die Klinke in die Hand‘“, erläutert Uwe Lachermund mit leuchtenden Augen. Vor Ort seien schon Bundestags-, Landtags- und sogar Europaabgeordnete gewesen. „Und wir sind als Leuchtturm-Projekt vom Land Niedersachsen geehrt worden“, erklärt der Diplom Betriebswirt und Informatiker, der in Bremen tätig ist.

Noch Verbesserungsbedarf

Für das System gebe es noch Verbesserungsbedarf insofern: „Da die Komplexität dieser Anlage doch unterschätzt worden ist. Sie funktioniert grundsätzlich; nur der Wirkungsgrad ist noch nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben“, verdeutlicht der Vater von sechs Kindern. In den 154 angeschlossenen Haushalten – mit dem neuen Baugebiet „Erlengrund“ werden noch einige neue erwartet – seien Übergabestationen mit Wärmetauschern eingesetzt worden, die die Brenner oder Thermen herkömmlicher Heizungsanlagen ersetzen, um zu heizen und Warmwasser zu erzeugen. „Die Wärmetauscher sind von den Dimensionen her nicht so, wie sie eigentlich sein müssten. Dann hat man unterschätzt, dass die Abgase auch Dinge beinhalten, die man nicht in der Abluft sieht, wie Lecithin oder Zucker, die sich in den Wärmetauschern festsetzen“, stellt Lachermund dar. Deshalb müssten sie auch alle vier Wochen gereinigt werden.

Klimaneutrale Wärmelösung

Natürlich können sich weitere Grundstückseigentümer zu einem Anschluss entschließen. Aber: „Es gibt Kapazitäten, die an den Rohrleitungs-Querschnitten gebunden sind.“ Bedingungen seien, dass Interessierte einen Hausanschluss bekommen, Anschluss plus Übergabestation würden 13.000 Euro kosten. Wer sich für die Nahwärme entscheide, habe zugleich einen Effizienzquotienten. „Der führt bei der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) dazu, dass man beispielsweise bei einem Darlehen von 100.000 Euro 10.000 Euro erlassen bekommt“,sagt der 53-Jährige. Die Tatsache, dass man etwas für die Umwelt tue, würde gerade viele Jüngere motivieren, sich der klimaneutralen Wärmelösung anzuschließen.

„Ich habe das extrem unterschätzt, wie viel Zeit das kostet“, gibt der ausschließlich ehrenamtlich Tätige zu, der darauf verweist: „Es gibt jeden Montagmorgen eine Telefonkonferenz zwischen unserem Steuerberater Obermeyer, Ostercappeln – Ansprechpartner ist Ingo Böckmann, der Neutrasoft Greven, die unsere Energieabrechnung macht, sowie unserem Aufsichtsratsvorsitzenden Rainer Ellermann und Bastian Hoffmann von der INeG, um Maßnahmen zu planen oder Dinge zu klären.“

Stabilität in die Technik

Uwe Lachermunds zukünftiger Wunsch für die „Venner Energie“ wäre: „Dass wir Stabilität in die Technik bekommen und dass wir möglichst schnell unsere wirtschaftliche Situation deutlich verbessern, sodass wir den Grundpreis, den wir mal angehoben haben, sehr schnell wieder reduzieren können. Langfristig wollen wir natürlich sehen, dass wir die ‚Venner Energie‘ nicht nur mit Nahwärme antreten lassen, sondern auch mit anderen Dingen, wie zum Beispiel einem Windrad.“


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